„Handygipfel“ Unterschiedliches Echo auf Handyverbot an Grundschulen
Die Gewerkschaft GEW spricht von „Showpolitik“. Fast alle Grundschulen in Sachsen haben die Nutzung privater Handys schon geregelt. Die Regierung will das per Handyverbot nun grundsätzlich regeln.

Dresden - Das geplante Handyverbot an sächsischen Grundschulen erhitzt die Gemüter. Kultusminister Conrad Clemens (CDU) hatte nach einem „Handygipfel“ am Donnerstagabend verkündet, ein Verbot an Grundschulen vorzubereiten. Anfang 2026 solle es bei einem weiteren Fachgespräch um die Nutzung privater Handys an weiterführenden Schulen und Maßnahmen zur Stärkung der Medienkompetenz gehen. Die CDU begrüßte das Vorgehen, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach hingegen von „Showpolitik“.
Gewerkschaft schimpft über „inszeniertes Schauspiel“
Der „Handygipfel“ sei keine ernsthafte Diskussion mit offenem Ergebnis gewesen, „sondern ein inszeniertes Schauspiel mit längst vorbereiteten Maßnahmen“, erklärte GEW-Chef Burkhard Naumann, der selbst teilgenommen hatte. „Der Minister behauptete zu Beginn des Gipfels, er wäre gekommen, um zuzuhören. Dabei kam er nur, um zu verkünden. Schon vor der Veranstaltung war klar: Am Ende sollte ein Handyverbot an Grundschulen stehen – unabhängig davon, was Expertinnen und Experten tatsächlich einbringen.“
GEW verweist auf andere Probleme an Schulen
Naumann verwies darauf, dass sächsische Schulen ganz andere Probleme wie Unterrichtsausfall, Lehrermangel und steigende Belastungen für Lehrkräfte hätten. In 99 Prozent der Grundschulen gebe es bereits Regelungen für die Handynutzung. „Dass der Minister nun einen ganzen Gipfel inszeniert, um ein Thema zu bespielen, das ihn in ein gutes Licht rückt, zeigt: Hier geht es nicht um Lösungen für die Schulen, sondern um politische Selbstdarstellung und um die Ablenkung von den eigentlichen Problemen.“
„Mit dem Verbot wird kein einziges Kind weniger Zeit vor dem Handy verbringen. Die wahren Probleme der übermäßigen Handynutzung liegen beim fehlenden Jugendschutz und bei verantwortungslosen Eltern, die ihre Kinder stundenlang mit dem Handy allein lassen. Sinnvolle Handyregeln müssen - in der Schule wie im Privaten - gemeinsam ausgehandelt, kontrolliert und von den Erwachsenen begleitet werden“, betonte der GEW-Chef.
CDU hält Handyverbot grundsätzlich für sinnvoll
CDU-Bildungsexperte Holger Gasse hielt das Verbot dagegen für grundsätzlich sinnvoll. „Es sollten Regeln gefunden werden, die dem Alter der Kinder und Jugendlichen entsprechen. Dabei sollten im Sinne der gelebten Praxis der Eigenverantwortung die Schulen vor Ort und die Eltern und Schüler einbezogen werden.“ Verbote würden aber nichts daran ändern, dass für Kinder und Jugendliche Medien zum Alltag gehören. Die Schule unterstütze hier mit der Vermittlung von Medienkompetenzen.
SPD: Handygipfel hätte man sich sparen können
Beim CDU-Koalitionspartner SPD sah man die Veranstaltung, an der auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) teilnahm, kritisch. „Diesen 'Handygipfel' hätte man sich sparen können. Das war Symbolpolitik, die wir uns angesichts der weiterhin herausfordernden Lage an unseren Schulen nicht leisten können“, betonte der Landtagsabgeordnete Gerald Eisenblätter. Die Entscheidung zum Umgang mit Handys und anderen elektronischen Geräten sollte weiterhin bei Schulen, den Lehrer, Eltern und Schülern liegen.
Grüne und Linke gleichfalls gegen Pauschalverbot
Vertreter von Grünen und Linken sprachen sich gleichfalls gegen ein Verbot aus. Das werde weder der Vielfalt der Schullandschaft noch dem Kinderschutz gerecht, betonte Grünen-Politikerin Christin Melcher. „Statt mehr Verboten brauchen wir mehr Medienpädagogik. Sonst verlagern wir die Problematik des ungesunden Medienkonsums in den privaten Raum. Damit ist keinem Kind geholfen.“ Nach Ansicht von Luise Neuhaus-Wartenberg (Linke) hilft ein Pauschalverbot niemandem. Man sollte junge Leute lieber altersgerecht für die digitale Welt fit machen.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht hatte bereits im Mai im Landtag ein Handyverbot an Grundschulen gefordert, konnte sich aber nicht durchsetzen. BSW-Fraktionschefin Sabine Zimmermann zeigte sich nun erfreut über das Umdenken bei der CDU. „Ein Verbot allein reicht natürlich nicht aus. Es braucht zusätzlich ein pädagogisches und bildungszentriertes Gesamtkonzept zur altersgerechten Nutzung digitaler Medien.“