verherrerendes Erotik-Shooting

"Kein Porno!": Verhafteter Fotograf spricht über illegales Nackt-Shooting in Dubai 

Auf einem Balkon mit Blick auf die Marina Bay in Dubai haben Anfang April mehrere Frauen nackt posiert. Nach ihrer Verhaftung spricht nun der Fotograf das erste Mal über das skandalöse Shooting.

Von Samantha Günther
Der Fotograf Vitaliy Grechin soll schon mit George Clooney gegessen und mit Hillary Clinton posiert haben. Facebook Account / Fotograf Vitaliy Grechin https://www.facebook.com/vitaliy.grechin

Dubai. Es war ein spontanes Shooting am helllichten Tag, welches der Fotograf Vitaliy Grechin am 3. April wagte. Auf einem Balkon in Dubai posierten für den 41-jährigen Russen mehrere nackte Frauen. Hüllenlos und für die Öffentlichkeit sichtbar.

Die Erotikbilder gingen weltweit viral – und genau das wurde ihnen zum Verhängnis. Die Polizei von Dubai nahm die rund 40 Models aus Ostblockländern und den Fotografen wegen öffentlicher Unzucht und der Verbreitung von Pornografie fest.

Knapp drei Wochen später spricht nun der Fotograf erstmals in einem "Daily Mail"-Interview über das verheerende Nackt-Shooting. Vitaliy Grechin, welcher die amerikanische und russische Staatsbürgerschaft besitzt, ist noch immer in den Vereinigten Arabischen Emiraten inhaftiert. Der 41-Jährige sollte vor kurzem entlassen werden. Doch aufgrund eines positiven Covid-19-Tests wird er noch immer im Gefängnis festgehalten. 

Bilder seien Kunst, keine Pornografie

Grechin wurde in der sowjetischen Ukraine geboren und wuchs in den USA auf. Der Familienvater kehrte zurück, um in Kiew zu leben und zu arbeiten, wo er eine Frau und einen Sohn hat. Der Fotograf und Immobilienmakler, der schon gemeinsam mit George Clooney aß und mit Barack Obama posierte, bereut die Nacktfotos: "Natürlich tue ich das. Und wir alle tun das."

"Es ist kein Porno. Überall sonst auf der Welt würde es als normal angesehen werden."

Vitaliy Grechin

Dennoch empfindet der Fotograf die Verhaftung als übertrieben. Seiner Meinung nach gelten die umstrittenen Schnappschüsse anderswo als Kunst: "Es ist kein Porno. Überall sonst auf der Welt würde die Bilder als normal angesehen werden. In Magazinen würde es als Kunst angesehen werden. Es waren einzigartige Aufnahmen", so Grechin im "Daily Mail"-Interview. 

Der ukrainische Geschäftsmann Vitaliy Grechin auf dem Foto mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama
Screenshot Facebook Account Vitaliy Grechin https://www.facebook.com/vitaliy.grechin

Frauen sind keine Models und Prostituierte

Laut Grechin sind die Frauen seine Freundinnen, mit denen er gemeinsam einen Urlaub verbringen wollte. Das Bild mit dem Wolkenkratzer im Hintergrund, sei aus einer spontanen Idee entstanden. Er wollte keinesfalls damit pornografisch werben: "Es war klar, dass es nicht die Absicht gab, jemanden zu beleidigen. Offensichtlich sind sie nicht nackt auf eine Moschee geklettert." Zudem betonte Vitaliy Grechin, dass die Frauen von ihm nicht angewiesen wurden, nackt zu posieren: "Sie sind keine Models, Escorts oder sonst etwas."

Er bezeichnete die Stadt Dubai als eine "heuchlerische Gesellschaft" in Sachen Sex. "Dubai hat wahrscheinlich die höchste Anzahl von Sexarbeitern im Nahen Osten", so Grechin. Er kenne etliche Personen, die Drogen nehmen würden und jeder Scheich bringe etwa 50 oder 60 Mädchen pro Woche aus der ganzen Welt mit in die Stadt.

Vitaliy Grechin verreist gerne gemeinsam mit seinen Freundinnen.
Screenshot Facebook Account Vitaliy Grechin https://www.facebook.com/vitaliy.grechin

Gefängnissystem soll "grenzwertig barbarisch" sein

In der Zwischenzeit wurden die Frauen aus der "Gefängnis-Hölle" entlassen und mit einem fünfjährigen Rückkehrverbot in die Vereinigten Arabischen Emirate belegt. Zehn Tage sollen die "Models" in Haft verbracht haben: ohne Essen, anständiges Wasser, Hygieneartikel, auf einem Metallbett ohne Laken.

So beschwerte sich die 27-jährige Anwältin Yana Graboshchuk, dass sie im Gefängnis wie "Tiere" behandelt worden seien. Auch Grechin bezeichnet das Rechts- und Gefängnissystem in Dubai als "grenzwertig barbarisch".  Die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen abgeschlossen, erklärte Generalstaatsanwalt Issam Issa al-Humaidan. Der Fotograf hofft nun, dass er bald das Land nach einem negativen Covid-Test verlassen kann.  

Dubais strenge Gesetze basieren auf der Scharia

Verhaftungen bei "unmoralischem Verhalten" sind in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht ungewöhnlich, da die strengen Gesetze auf der Scharia basieren. Verboten sind hier etwa das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit ohne Erlaubnis, das öffentliche Küssen oder das Teilen von pornografischen Inhalten. 

Die Polizei von Dubai warnt auf Twitter vor solch inakzeptablen Verhaltensweisen, die nicht die Werte und die Ethik der Gesellschaft der Emirate widerspiegeln.