DDR

Honecker strebte Föderation mit der Bundesrepublik an

Erich Honecker hat in den letzten Jahren der DDR eine Föderation mit der Bundesrepublik angestrebt.

Von epd

Saarbrücken / Berlin.  Dem Staatsratsvorsitzenden der DDR habe das Modell „Ein Land, zwei Systeme“ vorgeschwebt, sagte der Linken-Politiker Oskar Lafontaine dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Die DDR wäre dann erst einmal DDR geblieben und die BRD die BRD“, sagte der Vorsitzende der Fraktion der Linken im saarländischen Landtag und ehemalige Bundesvorsitzende der Linkspartei: „Aber die DDR hätte sich dann Schritt für Schritt transformiert“.

Der Historiker und Honecker-Biograf Martin Sabrow, Direktor des Potsdamer Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF), bestätigt die Erinnerungen Lafontaines. Honecker, der am 3. Mai vor 50 Jahren an die Spitze von SED und DDR trat, sei nicht der Mann gewesen, der die DDR taten- und ideenlos untergehen ließ.

Er habe „noch eine Karte im Spiel“ geglaubt, erklärt Sabrow: Einen Wahlsieg das damaligen SPD-Manns Lafontaine über den CDU-Kanzler Helmut Kohl. Danach sah es in den Umfragen lange aus. Mit dem neuen Kanzler, so Honeckers vage Hoffnung, hätte er dann eine Föderation von BRD und DDR anstreben können.

Wie aussichtsreich diese Idee gewesen sein mag, hätte die DDR länger bestanden, ist dem Forscher Sabrow zufolge schwer zu bewerten: „Für Honecker mochte sie eine ernsthafte Zukunftsoption dargestellt haben.“ Auch Oskar Lafontaine hält sich mit einem Urteil über die Verwirklichungschancen zurück. Er gibt aber zu bedenken, dass sie die Fortsetzung einer Politik gewesen wäre, die bereits funktionierte: „Das war nicht nur eine spinnerte Utopie.“