"Menschenunwürdige Geschehnisse"

Schwere Vorwürfe: "Ikke Hüftgold" rechnet mit Sat.1-Show ab

Matthias Distel, alias "Ikke Hüftgold", entfacht auf Instagram am Montagabend einen Skandal um die Sat.1-Show "Plötzlich arm, plötzlich reich". Er wirft dem Sender vor, schwerste Traumata von Kindern bewusst ignoriert zu haben. Er selbst brach die Dreharbeiten ab und stellt die Macher nun an den Pranger. Sat.1 will die Folge nun nicht mehr ausstrahlen.

Von Linda May van Bui
Nach seiner Teilnahme bei "Promi Big Brother 2020" wollte Matthias Distel bei "Plötzlich arm, plötzlich reich" mitmachen.
Nach seiner Teilnahme bei "Promi Big Brother 2020" wollte Matthias Distel bei "Plötzlich arm, plötzlich reich" mitmachen. Henning Kaiser/ dpa

Limburg - In der Sat.1-Show "Plötzlich arm, plötzlich reich" tauscht eine wohlhabende Familie eine Woche lang mit einer sozial schwächeren Familie den Wohnraum. Auch "Ikke Hüftgold", dessen bürgerlicher Name Matthias Distel ist, erklärte sich für das Tauschexperiment bereit. Nach Vorkommnissen, die der Musiker als unerträglich bezeichnet, rechnet der Musiker nun mit dem Sender ab.

Auf Instagram veröffentlichte der Limburger ein rund 18-minütiges Video, das den Titel "Gewissenlose Quotenjagd auf dem Rücken missbrauchter Kinder" trägt. Darin beschreibt er seine Erfahrungen, die er mit Sat.1 und der Produktionsfirma ImagoTV während der Dreharbeiten gemacht habe. Nach der Entscheidung, das Ganze abzubrechen, erhebt er nun schwere Vorwürfe und sei bereit Strafanzeige gegen Sender und Produktionsfirma zu stellen. 

Instagram-Video zum Sat.1-Skandal
Instagram-Video zum Sat.1-Skandal
Offizieller Instagram Kanal von Ikke Hüftgold

Das erlebte "Ikke Hüftgold" während der Dreharbeiten

Als der Musiker mit seiner Familie die Wohnung der sozial Schwächeren betreten habe, sei es bereits kurze Zeit später zu seelischer Aufruhr gekommen. "Die Tatsache, dass wir nach zehn Minuten Aufenthalt weinend vor der laufenden Kamera standen, soll lediglich deutlich machen, welche Emotionen beim Anblick dieser Zustände aus uns herausbrachen", schildert Distel. Weiter erklärt er: "In der Wohnung hing ein Kalender, der die letzten sechs Monate der Familie dokumentiert. Jedes Familienmitglied hatte seine eigene tägliche Spalte. Die zwei jüngsten Kinder sowie die Mutter befinden sich laut Eintragungen auf diesem Kalender in psychologischer Behandlung. Ich greife jetzt schon vorweg, dass später herauskam, dass die Produktion über die Behandlung der Kinder Bescheid wusste", so Distel in seinem Video.

Im Laufe der Produktion sei ans Licht gekommen, dass die Kinder in der Vergangenheit durch ihren eigentlichen Vater schwerste Kindesmisshandlungen erlitten haben, erklärt der Musiker. Das hätten er und seine Familie vor laufender Kamera erfahren - der Punkt, an dem er die Dreharbeiten abbrach. "Die ImagoTV GmbH dreht wissentlich mit traumatisierten und schwer misshandelten Kindern", betont er. 

Im Vorfeld seien zwar Casting-Gespräche mit der Familie und den Kindern geführt worden, ein psychologisches Risiko sei jedoch nicht in den Fokus gerückt worden. Distel sei der Ansicht, dass Psychologen hätten zu Rate gezogen werden müssen, ob man die acht und zehn Jahre alten Kinder "rechtlich und moralisch gesehen in ein Fernsehformat ziehen kann".

Psyche der Kinder war eindeutig instabil?

Im Verlauf des Videos schildert er: "Einer der Jungen schlug sich laut Aufnahmeleitung mehrfach den Kopf an meine Zimmerwand, um sich selbst zu verletzen. Auf dem Weg zu einem Außendreh kotete dieser Junge sich ein. Der andere, der jüngeren Geschwister, stand auf meinem Balkon im vierten Stock und schrie, dass er sich jetzt umbringen würde. Zudem schlugen sich die jüngsten Geschwister mehrfach." All diese Vorfälle hätten zum sofortigen Abbruch führen müssen, sagt Distel.

Distel schildert unter Tränen die Vorfälle.
Distel schildert unter Tränen die Vorfälle.
Offizieller Instagram Kanal von Ikke Hüftgold

Er habe im Anschluss, fernab der Kameras, ein Gespräch mit dem ältesten Sohn geführt, der nicht am TV-Projekt teilnehmen wollte. Der Musiker wollte mehr über den seelischen und körperlichen Zustand der Kinder erfahren, sagt er selbst. Dabei schildert er unter Tränen, dass es bei einem der Kinder auch zu Verletzungen im Intim- und Rückenebreich bereich gekommen sei.

Am Ende des Instagram-Beitrages schrieb er, dass er alle persönlichen und rechtlichen Konsequenzen für das Veröffentlichen dieses Videos in Kauf nehme und die Öffentlichkeit darum bitte, die Themen „Kindeswohl“ und die „Grenzen des TV-Voyeurismus“ lautstark und konsequent zu diskutieren!
Des Weiteren fordere er nun eine lückenlose Aufarbeitung von Sender- und Behördenseite sowie Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Sat.1 und ImagoTV äußerten sich zum Vorfall

Nachdem "Ikke Hüftgold" sich, neben dem Video, auch mit einer persönlichen Mail an die Fernsehmacher wandte, reagierten beide Unternehmen prompt. Auf Instagram schrieb der Sat.1: 
"Wir bedanken uns bei Matthias Distel, bekannt als Ikke Hüftgold, dass er uns über die Umstände beim Dreh zu 'Plötzlich arm, plötzlich reich' informiert hat. Unmittelbar nachdem wir seine Mail erhalten haben, haben wir begonnen, mit der Produktionsfirma und der Familienhilfe zu reden, um der Familie zu helfen und die Zusammenhänge aufzuarbeiten. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen." Desweiteren merkte der Sender an, dass keine Sekunde dieser Folge ausgestrahlt werden würde. 

Das Ganze Video von Matthias Distel ist hier zu sehen.

Disclaimer: Die Autorin hat selbst für wenige Wochen im Jahr 2017 für die TV-Produktionsfirma gearbeitet.