Fall Maddie McCann

Trauriger 18. Geburtstag: Eltern erinnern an vermisste Tochter "Maddie" und hoffen weiter

Im Mai 2007 verschwand Madeleine kurz vor ihrem vierten Geburtstag in Portugal. Immer noch ermittelt das BKA gegen einen Mann aus Deutschland. Eine Spur führte nach Sachsen-Anhalt, wo 2015 ein fünfjähriges Mädchen verschwand.

Von Samantha Günther
Vor 14 Jahren verschwand die damals knapp vierjährige Madeleine McCann in Portugal. 
Vor 14 Jahren verschwand die damals knapp vierjährige Madeleine McCann in Portugal.  http://findmadeleine.com/support/light/downloads.html

Magdeburg. Vor 14 Jahren verschwand die damals fast vierjährige Britin Madeleine McCann spurlos aus einem Ferienhaus im portugiesischen Praia da Luz. Seit ihrem mysteriösen Verschwinden gibt es keine Leiche, keine Anklage - nur einen Tatverdächtigen. Am heutigen Mittwoch, dem 12. Mai 2021, wäre Maddie 18 Jahre alt geworden.

Die Eltern beten noch immer für ein Wiedersehen. "Wir klammern uns an die Hoffnung, wie klein sie sein mag, dass wir Madeleine wiedersehen werden", schrieben Kate und Gerry McCann vor einigen Tagen auf der offiziellen Website "findmadeleine". Die Polizei behandelt den Fall immer noch unter "Vermisst". 

18. Geburtstag ist besonders schmerzhaft

Am Abend des 3. Mai 2007 verschwindet Maddie aus ihrem Bett. Die Eltern essen mit Freunden in einer Bar, nur etwa 50 Meter entfernt von ihren drei schlafenden Kindern. Um circa 22 Uhr stellt Mutter Kate McCann fest, dass Madeleine verschwunden ist.

Das Fenster war geöffnet, so heißt es in der zuletzt veröffentlichten True-Crime-Dokumentation "Das Verschwinden von Madeleine McCann". "Jeder Mai ist hart – eine Erinnerung an vergangene Jahre, an gemeinsame Jahre, die verloren oder gestohlen wurden", schreiben die Eltern weiter auf der Webseite

"Dieses Jahr ist es besonders schmerzhaft, weil wir Madeleines 18. Geburtstag feiern sollten."

Eltern von Maddie McCann

"Dieses Jahr ist es besonders schmerzhaft, weil wir Madeleines 18. Geburtstag feiern sollten." Die Eltern dankten den Behörden, dass sie trotz der Corona-Pandemie die Ermittlungen weiterführen. "Wie wir wiederholt gesagt haben, müssen wir wissen, was mit unserer lieben Tochter geschehen ist, egal was passiert. Wir sind der Polizei sehr dankbar für ihre anhaltenden Bemühungen", bedanken sich die Eltern von Maddie.

Auf dem Instagram-Account "findmadeleine" meldeten sich am Vormittag die Eltern mit einem herzzerreißenden Post. Bilder, auf denen Madeleine drei Jahre alt war, erinnern an ihre lebensfrohe Tochter. "Sie war ein hübsches, süßes, tolles und perfektes Mädchen. Was hat sie gemacht, dass sie das verdient hat?", schreibt die Familie.

Und Kate und Gerry McCann glauben weiterhin daran, ihre Tochter wiederzusehen: "Ich hoffe, dass du an deinem 19. Geburtstag mit deiner Familie zusammen sein und lächeln kannst." Erneut rufen sie dazu auf, sich bei weiteren Hinweisen zu melden. 

Viele Hinweise, doch noch immer keine Anklage

Nach dem erneuten Zeugenaufruf zum Fall des verschwundenen Mädchens sind seit Anfang Juni 2020 mehr als 800 Hinweise beim Bundeskriminalamt (BKA) eingegangen.
Nach dem erneuten Zeugenaufruf zum Fall des verschwundenen Mädchens sind seit Anfang Juni 2020 mehr als 800 Hinweise beim Bundeskriminalamt (BKA) eingegangen.
picture alliance/dpa/ZDF | -

Der mehrfach unter anderem wegen Sexualdelikten vorbestrafte Christian B. steht unter Verdacht, Maddie ermordet zu haben. Seit November sitzt der Braunschweiger in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel. Der 44-Jährige, der in Würzburg bei Pflegeeltern und im Waisenheim aufwuchs, verbüßt dort den Rest seiner Verurteilung wegen Drogenhandels. Anschließend muss er eine siebenjährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung einer Frau in Portugal absitzen.

BKA-Ermittler Christian Hoppe sagte im vergangenen Jahr in der ZDF-Fahndungssendung "Aktenzeichen XY ungelöst", dass zahlreiche Indizien im Fall "Maddie" den Verdächtigen wegen Verschleppung und Mordes belasten, ein entscheidender Beweis aber noch fehle. Seitdem wurde immer noch keine Anklage erhoben.

Staatsanwaltschaft von Tod des Mädchens überzeugt

Der im Fall Maddie McCann ermittelnde Staatsanwalt Hans Christian Wolters sagt, er habe "materielle Beweise" für den Tod des Mädchens. Das bestätigte der Staatsanwalt in einem TV-Interview mit dem portugiesischen Nachrichtensender Rádio e Televisão de Portugal (RTP) im September 2020.

"Welche Beweise haben Sie, dass Madeleine tot ist?"

Sandra Felgueiras

Die portugiesische Journalistin Sandra Felgueiras fragt noch genauer nach: "Welche Beweise haben Sie, dass Madeleine tot ist?" Wolters antwortet: "Zu den Sachen, die wir haben, kann ich nichts sagen. Ich kann das weder dementieren noch bestätigen."

Staatsanwalt Hans Christian Wolters spricht in der Staatsanwaltschaft zu Medienvertretern über die Ermittlungen im Fall Maddie.
Staatsanwalt Hans Christian Wolters spricht in der Staatsanwaltschaft zu Medienvertretern über die Ermittlungen im Fall Maddie.
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"Wir haben tatsachengestützte Erkenntnisse, keine forensischen Beweise." Und Wolters ergänzt: "Wenn wir uns nicht so sicher wären, dann wären wir mit diesen Informationen auch nicht an die Öffentlichkeit gegangen - auch wir haben keine Lust, uns zu blamieren." 

Sandra Felgueiras ist überzegt davon, dass in Portugal derzeit nach den sterblichen Überresten von Maddie McCann gesucht wird. Die deutsche Staatsanwaltschaft will offenbar sicher sein, bevor sie Anklage gegen Christian B. erhebt. 

Tatverdächtige hat Grundstück in der Börde

2016 war B. schon mal in den Fokus der Ermittlungen im Vermisstenfall Inga Gehricke aus Sachsen-Anhalt geraten- die damals 5-jährige Inga verschwand am 2. Mai 2015 spurlos bei einem Familienausflug in Wilhelmshof bei Stendal. Nach Ingas Verschwinden suchten Polizei und Helfer mehrfach große Waldstücke nach dem aus Schönebeck stammenden Mädchen ab. Inga blieb verschwunden – genau wie Maddie.

"Es wird jetzt geprüft, ob es neue Anhaltspunkte im Zusammenhang mit dem Mordverdächtigen in Braunschweig gibt."

Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stendal

Laut Ermittlungen, hatte nur einen Tag vor dem Verschwinden von Inga der Verdächtige auf einem Autobahnrastplatz bei Helmstedt in Fahrtrichtung Helmstedt einen Parkplatzunfall. Der Rasthof liegt nur etwa 90 Kilometer von Wilhelmshof entfernt. Die Anwältin von Ingas Mutter forderte neue Ermittlungen. "Es wird jetzt geprüft, ob es neue Anhaltspunkte im Zusammenhang mit dem Mordverdächtigen in Braunschweig gibt.", so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stendal.

Das Foto der vermissten fünfjährigen Inga aus Schönebeck.
Das Foto der vermissten fünfjährigen Inga aus Schönebeck.
Kriminalpolizei Stendal

Der Verdächtige besitzt in Neuwegersleben (Börde) ein altes verfallenes Grundstück. Bei einem Polizeieinsatz auf dem Anwesen im Jahr 2016 seien Datenträger mit kinderpornografischen Aufnahmen gefunden worden. Doch bis klare Beweise auftauchen, bleibt es dabei: Man hat einen wahrscheinlichen Täter - aber nach 14 Jahren immer noch keine Sicherheit über das Schicksal von Maddie McCann. Zum 18. Geburtstag legen die Eltern und Familie Karten und Geschenke in das Kinderzimmer von Madeleine.