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  7. Unfall im Sauerland: Rettungshubschrauber muss wegen Drohne sechs Kilometer entfernt landen

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Unfall in NRWFünf Verletzte: Darum muss Rettungshubschrauber sechs Kilometer entfernt landen

Ein junger Mann ist bei einem Unfall im Sauerland lebensgefährlich verletzt worden. Sein Auto war frontal mit einem anderen Wagen zusammengestoßen. Doch der landende Rettungshubschrauber wurde behindert.

Von dpa 12.01.2024, 16:47
Der Feuerwehreinsatz nach dem Frontalzusammenstoß zweier Autos in Menden im Sauerland.
Der Feuerwehreinsatz nach dem Frontalzusammenstoß zweier Autos in Menden im Sauerland. Foto: Feuerwehr Menden/dpa

Menden. - Wegen einer direkt über der Einsatzstelle fliegenden Drohne hat ein Rettungshubschrauber im Sauerland weiter entfernt landen müssen.

Als der Rettungshubschrauber für den schnellen Transport eines Schwerstverletzten im Landeanflug war, stellten die Einsatzkräfte die Drohne fest, wie die Feuerwehr am Donnerstag zu dem Einsatz bei einem schweren Verkehrsunfall am Vorabend mit insgesamt fünf Verletzten in Menden (Nordrhein-Westfalen) mitteilte.

Unfall in NRW: Pilot muss wegen Drohne abdrehen

Der Pilot drehte wegen der Drohne aus Sicherheitsgründen ab und landete statt an der Einsatzstelle an einer sechs Kilometer entfernten Feuerwache. Der Schwerstverletzte musste mit einem Rettungswagen dorthin gefahren werden.

Die Rettungsmaßnahmen verzögerten sich laut Feuerwehr dadurch stark. Der Hubschrauberpilot habe etwa eine halbe Stunde lang nach einem geeigneten Landeplatz gesucht, schilderte ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Menden.

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Die ADAC Luftrettung verdeutlichte, dass es sich um einen Einsatz des Hubschraubers "Christoph Westfalen" bei Dunkelheit gehandelt habe. Das mache das Suchen nach einem geeigneten Landeplatz schwieriger. "Solche schwerwiegenden Fälle kommen nur vereinzelt vor im Jahr", sagte ein Sprecher.

Die Dunkelziffer von unbekannten Drohnen in unmittelbarer Nähe der Einsatzorte von Rettungshubschraubern sei aber leider ungleich höher. Viele Drohnen seien aufgrund ihrer Größe in dem Moment nicht erkennbar. Nach Eindruck der Rettungskräfte nehmen zumindest die Fälle zu, bei denen Schaulustige an einer Einsatzstelle möglichst spektakuläre Aufnahmen für Social Media machen wollen.

Drohne für Rettungshubschrauber im Sauerland "unkalkulierbares Risiko"

Aktuell gebe es keine Systeme, um Drohnen bei Rettungseinsätzen erkennen zu können, erklärte der Sprecher. Dabei werde der Luftraum für Drohnen aller Art und Größe genutzt. Er appellierte an alle Hobby-Drohnenpiloten, dass Flüge in der Nähe von Einsatzorten und auch von Hubschraubern tabu seien.

An Krankenhäusern gebe es im Radius von 1,5 Kilometern um Landeplätze Verbotszonen, in denen keine Drohnen fliegen dürften. Verstöße würden hier mit hohen Strafen belegt. Die ADAC Luftrettung wolle 2024 mit einer digitalen Plattform starten, um die Rettungsflüge sichtbar zu machen und gleichzeitig Einsatzkräfte, die selbst eine Drohne einsetzen wollten, frühzeitig zu warnen.

"In diesem Fall ist wertvolle Zeit verloren gegangen"

Im konkreten Fall in Menden ist die Hubschrauberbesatzung den Angaben zufolge über Funk von der Feuerwehr auf die Drohne hingewiesen worden. Dies habe ein unkalkulierbares Risiko dargestellt.

In der Dunkelheit habe die Besatzung noch einmal einen sicheren Landeplatz suchen müssen, der möglichst in der Nähe lag. "In diesem Fall ist wertvolle Zeit verloren gegangen", verdeutlichte der Sprecher der ADAC Luftrettung mit Blick auf die Folgen des Drohnenfluges. Ob das medizinische Folgen für den Patienten gehabt habe, sei nicht abschätzbar.

Nach dem Frontalzusammenstoß zweier Autos war ein schwer verletzter 22-Jähriger nach Informationen der Polizei am Donnerstagmorgen außer Lebensgefahr. Er saß in einem Wagen, der nach ersten Erkenntnissen auf der Bundesstraße 515 am Ende einer Kurve auf die Gegenfahrbahn geriet. Eine entgegenkommende Autofahrerin konnte dem Fahrzeug am Mittwochabend noch ausweichen, ein nachfolgendes Auto aber nicht.