Prozess in Siegen

Trotz Polizei-Eskorte: Vater bringt bewusstloses Kind ins Krankenhaus - Führerschein weg!

Nachdem er seine zweijährige Tochter bewusstlos in seiner Wohnung auffand, zögerte ein Vater aus Siegen nicht lange: Mit Vollgas raste er mit seinem Kind in die Notaufnahme. Obwohl er auf dem Weg dahin sogar von der Polizei eskortiert wurde, muss er nun seinen Führerschein abgeben.

20.05.2022, 12:50
In Siegen wurde ein Mann zu einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt, nachdem er sein Kind ins Krankenhaus bringen wollte.
In Siegen wurde ein Mann zu einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt, nachdem er sein Kind ins Krankenhaus bringen wollte. Symbolbild: imago images / Panthermedia

Siegen/DUR – Ein 32-jähriger Vater aus Siegen muss seinen Führerschein abgeben, obwohl er nur sein Kind retten wollte: Wie die „Siegener Zeitung“ berichtet, kam der Mann am 18. Januar von der Arbeit nach Hause und fand seine zweijährige Tochter bewusstlos in seiner Wohnung.

Siegen: Mann will Tochter in Notaufnahme bringen und wird geblitzt

Da weder er noch seine Frau Deutsch sprechen, riefen sie keinen Krankenwagen. Stattdessen setzte sich der Mann hinter das Steuer seines Fahrzeugs, um das Kind selbst in die Notaufnahme zu bringen. Da er jedoch nicht anschnallt war, wurde er unterwegs von der Polizei gestoppt.

Die Beamten erkannten die Notlage des Mannes und eskortierten ihn und sein Kind zur Klinik. Doch unterwegs gerieten beide Fahrzeuge in eine Radarkontrolle und wurden geblitzt. Am vergangenen Mittwoch musste sich der Mann dafür vor Gericht verantworten.

Richter kennt keine Gnade: Vater muss nach Notfall-Fahrt Führerschein abgeben

Obwohl die Polizisten vor Gericht glaubhaft schildern konnten, dass es sich um einen Notfall gehandelt habe, ließ sich der Richter von den Hintergründen nicht beeindrucken: „Die Polizisten sind für mich nicht maßgeblich, weil sie keine Fachleute sind“, zitiert die „Siegener Zeitung“ Richter Dr. Paul Sprenger.

Der Vater habe die Lage laut der Aussage des Richters falsch eingeschätzt und hätte – trotz mangelnder Sprachkenntnisse – einen Notarzt verständigen sollen, statt sein Kind selbst in die Klinik zu fahren. „Er hätte ruhig bleiben können. Kinder in diesem Alter haben solche Fieberanfälle schon mal“, so Sprenger.

Am Ende reduzierte der Richter das zuvor verhängte Bußgeld zwar auf 260 Euro. Das einmonatige Fahrverbot blieb jedoch bestehen, obwohl der Vater berufsbedingt auf sein Fahrzeug angewiesen ist. Laut der „Siegener Zeitung“ habe der Richter so entschieden, weil der Mann sich für sein Verhalten weder entschuldigt habe, noch Reue gezeigt hätte.