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Tod nach Krampfanfall Viele Fragen nach Tod eines Mannes im Polizeigewahrsam offen

Warum starb ein 33-Jähriger kurz nach einem medizinischen Notfall im Polizeigewahrsam? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen und der Stand der Ermittlungen hier im Überblick.

Von dpa 06.02.2026, 16:50
Die Ausgangsschleuse werde aus Datenschutzgründen nicht videoüberwacht, sagte ein Polizeisprecher. (Symbolbild)
Die Ausgangsschleuse werde aus Datenschutzgründen nicht videoüberwacht, sagte ein Polizeisprecher. (Symbolbild) Hauke-Christian Dittrich/dpa

Hannover - Ein 33 Jahre alter Mann ist wenige Tage nach einem medizinischen Notfall im Polizeigewahrsam in Hannover gestorben. Der Mann war am Montagmorgen zusammengebrochen, als er den Gewahrsam verlassen sollte, wie die Polizei mitteilte. Demnach erlitt er einen Krampfanfall und verlor das Bewusstsein. Nach Reanimationsmaßnahmen kam er in ein Krankenhaus, wo er am Mittwoch starb. Viele Fragen zu dem Fall sind noch offen.

Wieso wurde der Mann in Gewahrsam genommen?

Die Polizei war in der Nacht zu Montag wegen eines Streits und einer Sachbeschädigung im hannoverschen Stadtteil Vahrenwald alarmiert worden. Gegen den Mann wurde ein Platzverweis ausgesprochen. Da er diesem nicht nachkam, sollte er in Gewahrsam genommen werden.

Wieso wurde der Mann vorher von einem Arzt untersucht?

Nach Polizeiangaben leistete der 33-Jährige Widerstand, als die Polizei ihn in Gewahrsam nehmen wollte. Er wurde dabei demnach leicht verletzt. Ein Arzt habe ihn anschließend untersucht und die Gewahrsamsfähigkeit festgestellt.

Was ist über diese Verletzungen bekannt?

Details zu den Verletzungen nennt die Polizei nach Angaben eines Sprechers grundsätzlich nicht. Aus Datenschutzgründen würden stets nur die fünf Kategorien unverletzt, leicht verletzt, schwer verletzt, lebensgefährlich verletzt und tödlich verletzt mitgeteilt, sagte dieser. Demnach galt der Mann als leicht verletzt.

In welchen Umständen geschah der medizinische Notfall?

Am frühen Montagmorgen sollte der 33-Jährige entlassen werden. In der Ausgangsschleuse der Polizeiliegenschaft habe er sich geweigert zu gehen. Als Einsatzkräfte ihn aus der Schleuse schieben wollten, habe er plötzlich gekrampft und das Bewusstsein verloren. Die Beamten begannen demnach sofort mit Reanimationsmaßnahmen und alarmierten den Rettungsdienst.

Wurde der Mann in der Schleuse noch einmal verletzt?

Nach Angaben der Polizei erlitt der 33-Jährige dabei keine weiteren äußeren Verletzungen. Die zuvor festgestellten leichten Verletzungen hätten sich nicht verschlimmert.

Ist der Bereich videoüberwacht?

Nein. Die Ausgangsschleuse werde nicht videoüberwacht, teilte die Polizei mit. Dort hielten sich auch Besucher, Beschuldigte und Geschädigte auf, weshalb eine Überwachung aus Datenschutzgründen nicht zulässig sei.

Wer ermittelt zu den Todesumständen?

Die Ermittlungen führt der Zentrale Kriminaldienst Hannover. Dabei handelt es sich um eine andere Dienststelle als die, deren Beamte am Einsatz beteiligt waren. Dort ist auch ein Fachkommissariat für Amtsdelikte angesiedelt, das Verfahren gegen Amtsträger bearbeitet.

Wie wird die Unabhängigkeit der Ermittlungen gewährleistet?

Nach Angaben der Polizei ist es Standard, dass in solchen Fällen eine andere Dienststelle ermittelt als die beteiligten Beamten. Zudem bearbeite ein spezialisiertes Kommissariat mögliche Amtsdelikte. „Originär ist unsere Aufgabe, Straftaten zu verfolgen und zu erhellen. Und das unabhängig davon, wer beschuldigt oder geschädigt wird“, sagte der Sprecher. Hinweise auf strafbare Handlungen durch die Einsatzkräfte gebe es bislang nicht.

Was ergab die Obduktion?

Das Ergebnis der angeordneten Obduktion liegt laut Polizeisprecher bislang nicht vor. Wann sie abgeschlossen sein wird, ist den Angaben nach derzeit unklar. Erfahrungsgemäß könne es mehrere Tage dauern, bis alle Untersuchungen ausgewertet seien.

Was sagt die Politik zum Fall?

Ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums sagte, es sei immer tragisch, wenn jemand im Zusammenhang mit Polizeigewahrsam sterbe. Nach seinem Kenntnisstand sei bislang kein Fehlverhalten der Beamten festgestellt worden. Der Fall müsse gründlich untersucht und aufgearbeitet werden. Eine Bewertung nehme das Ministerium derzeit nicht vor.

Wie geht es nun weiter?

Zunächst sollen die Todesumstände durch die Ermittlungen und die Obduktion geklärt werden. Das Verfahren könnte später an die Staatsanwaltschaft übergehen, die dann auch über weitere öffentliche Informationen entscheidet. Viele Details sind derzeit noch offen.