Paris (dpa) - Bei der tödlichen Messerattacke nahe Paris verdichten sich die Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Der 22-Jährige sei radikalisiert gewesen und habe die Tat vorbereitet, hieß es von den Anti-Terror-Spezialisten der Staatsanwaltschaft.

Sie hatten den Fall am Samstagabend übernommen. Der Mann war den Ermittlern zufolge vor etwa zwei Jahren zum Islam konvertiert und hatte schwere psychische Probleme. Die Tat trifft Frankreich kurz vor dem fünften Jahrestag des Anschlags auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo".

Der 22-jähriger Angreifer hatte am Freitagnachmittag südlich von Paris in der Gemeinde Villejuif mehrere Menschen im Bereich eines Parks wahllos mit einem Messer angegriffen. Ein Mensch wurde getötet, zwei weitere verletzt. Der Täter wurde von der Polizei erschossen. Er sei "vorsätzlich mörderisch" vorgegangen, die öffentliche Ordnung würde durch diesen Terror ernsthaft gestört, so die Anti-Terror-Fahnder.

Zuvor hatte die örtliche Staatsanwaltschaft Details zum Ablauf der Tat bekanntgeben: Gegen 14 Uhr bedrohte der Angreifer erstmals Menschen im Park. Dabei rief er "Allahu akbar" (Arabisch für "Gott ist groß"). Ein Opfer kam nur davon, weil es sich als Muslim zu erkennen gab und ein Gebet aufsagte. Daraufhin griff der Täter ein Paar an, dass im Park unterwegs war. Der Mann versuchte noch seine Frau zu schützen - dabei wurde er getötet. Die Frau wurde verletzt. Anschließend attackierte der Angreifer eine Joggerin etwas außerhalb des Parks und verletzte sie.

Nach einer kurzen Flucht wurde er von der Polizei erschossen. Die Einsatzkräfte vermuteten einen Sprengstoffgürtel - das stellte sich allerdings als falsch heraus. Über den Angreifer ist laut Ermittlern bekannt, dass er seit seiner Kindheit psychologisch auffällig und immer wieder in stationärer Behandlung war - zuletzt im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sei ihm schon als Kind eine hohe Intelligenz bescheinigt worden. Während des Angriffs hätten mehrere Zeugen den Angreifer sagen hören, dass er "ohne Medikamente" unterwegs sei.

In der Nähe des Tatorts fand die Polizei eine Tasche, die dem Mann gehörte - daran befanden sich ein Koran, aber auch salafistische Schriften und eine Art Testament. Dem Geheimdienst war der 22-Jährige unbekannt. Zuletzt hatte im Oktober ein zum Islam konvertierter Polizeimitarbeiter im Pariser Polizeihauptquartier mehrere Kollegen ebenfalls mit einem Messer erstochen. Auch er war den Ermittlern zuvor nicht als radikalisiert bekannt gewesen.

Einen weiteren Vorfall gab es laut lokalen Medien am Sonntag in der Stadt Metz im Osten des Landes: Dort schoss die Polizei auf einen Mann, der ein Messer gezückt hatte und auf Arabisch rief: "Gott ist der Größte". Der Mann wurde verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Laut Staatsanwaltschaft litt er an psychischen Problemen, war aber auch auf einer Extremisten-Beobachtungsliste der staatlichen Sicherheitsorgane.

Am Dienstag jährt sich der Angriff auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" zum fünften Mal. Damals wurden in der Redaktion und bei weiteren Attacken 17 Menschen getötet. Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorserie heimgesucht - mehr als 250 Menschen verloren ihr Leben. Die Terrorgefahr ist weiterhin groß.

Villejuif ist eine Gemeinde einige Kilometer südlich des Pariser Stadtzentrums. Sie hat etwa 55 000 Einwohner und ist an das Pariser Metronetz angeschlossen. 2015 wurde dort ein Terroranschlag auf eine Kirche verhindert. Ein 24-Jähriger mit Kontakt nach Syrien wollte mit einem Waffenarsenal aus Kalaschnikow-Sturmgewehren, Pistolen und Revolvern Anschläge unter anderem die Kirche Saint-Cyr-Sainte-Julitte in Villejuif angreifen.

Warum der Messerangreifer, der im 14. Arrondissement wohnte, ausgerechnet Villejuif für seinen Angriff auswählte, war unklar. Villejuif bedeutet übersetzt so viel wie "jüdische Siedlung", die Herkunft des Namens ist aber ungeklärt.