Tel Aviv (dpa) - Nach einem erneuten tödlichen Anschlag auf Israelis im besetzten Westjordanland wächst die Furcht vor einer neuen Eskalation der Gewalt im Heiligen Land.

Die israelische Armee riegelte bei der Suche nach dem mutmaßlichen palästinensischen Attentäter Ramallah ab, das Verwaltungszentrum der Palästinenser im Westjordanland. Dies bestätigte ein Armeesprecher.

Zuvor hatten israelische Sicherheitskräfte zwei mutmaßliche palästinensische Attentäter aus dem Westjordanland bei versuchten Festnahmen getötet. Zwei weitere Palästinenser wurden nach Armeeangaben bei ihren eigenen Attacken erschossen.

Bei dem Anschlag nördlich von Jerusalem hatte nach Angaben der israelischen Armee ein Palästinenser zwei israelische Soldaten erschossen. Zwei weitere Menschen wurden verletzt, wie der israelische Rettungsdienst Zaka mitteilte. Nach Angaben der Armee hatte der Angreifer am Vormittag das Feuer auf Menschen an einer Bushaltestelle eröffnet. Er sei mit seinem Auto geflohen. Die Armee durchsuche vor allem das Gebiet um Ramallah.

Das Verwaltungszentrum der Palästinenser sei abgeriegelt, hieß es. Nach palästinensischen Medienberichten ist dies das erste Mal seit der zweiten Intifada. Der Palästinenseraufstand endete 2005.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte als Reaktion auf den Anschlag einen Ausbau der israelischen Siedlungen im Westjordanland an. Unter anderem soll der Bau von 82 Wohnungen in der Siedlung Ofra genehmigt werden. Außerdem sollten Tausende Wohnungen legalisiert werden. Israel unterscheidet zwischen Siedlungen, die mit Genehmigung der Regierung gebaut wurden, und illegalen Außenposten. Nach internationalem Recht sind jedoch alle Siedlungen illegal.

Die radikal-islamische Hamas lobte den Anschlag nördlich von Ramallah. Das Büro des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas verurteilte die Gewalt, machte aber die fehlenden Perspektiven für Frieden und das Vorgehen der israelischen Armee in den Palästinenserstädten dafür verantwortlich.

Die Attacke kommt nur wenige Tage nach einem Anschlag bei der israelischen Siedlung Ofra. Eine hochschwangere Frau war dabei am Sonntag schwer verletzt worden. Drei Tage später starb ihr Baby, das Ärzte mit einem Notkaiserschnitt in der 30. Woche geholt hatten.

Einer der beiden getöteten Palästinenser soll an dem Anschlag bei Ofra beteiligt gewesen sein, wie Israels Sicherheitsminister Gilad Erdan sagte. Der zweite soll im Oktober in einer Fabrik nahe der israelischen Siedlung Barkan im nördlichen Westjordanland zwei Israelis getötet haben.

Jonathan Conricus, Sprecher der Armee, verwies nach den beiden Anschlägen mit Schusswaffen auf das Phänomen der Nachahmungstäter. Diese würden durch soziale Netzwerke und Internetseiten, wie die der Hamas, bestärkt. "Wir werden unsere Präsenz im Westjordanland mit einigen weiteren Kampftruppen verstärken", sagte er.

Landwirtschaftsminister Uri Ariel von der Siedlerpartei forderte die Schließung der zentralen Nord-Süd-Achse, Straße 60, im Westjordanland für palästinensische Fahrzeuge. Die Fraktion werde am Abend zusammenkommen und über ihre weitere Mitarbeit in der Regierung beraten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu regiert aktuell mit einer dünnen Mehrheit von 61 zu 59 Mandaten im Parlament.

Am Donnerstagnachmittag versuchte ein Palästinenser nach Armeeangaben, mit seinem Auto israelische Soldaten in Al-Bireh nahe Ramallah zu überfahren. Ein Soldat sei leicht verletzt worden. Sicherheitskräfte hätten auf den Fahrer geschossen. Das Gesundheitsministerium in Ramallah bestätigte den Tod des Fahrers. Nach palästinensischen Medienberichten handelte es sich um einen 60-Jährigen, der in Panik geraten war und aus Versehen auf die Soldaten zufuhr. Zuvor war es demnach zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten in Al-Bireh gekommen.

In der Nacht auf Donnerstag hatten israelische Polizisten bereits einen mutmaßlichen palästinensischen Angreifer in der Jerusalemer Altstadt erschossen. Er soll nach Angaben der Polizei zwei Polizisten angegriffen und verletzt haben.

Seit Herbst 2015 kommt es wieder verstärkt zu Anschlägen im Westjordanland. Israel hatte 1967 im Sechstagekrieg unter anderem Ost-Jerusalem und das Westjordanland erobert. Die Palästinenser fordern das Gebiet für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Zaka auf Twitter

   

Bilder