Was kostet meine Krankenkasse im kommenden Jahr?

DAK: Die drittgrößte Kasse hebt den Satz um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent an. Damit steigt der allein von den Versicherten zu zahlende Zusatzbeitrag von 0,9 auf 1,5 Prozent. Bei einem Durchschnittsverdienst von monatlich 2500 Euro schlägt das mit 15 Euro zu Buche. Für einen Beschäftigten an der Beitragsbemessungsgrenze (4237,50 Euro) sind es 25 Euro.

Barmer: Der Beitragssatz steigt um 0,2 Punkte auf 15,7 Prozent.Damit geht bei der zweitgrößten Kasse der Zusatzbeitrag von 0,9 auf 1,1 Prozent hoch. Dadurch kommen auf einen Versicherten mit einem Monatseinkommen von 2500 Euro Zusatzkosten von fünf Euro monatlich zu.

Die Techniker-Krankenkasse: Die größte Krankenkasse erhöht ihren Beitragssatz um 0,2 Prozentpunkte auf insgesamt 15,6 Prozent. Damit steigt der allein von den Versicherten zu zahlende Zusatzbeitrag von 0,8auf 1 Prozent.

AOK Sachsen-Anhalt: Der Beitragssatz ändert sich nicht. Diese Kasse hatte 2015 zum festen Beitagssatz von 14,6 Prozent einen Zusatzbeitrag von 0,3 Prozent erhoben. Damit beträgt der Beitragsatz 14,9 Prozent. Das bleibt auch 2016 so.

Die hkk (Handelskrankenkasse) erhebt in diesem Jahr einen Zusatzbeitrag von 0,4 Prozent. Im kommenden Jahr wird dieser um 0,19 Punkte ansteigen. Damit wird bei dieser bundesweit wählbaren Krankenkasse ein Beitragssatz von 15,19 Prozent fällig.

Berlin (dpa) l Für die Kranken-Versicherten wird es nach Neujahr teils deutlich teurer. Dabei gibt es einen Ausreißer nach oben: Die DAK-Gesundheit legt um 0,6 Prozentpunkte zu und ist damit bei einem Gesamtbeitrag von 16,1 Prozent die wohl teuerste Krankenkasse. Doch auch andere Versicherungen müssen anheben. Die Kostensteigerungen gehen zu Lasten der Versicherten.

 

Warum steigen die Krankenkassen-Beiträge überhaupt?

Weil die Ausgaben der Kassen stärker wachsen als die Einnahmen. So haben sie in den ersten drei Quartalen 2015 ein Defizit von 395 Millionen Euro eingefahren. Für die Ärzte gaben die Kassen 4 Prozent je Versicherten mehr aus, für Arzneimittel 4,4 Prozent, für Klinikbehandlungen 3,1 und für das Krankengeld 5 Prozent mehr.

Was zeichnet sich bei den Finanzen künftig ab?

Bessere, aber auch teurere Medikamente und Medizingeräte sowie eine alternde Bevölkerung treiben die Kosten hoch. Aber auch die jüngsten Reformen etwa zugunsten der Pflege in den Kliniken oder der Palliativversorgung gibt es nicht zum Nulltarif. „Seit der vergangenen Legislaturperiode hat es nur Gesetze gegeben, die mehr Geld kosten“, sagt der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub. Die GKV werde 2016 mit 1,4 und 2017 mit 3 Milliarden Euro zusätzlich belastet. „Wir haben Druck im System.“

Wie entwickeln sich die Beiträge längerfristig?

Der allgemeine Beitragssatz liegt bei 14,6 Prozent – von Arbeitnehmern und Arbeitgebern jeweils zur Hälfte zu zahlen. Unter dem Druck wachsender Kosten steigt der dazukommende durchschnittliche Zusatzbeitrag der Kassen 2016 von 0,9 auf 1,1 Prozentpunkte. Insgesamt sind es im Schnitt dann also 15,7 Prozent. Die Differenzen zwischen den einzelnen Kassen wachsen. Nach Schätzungen der Kassen werden die Beiträge bis 2020 um jährlich durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte weiter ansteigen. Insgesamt wären es dann 16,6 Prozent – im Durchschnitt.

Was bedeutet das für den Geldbeutel der Versicherten?

Pro 2000 Euro Bruttoeinkommen bedeutet ein Beitragsschritt von 0,2 Prozentpunkten 4 Euro – geht es also binnen einiger Jahre um 2 Prozent hoch, sind das rein rechnerisch 40 Euro mehr pro Monat.

Wie reagieren die Kassen?

Sie wollen die Kosten etwa in den Griff bekommen, indem sie gezielt auf Krankengeld-Bezieher zugehen und sie zu gesundem Leben und passenden Therapien anhalten. Sie wollen durch Leistungen punkten. Aber auch weitere Fusionen unter den derzeit noch gut 120 Kassen stehen an. Vor allem bei den vielen vergleichsweise kleinen Betriebskrankenkassen ist der Druck immens. Bei den Kassengiganten steht zum 1. Januar 2017 der Zusammenschluss der Barmer GEK und Deutschen BKK an. Nach heutigem Stand lösen sie die TK als größte Kasse ab.

Was fordern Kassen und Opposition?

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fror den Arbeitgeberanteil bei 7,3 Prozent ein – in der Hoffnung, so Arbeitsplätze zu sichern. Kassen, Opposition und Gewerkschaften wollen auch die Arbeitgeber an den Kostensteigerungen beteiligen, indem sie den gesamten Beitrag wieder bis hin zur völligen Parität auf beide Seiten verteilen. Zudem wollen Ersatz- und Betriebskrankenkassen den Risikostrukturausgleich zwischen den Kassen neu regeln, da sie der Auffassung sind, dass er zurzeit die AOKen besserstellt. Ausgeglichen werden soll, dass manche Kassen mehr Menschen mit bestimmten oft teuren, chronischen Krankheiten haben.