Berlin (dpa) l Die Wohnung unterwegs dabeizuhaben, ist für viele Urlauber die perfekte Reiseform. Wer ein Neufahrzeug angesichts hoher Preise ausschließt, kann zu Second-Hand-Ware greifen. Denn die Fahrzeuge sind auf eine längere Nutzungsdauer ausgelegt und haltbar, so Jost Krüger, Technikexperte beim Caravaning Industrie Verband (CIVD). Nur sollte man wissen, wo typische Marotten lauern.

Will man mehr sehen und mobiler sein, oder reicht ein schöner Ort? Anhand dieser Frage sollten sich Interessenten zunächst für ein Reisemobil einerseits oder einen Caravan andererseits entscheiden, rät Krüger. Während typische Besitzer eines Reisemobils oft mehr umherfahren und auf Stellplätzen übernachten, richteten sich Wohnwagenfahrer oft auf einem Campingplatz für die Dauer eines ganzen Urlaubs ein.

Vom geplanten Zweck hängen auch Aufbau und Grundriss des Wunschmobils ab. Speziell konstruierte Reisemobile sind besser isoliert, da sie etwa über einen doppelten Boden verfügen. Einfache Kastenwagen dagegen eignen sich für Trips bei Minusgraden grundsätzlich weniger. „Aber Fahrzeuge deutscher Hersteller sind meist durch die Bank weg wintertauglich“, sagt Krüger.

In der Regel sind Kastenwagen auch kleiner und von daher günstiger am Markt zu bekommen, und sie sind leichter. Die Grenze von 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, die für Inhaber des aktuellen Pkw-Führerscheins gilt, überschreiten sie nicht. Auch die Einschränkungen, die ihre Fahrerlaubnis für das Führen von Fahrzeugen ergibt, sollten Gebrauchtkäufer also auf dem Zettel haben. „Über 3,5 t gelten die Verkehrsbestimmungen für Lkw. Damit wird auch ein Führerschein aus der C-Reihe (ehemals Klasse 2) notwendig“, heißt es beim CIVD. Ist ein Mobil gefunden, gelten die gleichen Tipps wie beim Pkw. Ob Antrieb, Achsenaufhängung, Bremsen oder die Elektrik noch in Ordnung sind, lässt man im Zweifel mittels eines Gebrauchtwagen-Checks ermitteln. Der Kunde hat beim Privatkauf mehr Handlungsspielraum beim Preis. Der Händler dagegen muss laut CIVD eine Sachmängelhaftung gewähren, die Privatverkäufer ausschließen können. Der ADAC rät, Zusatzausstattung und Zubehör wie zum Beispiel Markisen, Dachträger und Fahrradträger im Kaufvertrag zu vermerken.

Inneneinrichtung genau begutachten

Den Rest kann im Prinzip jedermann erledigen. „Sie gehen rein und machen es wie bei einer Wohnungsbesichtigung“, sagt Krüger. Riecht der Innenraum modrig oder gar schimmelig? Gibt es Stockflecken an der Decke? „Wasserschäden kommen bei den Mobilen durchaus vor“, so Krüger. Im Bad sollten alle Dichtungen okay und Geruchsverschlüsse vorhanden sein. Besonderes Augenmerk gilt der Gasanlage: „Sehen Sie nach, ob die Gasplakette da ist, sie gewährt, dass die Flüssiggasanlage dicht ist.“ Elektrische Anlage und Aufbaubatterie könnten mittels Lichtschalter auf Funktion geprüft werden. Der Frischwassertank verbirgt sich meist unter den Sitzgelegenheiten. „Einfach den Deckel abnehmen und einmal reinleuchten“, rät Krüger.Auch eine zweite oder dritte Bordbatterie oder eine Solaranlage können praktisch sein, wenn man mal mehrere Nächte ohne Stromanschluss in der Einsamkeit übernachten will.

„Die Batteriekapazität ist fast immer der wichtigste Engpassfaktor aller Campingbusse und Wohnmobile“, sagt Günter Holona, Gründer der Spezialfirma für Campingausbauten Reimo. „Lassen Sie sich bei Gebrauchtfahrzeugen vom Vorbesitzer sagen, wie lange er unabhängig von externen Stromquellen an einem Ort bleiben konnte.“ Während man beim Caravan das geeignete Zugfahrzeug benötigt, gibt es beim Reisemobil je nach Baujahr Abweichungen bei der Sicherheitsausstattung. So sollte darauf geachtet werden, wie viele zugelassene Sitzplätze Dreipunktsicherheitsgurte haben. Sollen kleine Kinder mitfahren, raten die Experten dazu, vorab auszuprobieren, wie gut sich Kindersitze fixieren lassen. Aus Sicherheitsgründen sollte der Interessent auch darauf achten, wie viele Airbags an Bord sind. „Bei älteren Modellen wurde teilweise am Beifahrerairbag gespart“, sagt Krüger.

Da der Markt der Reisemobile boomt, halten sich auch die Preise auf dem Gebrauchtmarkt gut. „Selbst nach acht Jahren kosten sie noch 60 bis 70 Prozent des ehemaligen Neupreises“, so Krüger. Aber auch in neuen Händen bleibt das Wohnmobil wertstabil.