Magdeburg l Die meisten Kinder finden Museen langweilig. Stundenlang geht es zwischen alten, staubigen Ausstellungsstücken hindurch. Die Eltern mahnen ständig: Nicht rennen, nicht laut sein – und bitte ja nichts anfassen. Kein Wunder also, dass der gemeinsame Museumsbesuch als Familie kein einfaches Unterfangen ist. Juliane Lippok, Museumspädagogin am Kulturhistorischen Museum Magdeburg, gibt einige Tipps und Hinweise für einen erfolgreichen Ausflug.

l Die Wahl des Museums: Eltern wissen meist genau, was ihren Kindern gefällt. Bei der Wahl der passenden Ausstellung sollten die Kinderinteressen durchaus berücksichtigt werden. „Das heißt aber nicht, dass sich die Eltern keine Kunstausstellung ansehen können, die sie interessiert. Eltern müssen und sollen sich nicht nur nach dem Kind richten“, sagt Lippok.

Plant man also einen Ausflug in eine Gemäldegalerie, kommt es auf die Vorbereitung an. Die Kinder sollten nicht nur mitgeschleift werden. „Auf den Websites der Museen stehen oft Materialien zum Download bereit, die Kinder mit in die Ausstellung nehmen können.“ Oder man buche gleich ein kindgerechtes Angebot, zum Beispiel eine Kinderführung.

Vorher über Regeln sprechen

l Das Alter: „Generell lohnt sich ein Museumsbesuch für Kinder ab fünf Jahre“, sagt Lippok. Bieten Museen besondere Angebote an – beispielsweise für Kleinkinder – können diese auch früher wahrgenommen werden.

l Das Verhalten: Museen sind Orte, an denen bestimmte Verhaltensregeln gepflegt werden. Insbesondere sollen andere Besucher nicht gestört und Ausstellungsstücke nicht beschädigt werden. Für Kinder heißt das: „Sie dürfen im Museum meistens nicht rennen und müssen etwas leiser sein als auf dem Spielplatz“, sagt Lippok. Außerdem darf nicht jedes Objekt angefasst werden. „Diese Regeln sollte man mit Kindern vorher besprechen und mit ihnen je nach Gruppengröße spielerisch umsetzen.“

„Wichtig ist, dass es nicht immer ‚Ihr dürft nicht!‘ heißt. Kinder sollen am Besuch Spaß haben, deswegen sollten Eltern zu Tricks greifen, die den Kindern nicht direkt auffallen“, rät Lippok. So kann es bereits helfen, einfach Hand in Hand durch die Ausstellung zu gehen oder sich vor Vitrinen hinzusetzen. „Die Kinder sind in ihrer Bewegung dann nicht mehr ganz so frei. Besonders wenn sie sitzen, verhalten sie sich oft deutlich ruhiger als im Stehen.“ In einigen Museen sei es zudem möglich, Hocker auszuleihen und mit in die Ausstellung zu nehmen.

Eine andere Möglichkeit ist, sich vorab ein kleines Spiel oder eine Geschichte auszudenken. „Im Museum kann zum Beispiel Detektiv gespielt werden. Detektive sind leise und verschwiegen und müssen genau hinschauen – ohne Vorschriften zu machen, schafft man es so, dass Kinder bestimmte Regeln einhalten.“ Gemeinsam kann nun zum Beispiel untersucht werden, wie Menschen in einem bestimmten Zeitalter gelebt haben.

Vorab auf die Webseite schauen

l Die Vorarbeit: „Es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich vorab auf der Website des Museums zu informieren, was es zu sehen gibt und welche Angebote für Kinder existieren“, sagt Lippok. Dabei sollten Eltern nicht nur auf museumspädagogische Programme achten, sondern auch auf Gegebenheiten, die auf den ersten Blick recht banal erscheinen. Zum Beispiel, ob Sitzgelegenheiten vorhanden sind und wie es mit der Verpflegung aussieht. Denn sind Kinder hungrig, werden sie meist bockig. Also entweder vor dem Ausflug etwas essen, oder sichergehen, dass im Museum eine Cafeteria vorhanden ist.

Insbesondere bei Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sollten sich Eltern vor dem Besuch über die Ausstellung und den Künstler informieren. Denn so kann bereits ins Auge gefasst werden, was für Kinder geeignet ist.

l Die Dauer: Die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit der Kinder bestimmt die Länge des Ausflugs. „Eltern vergessen oft, dass der Besuch eines Museums für Kinder eine Herausforderung ist. Alles ist neu. Das Entdecken und Aufnehmen bedeutet Arbeit, daher sind Kinder auch nach einer Weile erschöpft“, sagt Lippok. Die Dauer des Besuches ergebe sich individuell, „für die Jüngsten kann auch schon eine halbe Stunde im Museum ein spannendes Erlebnis sein“.

Auf keinen Fall sollten Kinder bis zum bitteren Ende durch eine Ausstellung geschleift werden. „Das bleibt natürlich als unangenehm in Erinnerung. Eher sollte man sich einen Raum anschauen und es dann auch wieder gut sein lassen.“ Denn ein Besuch im Museum kann ja durchaus öfter wiederholt werden.

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