Magdeburg l Mit großen Schritten losgehen, die Hände oder Füße am Tisch ruhig halten oder durch kleine Änderungen der Mimik Gefühle mitteilen.

All das und vieles mehr bereitet Patienten mit einer Parkinsonschen Erkrankung Probleme. Einer der Betroffenen war der deutsche Philosoph und Diplomat Wilhelm von Humboldt. In seinen Briefen an seine Freundin Charlotte Diede, geborene Hildebrand, entschuldigte Humboldt sich unter anderem für seine immer kleinere Schrift, die er auf eine neuromuskuläre Erkrankung zurückführte.

Eine Erkrankung mit vielen Gesichtern

Meistens schleicht die Erkrankung sich langsam in das Leben ein: heftige Bewegungen im Traumschlaf und unspezifische Geruchsstörungen, eine Schulter- und Nackensteifigkeit, die orthopädisch nicht erklärt werden kann, ein zunehmend gemächlicher Gang mit kleinen Schritten und einer vorgebeugten Körperhaltung mit angewinkelten Armen, eine eingeschränkte Mimik und eine monoton klingende Sprache können Anzeichen eines Parkinson-Syndroms sein. Begleitend treten nicht selten auch Störungen der Blasen- und Darmentleerung, der Speichelproduktion sowie entzündete Augen auf.

Vor zwei Jahrhunderten beschrieb der britische Landarzt James Parkinson (1755–1824) die chronische Erkrankung erstmals in der medizinischen Literatur. Hervorgerufen werden die Symptome durch den zunehmenden Verlust von bestimmten Nervenzellen im Gehirn. „Vorrangig erkranken Menschen im höheren Lebensalter“, Dr. Imke Galazky, Oberärztin an der Magdeburger Universitätsklinik für Neurologie.

Als Risikofaktoren werden genetische und Umweltfaktoren wie der Umgang mit Pestiziden in der Landwirtschaft wissenschaftlich diskutiert. Eine Heilung gibt es bislang nicht. „Es gibt aber Behandlungsmethoden, welche die Symptome der Erkrankung über viele Jahre bessern können“, sagt die Parkinson-Spezialistin Dr. Galazky. Ziel der Behandlung ist Lebensqualität. Die Therapie besteht meist aus einer Kombination von Medikamenten mit logopädischem, physiotherapeutischem und ergotherapeutischem Training. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Symptomatik mit einem „Hirnschrittmacher“ (tiefe Hirnstimulation) zu beheben.

Patienten nicht alle Aufgaben abnehmen

Pflegende Angehörige sollten den Patienten bei alltäglichen Aufgaben wie der Körperpflege und beim Anziehen nur dann Unterstützung anbieten, wenn Hilfe notwendig ist. „Das Ziel ist es, die Selbständigkeit des Patienten möglichst lang zu erhalten“, so die Neurologin. Leider verleiten die Bewegungseinschränkungen, Blutdruckabfälle und das erhöhte Sturzrisiko die Patienten dazu, sich möglichst zu schonen und jedem unnötigen Gang auszuweichen. Doch das schwächt zusätzlich die Muskulatur, führt zu Haltungsschäden sowie Atem- und Kreislaufschwächen. Mit gymnastischen und sportlichen Übungen können Parkinson-Patienten Kraft, Ausdauer und andere körperliche Fähigkeiten längerfristig erhalten und die Sturzgefahren reduzieren.

Generell geeignet sind Übungen, welche die Beweglichkeit, den Gleichgewichtssinn sowie Kraft, Körperhaltung und Koordination erhalten, ohne zu überfordern. Das können beispielsweise der Seniorentanz und fernöstliche Übungen wie das Schattenboxen Tai-Chi oder Wassergymnastik und Schwimmen sein. Das Training im Wasser stärkt auf angenehme Weise die Körperwahrnehmung von Parkinson-Patienten und deren Herz-Kreislauf-System. Therapeuten empfehlen, die Intensität des Bewegungstrainings an die vorhandenen Fähigkeiten des Patienten anzupassen.

Sport- und Bewegungsangebote für Patienten bieten u. a. Parkinson-Fachkliniken und die Selbsthilfegruppen des Landesverbandes Deutsche Parkinson Vereinigung e. V. Mehr Informationen gibt es im Internet.