Magdeburg l Magdeburger Urologen informierten über Blasenkrebs, auch Urothelkarzinom genannt. Experte Prof. Dr. Martin Schostak, Direktor der Magdeburger Uniklinik für Urologie und Kinderurologie, spricht im Interview über Risiken, Diagnostik und Therapie des Krebses.

Gibt es Anzeichen, die auf Blasenkrebs hinweisen?
Professor Schostak: Die Harnblase ist ein Hohlorgan mit Anschluss nach außen, welches kontinuierlich von Urin durchspült wird. Finden sich Oberflächenunebenheiten im Sinne einer bösartigen Entartung, kommt es zum Übertritt von roten Blutkörperchen in den Urin. Dies verfärbt den Urin. In den meisten Fällen tut dies nicht weh wie bei einer Blasenentzündung, sondern ist schmerzlos. Andererseits ist das Vorhandensein von Schmerzen selbstverständlich kein Ausschlusskriterium, dass nicht doch eine Krebserkrankung dahintersteckt.

Stimmt es, dass Rauchen das Risiko für Blasenkrebs erhöht, und verschwindet die Gefahr, nachdem man mit dem Rauchen aufhört?
Rauchen ist das Hauptrisiko für das Auftreten eines Urothelkarzinoms der Harnblase. Andere Risiken, z. B. die Exposition mit Lacken oder bestimmten anderen Toxinen, treten demgegenüber schon sehr weit in den Hintergrund. Die Gefahr für die Harnblase ist dosisabhängig, wobei wir Urologen in Packungsjahren rechnen (eine Packung pro Tag über ein Jahr). Wir sind, basierend auf den Forschungen der vergangenen Jahrzehnte, heute der Ansicht, dass spätestens bei zehn – 15 Packungsjahren in fast jeder Harnblase ein irreversibler Schaden eintritt, der zumindest das Auftreten von Urothelkarzinomen begünstigt. Natürlich ist es immer gut, mit dem Rauchen aufzuhören, allerdings sinkt das Risiko, im weiteren Verlauf doch eine raucherbedingte Erkrankung zu bekommen, nur sehr langsam.

Muss bei Krebs der Harnblase immer die gesamte Harnblase entfernt werden?
Nein, die meisten Harnblasentumore sind sogenannte oberflächliche Tumore und können durch kleinere Operationen durch die natürliche Öffnung der Harnröhre entfernt werden. Ein kleinerer Teil der Blasentumore stellt allerdings die sogenannte aggressive und muskelinvasive Form dar. Je nach Ausdehnung kann es in der Tat sein, dass hier die Entfernung der Harnblase und die Anlage einer Ersatzblase notwendig sind. In seltenen Fällen ist dieses muskelinvasive und aggressive Geschehen allerdings so begrenzt, dass es auch genügt, nur einen Teil der Harnblase zu entfernen.

Gibt es Möglichkeiten, durch Urinuntersuchungen Blasenkrebs zu erkennen?
Ja und Nein. Urinschnelltests, die auf das Vorhandensein von Hämoglobin oder Erythrozyten im Spontanurin testen, sind nicht für eine sichere Diagnose geeignet und sollten nicht durchgeführt werden. Im Gegensatz dazu kann der Facharzt für Urologie genauere Untersuchungen durchführen, z. B. eine mikroskopische Untersuchung des Urins. Beweisend, ob die Harnblase in Ordnung oder von einer Erkrankung befallen ist, ist letztlich nur eine Spiegelung der Harnblase.

Heutzutage haben die Urologen dafür bewegliche Instrumente, sogenannte flexible Zystoskope, die eine solche Untersuchung auch beim Mann gefahrlos in lokaler Betäubung unkompliziert durchführen lassen.

Wie können Patienten Spezialisten finden, die viel Erfahrung bei der Behandlung von Blasentumoren haben?
Die Behandlung von Krebserkrankungen ist sehr erfahrungsabhängig. Naturgemäß haben Fachärzte mit sehr viel Erfahrung in Institutionen mit besonders guter Ausstattung dabei einen möglichen Vorsprung gegenüber anderen, die diese Punkte nicht aufweisen können. Die Suche nach dem geeigneten Arzt oder dem geeigneten Krankenhaus kann mit Hilfe von Bewertungsportalen etwas erleichtert werden.

Für Krankenhäuser empfehle ich den AOK-Krankenhausnavigator, die sogenannte Weiße Liste. Hier lassen sich eine Erkrankung und die Postleitzahl eingeben. Im Ergebnis sieht man sämtliche regionalen Klinken, die sich mit dieser Erkrankung beschäftigen, inklusive ihrer Ausstattung und zahlenmäßigen Erfahrung. Für niedergelassene Ärzte gibt es zahlreiche Bewertungsportale in unterschiedlicher Qualität. Eines der Bekanntesten ist das sogenannte JAMEDA-Portal. Die FOCUS-Liste ist eine übergeordnete Liste, in die nur Experten aufgenommen werden, für die es besonders viele Empfehlungen von anderen Ärzten oder Patientengruppen gibt. Darin werden die vom Arzt durchgeführte Zahl der jeweiligen Operationen, die Durchführung von Studien, die Zahl der Publikationen und einiges mehr aufgelistet. In ganz Deutschland gibt es ungefähr 70 Ärzte auf dieser Liste.