Stimmt es, dass Rheuma vererbbar ist?

Der Begriff Rheuma beschreibt eine Vielzahl unterschiedlicher rheumatischer Erkrankungen. Erbfaktoren spielen bei einem kleinen Teil eine Rolle. Die meisten Patienten leiden unter verschleißbedingten Gelenk-Arthrosen, deren Entstehung durch das Alter, Verletzungen des Knorpelgewebes und Fehlbelastungen begünstigt werden.

Meine Tochter ist 26 Jahre alt. Sie leidet unter Schmerzen und entzündlichen Schwellungen im rechten Handgelenk. Es wurde eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Ist es nicht ungewöhnlich, mit 26 Jahren schon Rheuma zu haben?

Chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen, wie z.B. eine rheumatoide Arthritis, treten nicht selten auch schon in jungen Jahren auf. Von der Entzündung ist vor allem die Gelenkinnenhaut betroffen. Sie wuchert und verdickt sich. Das verursacht die Schmerzen. Im fortgeschrittenen Lebensalter häufiger sind Verschleißerkrankungen (Arthrosen).

Bei meiner Frau wurde eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Welche Therapien gibt es und wie gut sind die Heilungschancen?

Die rheumatoide Arthritis – früher auch Polyarthritis genannt – ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Abwehrsystem gegen den eigenen Körper richtet. Sie führt zu chronischen Entzündungen der Gelenkinnenhäute, Knorpel, Knochen und Gelenke. Die Behandlung ist auf die Entzündungshemmung im Gelenk gerichtet. Dafür stehen Medikamente und physikalische Therapien, Kälte- und Wärmeanwendungen (z. B. Kältekammer) zur Verfügung. In den Phasen der akuten Entzündung kommen entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz. In der Basistherapie werden Medikamente verordnet, die den Verlauf der Erkrankung langfristig beeinflussen. Durch gezielte Krankengymnastik kann der Patient persönlich dazu beitragen, dass die betroffenen Gelenke möglichst lange beweglich bleiben. Schmerzlindernde Medikamente unterstützen das. Heilbar ist die rheumatoide Arthritis bislang nicht. Ihr Verlauf lässt sich jedoch mit den erwähnten Maßnahmen günstig beeinflussen.

 

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Welche operativen Möglichkeiten gibt es bei rheumatoide Arthritis?

Bei starker Wucherung der Gelenkinnenhaut kann man sie chirurgisch entfernen. Stark befallene Gelenke müssen unter Umständen operativ versteift oder durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden.

Ich habe eine Psoriasis, die von Gelenkentzündungen begleitet ist. Man sagte, ich sollte mich fleischarm ernähren. Ist das richtig?

Ja, eine fleischarme Ernährung ist bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ratsam. Bei Gemüse und Obst gibt es keine Einschränkungen.

Wie sinnvoll ist eine Knorpeltransplantationen bei rheumatischen Erkrankungen?

Die Übertragung von Knorpelgewebe wird zum Beispiel bei kleineren Knorpelschäden als Folge von Sportverletzungen eingesetzt, um damit die Implantation eines Kniegelenkes hinauszuschieben oder sogar zu vermeiden. Bei chronisch-entzündlichen, rheumatischen Erkrankungen und bei starkem Gelenkverschleiß im Alter ist sie nicht zu empfehlen.

Ich leide an einer Fibromyalgie (Weichteilrheuma) und nehme seit mehreren Jahren ein Schmerzmedikament (ein Opiat). Meine Hausärztin meinte, man sollte versuchen, dass Opiat abzusetzen. Ist das wirklich notwendig, denn ich vertrage es sehr gut.

Für das Opiat sollte eine Indikation vorliegen, z. B. eine zusätzliche Erkrankung der Wirbelsäule oder eine schwere Arthrose. Milde Schmerzmittel sollten bevorzugt werden.

Ich habe eine Kniegelenks-Arthrose, möchte aber noch kein künstliches Gelenk. Mein Arzt riet mir, das schmerzende Gelenk regelmäßig zu bewegen. Ich frage mich, ob ich dadurch nicht den Gelenkverschleiß beschleunige?

Nein. Das Gelenk wird durch Bewegung besser mit Nährstoffen versorgt, die für dessen Funktion wichtig sind. Günstig ist es, wenn die Bewegung ohne zusätzliche Belastung durch das Körpergewicht erfolgt. Daher bietet sich Gymnastik im Wasser an. Auskünfte über Bewegungstrainings für Rheumapatienten können Sie von den Krankenkassen oder von der Rheuma-Liga Sachsen-Anhalt erhalten.

Ungünstig für die Gelenke sind starke und einseitige Belastungen, wie sie etwa beim Springen auftreten.

Ich habe eine fortgeschrittene Kniegelenks-Arthrose. Meine Ärztin meinte, ich laufe linksseitig bereits auf den Knochen. Zusätzlich brauche ich aber auch ein neues Hüftgelenk. Ist eine bestimmte Reihenfolge der Operationen ratsam?

Die Entscheidung hängt von Ihren Beschwerden und der ärztlichen Untersuchung ab. Simultane, beidseitige Versorgungen sind nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Seit vielen Jahren habe ich Knieschmerzen, die als verschleißbedingte Gelenkarthrose diagnostiziert wurden. Mein Arzt meinte, ich sollte doch einmal über eine Gelenkspülung oder ein künstliches Gelenk nachdenken.

Eine Gelenkspülung kann nur kurzfristig für eine Erleichterung sorgen. Wenn auch konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und die schmerzhaften Bewegungseinschränkungen durch das kranke Kniegelenk sehr stark sind, kann eine Endoprothese für Erleichterung sorgen.

Ich bin früher mit meiner Frau gewandert. In letzter Zeit bin ich durch eine Kniegelenks-Arthrose stark eingeschränkt. Ich werde ein künstliches Gelenk bekommen. Ist das Wandern mit einem künstlichen Kniegelenk wieder möglich?

Ziel des Einsatzes einer Kniegelenks-Endoprothese ist es, sich wieder schmerzarm bewegen zu können. Auch das maßvolle Wandern sollte wieder möglich sein. Vermeiden Sie aber anstrengende Klettertouren. Insbesondere beim Bergabstieg entstehen höhere Belastungen für das Kniegelenk. Das Alter spielt bei der Entscheidung beim Gelenkseinsatz keine maßgebliche Rolle.

Ich leide schon seit vielen Jahren an einer Hüftgelenks-Gonarthose. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?

Die Entscheidung richtet sich nach den medizinischen Befunden und dem Grad Ihrer körperlichen Beschwerden. Wenn Ihre Schmerzen sehr groß sind und andere, konservative Therapien keine merkliche Besserung mehr bringen, ist der Einsatz eines künstlichen Gelenks sicherlich die beste Alternative.