Immer mehr Menschen interessieren sich für Mediation als Methode der Konfliktlösung. Sonja Kaufholz, Mediatorin und Vorstandmitglied im Landesverband für Mediation, stellt in der Volksstimme einmal im Monat anhand von Beispielen diese Verfahren vor.

In der Klasse 8a einer Sekundarschule im Bördekreis herrscht wieder eine positive Arbeitsatmosphäre. Ein Mediatorenteam hat in sechs Verhandlungsrunden den Schulwechsel von Elisabeth (Namen geändert) verhindert.

Die gute und immer unauffällige Schülerin hatte ihre Eltern mit diesem Veränderungswunsch vor einiger Zeit überrascht. Ihr Vater wandte sich daraufhin an den Klassenlehrer, dem auch aufgefallen war, dass Elisabeth insbesondere durch den Mitschüler Alexander mehrfach im Unterricht gestört wurde.

Ein Team aus schuleigenen Mediatoren nahm den Fall auf. Alexander und Elisabeth waren anfangs von der Idee einer Mediation nicht sonderlich begeistert. Doch mit viel Geduld schafften die Mediatoren ein vertrauensvolles Miteinander, so dass sich die beiden auf folgende Grundregeln, die für eine Mediation - ganz gleich auf welchem Gebiet – unverzichtbar sind, einigten:

Sie erklärten sich bereit, einander Respekt und Toleranz entgegenzubringen und das, was während der Streitgespräche gesagt wird, nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Weiterhin willigten beide Beteiligten ein, Gefühle und Meinungen so offen und ehrlich wie möglich auszudrücken und sich gegenseitig zuzuhören. Regel Nummer 1: Der Konflikt wird angegriffen, nicht der Mensch.

Die Mediatoren waren von beiden beauftragt worden, für die Einhaltung dieser Regeln zu sorgen.

Bei diesem konstruktiven Miteinander kam heraus, dass Elisabeth das Verhalten ihres Mitschülers falsch verstanden hatte. Er wollte sie nicht stören, sondern meinte, durch sein Verhalten vor der Klasse so etwas wie Solidarität zu Elisabeth signalisieren zu können. Es stellte sich heraus, dass eigentlich Elisabeth und ihre Freundin Heike einen Konflikt haben. Alexander und Elisabeth beschlossen, Heike zur Mediation einzuladen. Auch Heike zeigte nach anfänglichem Misstrauen ein konstruktives Herangehen an den Konflikt. Die Mediatoren spürten, dass Heike sehr erleichtert war, dass die Streitereien mit ihrer Freundin Elisabeth und auch mit Alexander, in den sie wohl unerwidert verliebt war, bereinigt werden.

Elisabeths Vater ist davon überzeugt, dass sich seine Investition in die Mediation gelohnt hat. Seine Tochter wirkt auf ihn gestärkt und selbstbewusst. Ihr neues Konfliktverhalten wirkt sich auf ihre Familie aus, denn auch hier kann sie ihre Gefühle und Bedürfnisse nun besser verständlich machen.

Der Landesverband für Mediation ist unter folgender Telefonnummer erreichbar: (03 91) 5 69 36 45. Weitere Informationen zum Thema Mediation finden Sie im Internet:

www.mediatorenverband.de

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