Er wächst buschig mit reich verzweigten Trieben und zeigt eine Fülle von Blüten in Rot, Violett, Weiß-Rosa oder Blass-Orange: Der Weihnachtskaktus schmückt Fensterbänke, Körbe und Wandgefäße wegen seines hängenden Wuchses besonders gut.

Bochum (dapd). "Seine Blütezeit zur Weihnachtszeit hat ihn nach dem Weihnachtstern zu einer der beliebtesten Zimmerpflanzen zur Weihnachtszeit gemacht", sagt Till Kasielke vom Bochumer Botanischen Verein. Daher zählt der Weihnachtskaktus zu den bekanntesten und beliebtesten Kakteen überhaupt. Schon ab Oktober zeigt der klassische Winterblüher seine farbenfrohen Blüten.

Der Weihnachtskaktus zählt zu den Blatt- und Gliederkakteen und stammt aus dem östlichen Brasilien. Dabei ähnelt er nicht unbedingt einem klassischen Kaktus, zumal die Dornen fehlen. Das, was aussieht wie Blätter, sind bei Weihnachtskakteen abgeflachte, mehr oder weniger stark gezähnte Sprossglieder. In Brasilien wachsen die sogenannten Schlumbergera-Arten in einer Höhe von 400 bis 2000 Metern als Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) auf Bäumen eines immergrünen tropischen Regenwaldes. "In der Natur werden die Blüten von Vögeln bestäubt, weswegen sie waagerecht stehen. In Kultur treten manchmal auch hängende oder aufrechte Blüten auf", erklärt Kasielke. Der botanische Name Schlumbergera stammt vom französischen Kakteensammler und -züchter Frédéric Schlumberger (1823 bis 1893).

Bei der Pflege sollten die Bedingungen des tropischen Heimatstandortes so gut wie möglich simuliert werden. "Der Weihnachtskaktus ist aufgrund seines natürlichen Lebensraumes anders zu behandeln als die üblichen Kakteen der Fensterbank", sagt Kasielke. Entsprechend seinem Wuchsort sollte die Erde mäßig feucht gehalten werden. "Das Gießen erfordert Fingerspitzengefühl, denn auf Nässe reagieren die Pflanzen schnell mit Wurzelfäule oder dem Abwerfen der Sprossglieder", sagt der Pflanzenkenner.

Leitungswasser mögen Weihnachtskakteen nicht. "Die reichlichen Wassergaben müssen aus Regenwasser bestehen und dürfen keineswegs kalkhaltig sein", betont der Kakteenspezialist und Fachbuchautor Markus Berger aus dem hessischen Felsberg (Kakteen pflegen. Verlag Eugen Ulmer 2009).

Nur wer in einer Region wohnt, in der ausdrücklich der Wasserhärtefaktor 1 vorherrscht, könne auch Leitungswasser zum Gießen verwenden. Denn nur dann handelt es sich um kalkarmes Wasser. "Das Substrat sollte zudem immer feucht sein, die Wurzeln dürfen nie ganz austrocknen", sagt der Kakteenexperte weiter. Staunässe müsse allerdings unbedingt vermieden werden. Schlumbergera-Arten benötigen ein humusreiches, säuerliches Substrat.

Der Weihnachtskaktus liebt einen hellen bis halbschattigen Standort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die Raumtemperatur sollte nie unter 15 Grad fallen. Er mag warme Füße und kann somit auch über der Heizung stehen. Den Sommer kann die Pflanze auch draußen auf der Terrasse oder im Garten verbringen. Auch hier darf sie nicht in die pralle Sonne. Der Bochumer Botanische Verein hat zwei Tipps, wie eine falsche Kultivierung des Weihnachtskaktus leicht zu erkennen ist: Färben sich die Sprossglieder rot, steht die Pflanze zu sonnig. Beginnen die Sprossglieder zu schrumpfen, ist die Erde zu nass.

"Um die Blüte zu fördern, halten Schlumbergera-Arten von August bis etwa Ende September eine Ruhezeit, in der sie an einem kühleren Ort aufbewahrt und nur sehr wenig gegossen werden", sagt Markus Berger. Andernfalls bleiben sie über Weihnachten einfach grün. Bilden sich ab Ende September erste Blüten, wird wieder etwas mehr gegossen. Allmählich steigert man die Gaben dann auf das Normalniveau.

Vermehren lässt sich der Weihnachtskaktus übrigens über Stecklinge. Die von der Mutterpflanze abgetrennten Sprossglieder werden ein bis zwei Tage angetrocknet oder auch direkt in feuchte Erde gepflanzt. Das Substrat sollte nährstoffreich, humos und leicht sauer sein.Um einen kompakten Wuchs zu erzielen, werden am besten mehrere Glieder in einen Topf gesetzt. Sie schlagen auf einem warmen Fuß schnell Wurzeln.