Eine Schwangerschaft erfordert enorme Leistungen vom Körper einer Frau: Der Organismus der werdenden Mutter mobilisiert Kraft- und Energiereserven und stellt sich auf die neuen Belastungen ein. Manche fragen sich daher, ob das schon anstrengend genug ist und Schwangere daher Sport und Bewegung eher meiden sollten. Grundsätzlich kann und sollte jedoch jede schwangere Frau körperlich aktiv sein – vorausgesetzt, es wird der richtige Sport im richtigen Maße ausgeübt.

München (dapd). "Besonders Frauen, die schon vor der Schwangerschaft sportlich tätig waren, könnten unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen ihr Training weiterführen – solange es sich nicht um Extrem- oder Risikosportarten handelt, wie beispielsweise Marathon, Alpinski oder Kampfsportarten", sagt Klaus Friese, Direktor der Uni-Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in München und Präsident der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Doch auch Schwangere, die bislang wenig oder keinen Sport getrieben haben, sollten mit moderatem Training beginnen: "Eine schwangere Frau braucht keine Angst zu haben, ihr Kind durch angemessenen Sport zu schädigen, denn ein bewusst ausgewähltes Bewegungsprogramm kann den Verlauf einer Schwangerschaft positiv beeinflussen", betont der Mediziner. Positive Effekte des gesundheitsorientierten Trainings seien beispielsweise, dass die Körperhaltung verbessert werde, die Risiken für Thrombosen und Krampfadern sänken, die Abwehrkräfte gestärkt würden und der Stoffwechsel günstig beeinflusst werde.

Damit sinke auch das Risiko einer Schwangerschafts-Diabetes. "Im Hinblick auf die Gesundheit der Mutter und des ungeborenen Kindes ist es auch wichtig, eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft zu verhindern", betont Friese. Ob sportliche Frauen allerdings tatsächlich auch leichter, schneller oder komplikationsloser gebären, sei bisher nicht wissenschaftlich belegt.

Eine Schwangerschaft bringt viele körperliche Veränderungen mit sich. Beim Training sollten diese Besonderheiten beachtet werden: "Durch Gewichtszunahme und Verlagerung des Schwerpunktes durch die wachsende Gebärmutter kann es zu Gleichgewichtsstörungen kommen", sagt Friese. Zudem könnten sich durch die Schwangerschaftshormone Bänder und Sehnen lockern, folglich nimmt die Stabilität der Gelenkverbindungen ab. Dadurch seien Überdehnungen oder Muskelfaserrisse leichter möglich.

Auch die Zunahme der Herzleistung und des Blutzuckerbedarfs sowie die eingeschränkte Atemkapazität durch das größer werdende Kind müssten berücksichtigt werden. Das Training sollte deshalb nie bis zur Belastungsgrenze führen und eine Überhitzung des Körpers oder ein Abfall des Blutzuckerspiegels sollten ebenfalls vermieden werden, sagt Friese.

"Die sportlichen Betätigungen sollten natürlich auch den Entwicklungsstadien der Schwangerschaft angepasst sein", ergänzt er. Intensive Belastungen seien für hochschwangere Frauen nicht sinnvoll. "Sanftes Ausdauertraining und grundlegende Kräftigungsübungen wie Walken, Wandern, moderates Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Wassergymnastik eignen sich allerdings für die gesamte Schwangerschaft."

Bei speziellen Risikofaktoren während der Schwangerschaft, beispielsweise vorangegangenen Fehlgeburten, Blutungen, Mehrlingsschwangerschaften, ungünstigem Mutterkuchensitz oder vorzeitigen Wehen, gelten allerdings oft andere Regeln: "In diesen Fällen muss sich die Schwangere individuell von ihrem Gynäkologen beraten lassen, welche Bewegungen erlaubt sind", betont Klaus Friese.

Generell gelte beim Sport in der Schwangerschaft: Im Vordergrund sollten nicht Leistung und ehrgeizige Ziele stehen, sondern Wohlbefinden und Freude – denn was der Schwangeren gut tut, tut auch dem Baby gut.