Die bevorstehende Urlaubssaison sollte Anlass geben, den Impfschutz zu überprüfen. Über die Reisemedizin informierten gestern Ärzte und ein Apotheker im Volksstimme-Telefonforum. Uwe Seidenfaden stellte eine Auswahl von Fragen und Antworten zusammen.

Frage: Im Sommer wollen mein Freund und ich nach Südamerika reisen. Welche Impfungen sind notwendig?

Antwort: Unabhängig davon, wohin man reisen möchte, ist ein allgemeiner Impfschutz gegen Hepatitis B, Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Röteln und Kinderlähmung wichtig. Einige grundlegend wichtige Impfungen erfolgen bereits im Kindesalter und schützen ein Leben lang. Andere, z.B. Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus, sollten alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Menschen, die zu DDR-Zeiten nur eine Schluckimpfung erhalten hatten, sollten sich auch gegen Polio impfen lassen. Möglich ist das beim Hausarzt. Die Kosten für den Basis-Impfschutz übernehmen die Krankenkassen. Ob weitere Impfungen, z.B. gegen Gelbfieber, oder eine Malaria-Prophylaxe erforderlich sind, hängt vom genauen Reiseort und der Art des Reisens ab. Selbst innerhalb eines Urlaubslandes können die Infektionsrisiken regional unterschiedlich sein.

Frage: Wo erhalte ich eine individuelle Reiseschutzberatung? Und wie lange vor Beginn einer Reise sollte man sich beraten lassen?

Antwort: Individuelle Auskünfte geben die Hausärzte und die reisemedizinischen Beratungsstellen (z.B. in den Gesundheitsämtern und im Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt). Im Einzelfall zu berücksichtigen ist die allgemeine Fitness des Reisenden, seine Vorerkrankungen, der Urlaubsort und die Art der geplanten Reise. Konkrete Beratung zu begleitenden Schutzmaßnahmen (z.B. gegen Reiseübelkeit, Sonnenbrände und Infektionen) erhalten Sie außerdem in den Apotheken.

Über den Impfschutz sollten Sie sich möglichst schon mehrere Monate vor Reiseantritt erkundigen. Die Impfungen notiert der Arzt im Impfausweis.

Frage: Mein Mann hat einen empfindlichen Magen. Bei Reisen ist es schon mehrmals zu Durchfällen gekommen. Was ist notwendig, um das Durchfallrisiko auf Reisen zu reduzieren?

Antwort: Die beste Vorsorge ist Hygiene. Auf Salate, ungekochtes Gemüse, halbrohes Fleisch oder Fisch sowie Speiseeis sollte man am besten verzichten. Getränke sollten möglichst nur aus Flaschen und Dosen getrunken werden, die original verschlossen sind. Ansonsten sollte man es vor dem Trinken abkochen, mit Präparaten aus der Apotheke desinfizieren oder chemisch filtern. Sollte es zu einem Durchfall kommen, ist für den notwendigen Ersatz an Flüssigkeit, Traubenzucker und Mineralien zu sorgen. Die Mittel können Sie in der Apotheke kaufen und in Ihrem Reisegepäck mitnehmen. Hält der Durchfall länger als zwei bis drei Tage an oder treten zudem Fieber, Erbrechen oder gar blutiger Stuhl auf, ist ein Arzt aufzusuchen.

Frage: Mein Freund und ich planen eine Reise nach Ostafrika. Unser Reisebüro hat uns darauf hingewiesen, dass wir uns auch über eine Gelbfieberimpfung beraten lassen sollten. Wo und wann ist das ratsam?

Antwort: Die Gelbfieberimpfung sollte spätestens zehn Tage vor Einreise in ein Gelbfiebergebiet durchgeführt werden. Der Nachweis wird in Ihrem gelben Impfdokument dokumentiert. Das ist wichtig, denn manche Reiseländer verlangen diesen Nachweis bei der Einreise. Möglich ist die Gelbfieberimpfung nur in den reisemedizinischen Beratungsstellen der Gesundheitsämter und im Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt. Hausärzte dürfen diese Impfung nicht durchführen.

Frage: Mein Freund und ich wollen im August nach Kambodscha und Vietnam reisen. Benötigen wir eine Malaria-Prophylaxe?

Antwort: In dieser Region ist wegen der Resistenz-Situation keine Malaria-Prophylaxe zu emfehlen. Sie können ein Malaria-Notfallmedikament mitnehmen, das Sie bei Verdacht auf eine Infektion einnehmen. Das entbindet Sie aber nicht davon, bei einen Infektionsverdacht, umgehend einen Arzt aufzusuchen.

Frage: Mit welchen Nebenwirkungen muss man bei einer Gelbfieberimpfung rechnen?

Antwort: Ernsthafte Nebenwirkungen sind ausgesprochen selten und treten meist während oder kurz nach der erfolgten Impfung auf. Die häufigsten Beschwerden sind grippeähnlich. Sie klingen in der Regel nach ungefähr drei Tagen ab.

Frage: In zwei Monaten ist eine Reise nach Madeira geplant. Ist eine Prophylaxe vor Tropenkrankheiten erforderlich?

Antwort: In Madeira gibt es Gebiete mit erhöhten Infektionsrisiken. Das gilt u.a. für das sogenannte Dengue-Fieber, gegen das es bislang weder eine Impf- noch eine Medikamenten-Prophylaxe gibt. Umso wichtiger ist es, Insektenstiche zu vermeiden. Die krankheitsübertragene Mücke ist tagaktiv. Ratsam ist die Mitnahme von imprägnierten Mückennetzen sowie geeigneter Insektenschutzmittel aus der Apotheke.

Frage: Ich muss regelmäßig Schmerzmedikamente (Opiate) einnehmen. Kann ich diese bei Flugreisen mit ins Handgepäck nehmen?

Antwort: Sicherheitshalber sollten Sie sich durch Ihren Arzt bescheinigen lassen, dass Sie diese Medikamente für sich selbst nutzen.

Frage: Mein Freund und ich wollen in den Sommerferien nach Indien reisen. Es ist eine Pauschalreise. Sollten wir uns auch gegen Tollwut impfen lassen?

Antwort: Wer eine Pauschalreise bucht und stets in guten Hotels wohnt, setzt sich in der Regel weniger Infektionsrisiken aus als ein Rucksacktourist. Letzteren würde man sicher eher zu einer Tollwut-Impfung raten. In jedem Fall sollten Sie den Kontakt zu herumstreunenden Hunden und anderen Tieren vermeiden.

   

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