Keuchhusten ist auf dem Vormarsch. Wie man sich schützen kann, das beantwortet Prof. Dr. med. Gerhard Jorch, Klinikdirektor, Universitätskinderklinik Magdeburg, im Volksstimme-Interview.

Frage: Wie äußert sich Keuchhusten?

Antwort: In der ersten Phase der meistens viele Wochen dauernden Erkrankung lässt sich Keuchhusten nicht von einer gewöhnlichen Erkältung mit Husten unterscheiden. Während bei Kindern sich dann im weiteren Verlauf der typische Keuchhusten mit anfallsartigen schweren Hustenattacken bei weitgehender Erscheinungsfreiheit zwischen den Attacken zeigt, ist der Husten bei Erwachsenen häufig nicht von einem lang dauernden hartnäckigen gewöhnlichen Husten zu unterscheiden. Bei gegebenem Verdacht sind dann Laboruntersuchungen (Antikörper im Serum oder Nachweis der Keuchhustenerreger im Rachen) erforderlich, um den Verdacht zu bestätigen.

"Der Schutz gegen diese Krankheit wirkt nicht ein ganzes Leben lang."

Frage: Wer ist durch Keuchhusten besonders bedroht?

Antwort: Das sind junge Säuglinge, weil sie (statt Hustenanfällen) lebensgefährliche Atemstillstände bei Keuchhustenerkrankung bekommen können. Wir gehen davon aus, dass selbst einige Fälle von plötzlichem Kindstod in Wirklichkeit auf einer nicht erkannten Keuchhustenerkrankung beruhen.

Frage: Können durch die Erkrankung dauerhafte Schäden bleiben?

Antwort: Junge Säuglinge können durch Atemstillstände sterben, Kleinkinder mit schwerem Verlauf eine Hirnschädigung durch Pertussisenzephalopathie mit Krampfanfällen erleiden. Außerdem sind Mittelohr- und Lungenentzündung als Komplikation bekannt.

Frage: Erkranken nur Kinder an Keuchhusten?

Antwort: Nein. Allerdings verläuft die Krankheit im Kindesalter besonders typisch. Sehr junge Kinder (Säuglinge) reagieren mit Atemstillständen, Erwachsene mit uncharakteristischem chronischem Husten.

Frage: Wie ansteckend ist eine Keuchhusten-Erkrankung?

Antwort: Keuchhusten ist sehr ansteckend. Allerdings ist die Ansteckung durch Tröpfchen im Gegensatz zu den fliegenden Infektionen (beispielsweise Masern, Windpocken) nur aus einer Distanz von höchsten 3 m möglich. Bei Einhaltung eines Abstandes von drei Metern besteht also keine Ansteckungsgefährdung.

Frage: Sogar geimpfte Personen erkranken an Keuchhusten. Ist die Impfung überflüssig?

Antwort: Weder die durch eigene Keuchhustenerkrankung erworbene noch die durch Impfung in der Kindheit erzielte Immunität währt lebenslang.

Frage: Wie wird Keuchhusten behandelt?

Antwort: Die symptomatische (symptomlindernde, die Red.) Therapie unterscheidet sich nicht von den üblichen Medikamenten, die bei Atemwegserkrankungen eingesetzt werden (Hustenmittel, bronchienerweiternde Mittel, gegebenenfalls Kortison). Ursächlich gegen den Erreger (Bordetella pertussis) werden Antibiotika eingesetzt.

"Einige Fälle von plötzlichem Kindstod können auf Keuchhustenerkrankungen zurückgehen."

Frage: Welche Medikamente wirken am besten?

Antwort: Mittel der ersten Wahl sind die sogenannten Makrolidantibiotika (Erythromycin und Weiterentwicklungen), die über sieben bis 14 Tage eingenommen werden müssen. Die außerdem bei bakteriellen Atemwegsinfekten üblichen Penicillinantibiotika und Cephalosporinantibiotika sind nur eingeschränkt beziehungsweise gar nicht wirksam. Die Bedeutung der Antibiotikagabe liegt weniger darin, den Krankheitsverlauf abzuschwächen, als in einer Unterbindung der Ansteckungsfähigkeit.

Frage: Kann man mehrfach an Keuchhusten erkranken?

Antwort: Ja, da der Schutz nicht ein Leben lang wirkt.

Frage: Welche Möglichkeiten gibt es der Erkrankung wirksam vorzubeugen?

Antwort: Am besten durch Impfung. Der Schutz gegen Keuchhusten ist übrigens der wichtigste Grund, mit den Säuglingsimpfungen bereits im dritten Lebensmonat zu beginnen. Im frühen Säuglingsalter benötigen Kinder diesen Impfschutz am meisten. Im Gegensatz zu den meisten anderen infektiösen Kinderkrankheiten haben Säuglinge in den ersten Lebensmonaten keinen Nestschutz durch Antikörper, die die Mutter während der Schwangerschaft über die Plazenta oder nach der Geburt durch die Muttermilch überträgt. Deshalb sollte bei geplanter Schwangerschaft vorher der Keuchhustenimmunstatus bei Mutter, Vater und anderen engen Angehörigen geprüft werden und gegebenenfalls gegen Keuchhusten geimpft werden.

"Erwachsene sollen Impfung auffrischen lassen."

Frage: Haben Sie noch spezielle Ratschläge für Erwachsene?

Antwort: Für Erwachsene wird empfohlen, bei der nächsten Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie einen Impfstoff zu verwenden, der zusätzlich gegen Keuchhusten schützt.

Frage: Wie wird eine Ansteckungsgefahr wirksam gemildert?

Antwort: Wenn eine Keuchhustenerkrankung erkannt wird, kann auch durch Antibiotika-Gabe die Ansteckungsfähigkeit unterbrochen werden. Man geht davon aus, dass der Patient spätestens nach siebentägiger Antibiotika-Gabe nicht mehr ansteckend ist. Es ist auch möglich Personen, die Kontakt mit einem an Keuchhusten Erkrankten hatten oder haben werden, durch prophylaktische Gabe von Makrolidantibiotika zu schützen. Das ist ganz besonders wichtig für Neugeborene mit abgelaufenem oder drohendem Kontakt mit einem an Keuchhusten Erkranktem.

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