Stuttgart (dpa) l Einen Kolbenfresser will keiner, denn dann wird es teuer. Zudem schützt Öl auch vor Korrosion und reinigt den Motor. Doch zu wenig oder altes Öl kann diese Aufgaben nicht mehr erfüllen, und Öl ist nicht gleich Öl. Was sollten Autofahrer alles darüber wissen?

„Man sollte den Ölstand regelmäßig, am besten einmal im Monat, prüfen“, rät Sören Heinze vom Auto Club Europa (ACE). Sofern in der Betriebsanleitung nichts anderes steht, geschieht dies am besten, wenn der Motor zuvor mindestens 10 bis 15 Kilometer gefahren ist und man nach dem Abstellen des Motors etwa fünf Minuten gewartet hat.

Nicht nur auf Anzeige verlassen

Dabei geht es nicht nur um den Ölstand, sondern auch um das Öl selbst. „Wenn das Öl trüb oder gar schwarz ist und verbrannt riecht, sollte man auf jeden Fall in die Werkstatt fahren, aber auch wenn man weiß, dass der letzte Ölwechsel schon länger her ist“, rät Heinze.

Entscheidend für die Frage, welches Öl verwendet wird, ist die Herstellerfreigabe, die man im Handbuch oder Serviceheft findet und mit den Angaben auf dem Etikett der Ölgebinde abgleicht. Es gibt Einbereichsöle, die nur im Sommer oder Winter angewendet werden, und Mehrbereichsöle (Ganzjahresöle).

Zahlensalat beim Motoröl

Ein wichtiges Kennzeichen ist die Fließeigenschaft (Viskosität), die mit der sogenannten SAE-Klasse angegeben wird und entscheidet, welches Öl das richtige ist. Die Kennzeichnung vor dem Buchstaben W benennt dabei die Niedrigtemperatur-Viskosität: Je kleiner die dort genannte Ziffer, desto flüssiger ist das Öl und desto besser ist es bei winterlichen Temperaturen geeignet. Eine hohe Ziffer hinter dem W wiederum bedeutet eine hohe Schmierfähigkeit bei hohen Temperaturen.

Um die Qual der Wahl zu vergrößern, bieten die meisten Hersteller zudem verschiedene Preisklassen an. Da sind die sogenannte Longlife-Öle. Sie sollen länger halten, sind in der Regel eher dünnflüssig und versprechen als Leichtlauföle einen deutlich geringeren Spritverbrauch. Diese haben eine nie-drige Tieftemperatur-Viskosität und liegen in der Regel bei SAE 0W-30 bis SAE 0W-40. Am häufigsten wird 5W-30 verwendet, der Ölwechsel ist damit etwa alle 30 000 Kilometer oder alle zwei Jahre notwendig. Achtung: Diese Öle darf man nicht mit anderen mischen.

Falsches Öl verursacht Schäden

„Grundsätzlich ist sehr wichtig, dass man sich an die Klassifikation hält, die der Hersteller für den individuellen Pkw vorschreibt“, warnt Heinze. „Eine falsche Verwendung, auch Mischen, kann sehr große Schäden verursachen.“ Das sieht der Ölhersteller Liqui Moly genauso: „Ein Schmierstoff ist seit Jahren schon ein passgenaues Ersatzteil“, so Marketingleiter Peter Baumann. „Man kann nicht jeden Schmierstoff in jedem Aggregat fahren, das ist technisch ausgeschlossen oder zumindest höchst riskant.“

Ein Öl wird meist in verschiedenen Preisklassen angeboten, teils mit dem Hinweis, damit könne man Sprit sparen. Messen kann man das aber nur im Labor. Auf der Straße spielen zu viele Faktoren eine Rolle.

Grundsätzlich sind für Peter Baumann der Zustand und die Nutzung des Fahrzeugs sowie das Fahrverhalten von entscheidender Bedeutung: „Ein fabrikneues oder neu eingefahrenes Auto verhält sich natürlich ganz anders als ein Fahrzeug, das seit 20 Jahren in der Gegend herum fährt. Da eine pauschale Zahl zu nennen, wäre sehr unseriös.“

Entscheidender als die Chemie könnte allerdings der eigene Gasfuß sein: „Über das eigene Fahrverhalten können wir, besonders in Sachen Spritsparen, viel mehr erreichen, beispielsweise indem wir vorausschauender fahren“, sagt Alexander Klein als Vorstand des Bundesverbandes mittelständischer Mineralölunternehmen (UNITI).