Berlin (dpa) l Fertige Wasch- und Putzmittel kommen oftmals mit vollmundigen Werbeversprechen daher, reinigen mühelos ohne aufwendiges Schrubben. Doch um diese Leistung zu erreichen, ist die Liste mit Inhaltsstoffen bei manchen Produkten entsprechend lang. Einige davon können Hautreizungen, Allergien und Unverträglichkeiten auslösen und umweltschädlich sein. Alte Hausmittel klingen da nach einer verlockenden Alternative. Doch auch bei den guten alten Hausmitteln ist Vorsicht geboten. Das falsche Hausmittel am falschen Ort eingesetzt kann sogar schaden, statt zu helfen. Ein Beispiel dafür ist der gute alte Essig. „Speiseessig sollte am besten in der Küche bleiben“, rät Laura Gross von der Verbraucher Initiative. Eine Mischung mit Wasser desinfiziert die Innenflächen des Kühlschranks nach dem Saubermachen, um Bakterien und Keime zu vermeiden.

Für die Toilette sollte man hingegen besser auf einen starken Essigreiniger setzen, der sei sogar noch besser als Mittel mit Zitronensäure. „Aber mit Salatessig oder Essigessenz kommt man da nicht sinnvoll weiter. Sie haften nicht und bis man etwas sauber bekommen hat, sind die Schleimhäute ernsthaft gereizt“, sagt Gross.

Auch der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) warnt: Manche Hausmittel-Stoffe kommen zwar auch in der Natur vor, sie werden für den Einsatz in Reinigungsmitteln jedoch meist aus anderen Stoffen hergestellt. Und: Reinigungsmittel unterliegen dem Chemikalienrecht und müssen unter Umständen mit Warn- und Sicherheitshinweisen für die Anwendung gekennzeichnet sein. Wer im Handel zu den reinen Stoffen greift, erhält diese Informationen oft nicht und unterschätzt die Risiken der Anwendung.

Kein Essig

Als Weichspüler eignet sich Essig nicht. „Wäsche wird in der Waschtrommel kratzig und hart, weil die Fasern beim Waschen aufgeraut werden und sich gegeneinander verhaken. Daran kann Essig nichts ändern“, erklärt die Expertin. „Dafür greift er aber empfindliche Fasern und auch Metall- und Kunststoffteile in der Waschmaschine an.“

Auch bei Kalkablagerungen in Wasserkochern und an Armaturen empfiehlt Gross, lieber auf Zitronensäure zu setzen. Sie sei „hier tatsächlich ein gutes, schonendes und lebensmittelverträgliches Mittel“. Küchenübliches Zitronensaftkonzentrat sei meist nicht stark genug.

Ebenfalls abwägen muss man den Einsatzort von Natron (Natriumhydrogencarbonat, NaHCO3. Es gilt als klassischer Fettlöser. Da es ein Bestandteil von Backpulver ist, wird die Backzutat auch gerne als Reinigungsmittel empfohlen. Doch aus Sicht des IKW bewirken die darin enthaltenen Trennmittel Mehl oder Stärke genau das Gegenteil: Die Säuren heben die reinigende Wirkung auf.

Außerdem können die Bestandteile sogar Schäden vergrößern – etwa an verschimmelten Fliesenfugen, für deren Reinigung Backmittel als Hausmittel gilt. Sie sehen nach der Reinigung mit Backpulver zwar kurzzeitig heller aus. Da das Mehl den Schimmelpilzen aber Nahrung gibt, vermehren sich diese rascher – und Fugen werden wieder schwarz.

Soda für fettlösende Lauge

Soda (Natriumcarbonat, Na2CO3) ist eine weitere Empfehlung – mit ihm lässt sich eine fettlösende Lauge herstellen. „Soda hilft, stark Angebranntes aus Töpfen oder Formen zu lösen, und ist ein durchaus gutes Mittel gegen Vergrauungen und Gilb“, erklärt Gross. Die Anwendung beansprucht aber etwas Zeit: Sowohl Wäsche als auch Geschirr müssen darin einweichen, die Textilien sogar über mehrere Stunden. Und für Wolle oder Seide ist diese Methode nicht geeignet. Als Allzweckmittel gilt auch Kernseife. „Kernseife ist die Mutter aller festen Seifen und das Vorbild für Waschstücke. Sie kann nur eine Sache, die aber richtig gut: Fette lösen und Schmutzteilchen im Schaum halten“, erläutert Gross. Aus ihrer Sicht ist Kernseife aber vielseitig einsetzbar: im Wischwasser, zur Vorbehandlung von Flecken in der Wäsche, zur Reinigung fettiger Oberflächen in der Küche, zum Händewaschen und bedingt auch zur Körperpflege, weil sie keine Farbstoffe, Konservierungsstoffe und Parfümstoffe enthält.

„Kernseife ist aber nicht unbedingt schonend, da sie die Haut stark entfettet“, ergänzt Gross. „Sie wirkt zudem auf den Schleimhäuten stark reizend.“ Und wer die Umwelt schützen will, sollte Seife ohne Palmöl nutzen – also zu Produkten ohne den Inhaltsstoff Sodium Palmitate greifen.