Magdeburg l Am 21. August 2014 wurde in Magdeburg-Rothensee zum ersten Mal ein Laubholzbockkäfer (ALB) nachgewiesen. Seitdem wird mit zunehmendem Personaleinsatz nach dem als gefährlich eingestuften Holzschädling gesucht. Gestern zog die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Bilanz.

„Der Käfer wurde mehrfach an verschiedenen Stellen zweifelsfrei nachgewiesen. Erst kürzlich wieder auf ostelbischer Seite am nördlichen Rand des Herrenkrugparks“, sagte Ursel Sperling von der Landesanstalt. Deshalb sei die Ausweitung einer Quarantänezone von Anfangs 12,6 Quadratkilometer auf inzwischen knapp 50 Quadratkilometer nötig. Über die Stadtgrenze hinaus sind inzwischen Gebiete im Landkreis Börde und Jerichower Land betroffen.

In dieser Zone werden regelmäßig alle Laubbäume kon­trolliert, im Umkreis von 200 Metern von befallenen Bäumen wird – bis auf Eichen – das meiste Laubgehölz gefällt, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. In der ersten Quarantänezone wurden wegen des Käfernachweises in einer einzelnen Kastanie 396 Laubbäume, 308 Quadratmeter Hecken und 655 Quadratmeter Sträucher gerodet. Inzwischen wurden 3600 Bäume gefällt, weil an 35 Bäumen der Schädling entdeckt wurde.

Rechtliche Grundlage für diese restriktive Art der Bekämpfung liefert eine EU-Richtlinie. Brüssel bezahlt auch die Hälfte der Kosten aller Maßnahmen. In Sachsen-Anhalt wurden vom Landeszentrum Wald 20 Forstarbeiter zusätzlich eingestellt, die derzeit täglich Bäume kontrollieren. Dazu wurde das Gebiet in 344 Planquadrate mit je 200 mal 200 Meter Größe eingeteilt. Auch im Magdeburger Zoo und im Herrenkrugpark wird nach dem ALB gefahndet. An anderen Orten als in Magdeburg wurde bislang nicht gezielt nach dem Käfer gesucht. Dies würde die organisatorischen Möglichkeiten der Behörden überfordern, hieß es gestern.

Zukünftig sollen sogar Suchhunde eingesetzt werden. Aktuell versuchen die Experten, dem Käfer mit zehn Pheromonfallen beizukommen, die dank spezieller Duftstoffe weibliche ALB anlocken. „Damit kann man den Käfer nachweisen, aber die Population ausrotten kann man damit nicht“, sagte Dietmar Specht, Leiter vom Landeszentrum Wald.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sieht die Ausbreitung des Fällgebietes mit Sorge. „Wenn das so weitergeht, müssen wir uns über andere Formen der Bekämpfung unterhalten.“ Er befürchtet die Fällung des teils sehr alten Baumbestandes im Herrenkrugpark.