Magdeburg l Die Deutschen zahlen zu viel fürs Heizgas, die Versorger kassieren zu heftig von ihnen ab – zu diesem Schluss kommt der Hamburger Energieberater Steffen Bukold, der im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion eine Preisstudie vorgelegt hat. „Schon 2014 wurden die Einsparungen beim Gaseinkauf nicht an die Verbraucher weitergegeben. Im laufenden Jahr 2015 setzte sich der unerfreuliche Trend fort“, schreibt er.

Einkaufspreise purzeln

Bukold verweist auf den Weltmarkt. Immer mehr Anbieter, die Schiefer-Gas-Schwemme in den USA und milde Winter ließen die Einkaufspreise purzeln. Lagen sie 2012 noch bei knapp 3 Cent je Kilowattstunde, so hat er sich bis Dezember 2015 fast auf 1,6 Cent halbiert. Anders sehe es beim Kunden aus. Im deutschen Mittel fiel der Preis für Privathaushalte gerade mal um 3 Prozent auf knapp 6,4 Cent (inclusive aller Steuern und Grundgebühren). Selbst unter Berücksichtigung gestiegener Netzentgelte und weiterer Kosten müsste der Privatpreis nach Bukolds Rechnung jetzt aber bei 5,7 Cent liegen – das wäre immerhin eine Einsparung von 13 Prozent.

Die Studie zeigt aber auch starke regionale Unterschiede, die auch in den Netzkosten begründet sind. So sind Städte meist günstiger als der dünn besiedelte Osten. In Berlin etwa fiel der Preis auf 5,4 Cent - in Sachsen-Anhalt liegt er im Mittel bei knapp 6,9 Cent. Für einen Durchschnittshaushalt (Jahresverbrauch 20 000 kWh) ist das ein jährlicher Preis von 1372 Euro. Würden die gefallenen Marktpreise weitergereicht, wären allerdings 1244 Euro angemessen, errechnete das Büro. Eine Ersparnis von 128 Euro.

Besser haben es derzeit Besitzer von Ölheizungen. Sie profitieren vom Preisverfall. Die Kosten halbierten sich seit 2013 auf mittlerweile 44 Cent je Liter. Doch der Gaspreis ist nicht mehr an den Ölpreis gekoppelt.

Gas-Versorger weisen Gewinnsucht weit von sich. Die Hälfte des Preises werde von Steuern, Abgaben und Netzentgelten bestimmt. Außerdem wird das Gas bis zu drei Jahre im Voraus eingekauft, so dass sich Schwankungen nicht sofort niederschlagen. Und: „Der Wettbewerb lässt es nicht zu, Kunden zu schröpfen“, sagt Helmut Herdt, Chef der Städtischen Werke Magdeburg. SWM biete seit 2008 einen stabilen Gaspreis. Seine Stammkunden erhalten jetzt Treuerabatt.

Träge Kunden

Verbraucherschützer bezweifeln, dass Stadtwerke aus Konkurrenzfurcht tatsächlich anständige Preise kalkulieren. „Es ist nicht so, dass Kunden großen Druck machen, da die meisten leider zu träge sind“, sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Obgleich sich (auch in Sachsen-Anhalt) im Jahr schnell 300 Euro sparen lassen, wechseln nur wenige den heimischen Anbieter. Ein Grund: Discounter können ihre Billigtarife meist nicht lange durchhalten. Sieverding hält daher einen Vergleich innerhalb der Stadtwerke-Familie für die interessantere Alternative. Auch ein Wechsel zu anderen regionalen Versorgern sei möglich.