Magdeburg l Die Kliniken des Landes bereiten sich heute auf Notfälle mit abgerissenen Fingern, Verbrennungen und Knalltraumen vor. Der Chef der Universitätsklinik für Handchirurgie in Magdeburg, Prof. Manfred Infanger: „Wir mussten allein bei uns zehn Patienten im vergangenen Jahr versorgen. Darunter war auch eine zerfetzte Hand mit vier abgerissenen Fingern.“ Sie konnten nicht gerettet werden.

Knalltrauma nach Silvesternacht

Er empfiehlt jedem beim Abbrennen des Feuerwerks nicht nur Vorsicht, sondern auch Ohrstöpsel. Etwa 8000 Menschen erleiden deutschlandweit jedes Jahr in der Silvesternacht ein Knalltrauma. Der Mediziner warnt vor allem vor illegalen Böllern, die sogar zu tödlichen Verletzungen führen. In Deutschland gibt es nicht zugelassene Knaller immer häufiger, weil sie problemlos im Internet bestellt werden können. Sie stammen aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Italien, Spanien und Österreich.

Das Landeskriminalamt registrierte bis Mitte Dezember etwa 450 Einsätze wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz im Zusammenhang mit Pyrotechnik. Seit 2008 haben sich die Zahlen damit verzehntfacht. Damals waren die Experten nur 43-mal zu solchen Einsätzen ausgerückt. Bernhard Gronau, Sprengstoffexperte im LKA: „Die Böller werden auch immer gefährlicher.Inzwischen haben einige der Böller die Sprengwirkung von Handgranaten.“

Die Gefahr illegaler Silvesterknaller

Magdeburg (fb) l In jedem Jahr gibt es Verletzte durch Silvesterknaller. Gefährlich sind dabei jene Knallkörper, die illegal erworben werden. Die Volksstimme war bei einem Test dabei, der aufzeigt, welch Sprengkraft "La Bomba", "Cobra 11" und Co. haben. Die Verletzungen sind verherrend.

  • Der Dummy im Institut für Brand- und Katastrophenschutz des Landes Sachsen-Anhalt in Heyrothsberge wird präpariert. Die Gurke am Arm symbolisiert einen menschlichen Arm. Foto: Fabian Biastoch

    Der Dummy im Institut für Brand- und Katastrophenschutz des Landes Sachsen-Anhalt in Heyroth...

  • Dieser kleiner Knaller namens

    Dieser kleiner Knaller namens "La Bomba" hat drei Gramm eines Blitzknallsatzes in seinem Inneren ...

  • ... Diesen Schaden hat diese geringe Menge an Knallsatz angerichtet.

    ... Diesen Schaden hat diese geringe Menge an Knallsatz angerichtet. "Wir haben es den Patienten ...

  • Das rosafarbene Papier täuscht über die Gefährlichkeit dieses illegalen Knaller hinweg. Der sogenannte

    Das rosafarbene Papier täuscht über die Gefährlichkeit dieses illegalen Knaller hi...

  • Auf einen Kohlkopf drapiert ist von der eigentlichen Form des Gemüses nicht mehr mehr viel zu sehen. Foto: Fabian Biastoch

    Auf einen Kohlkopf drapiert ist von der eigentlichen Form des Gemüses nicht mehr mehr viel z...

  • Klinikchef Infanger und Frank Mehr, Direktor des Feuerwehrinstituts, begutachten den Schaden durch den Cipolla. Infanger:

    Klinikchef Infanger und Frank Mehr, Direktor des Feuerwehrinstituts, begutachten den Schaden durc...

  • Dieser Böller mit dem Namen

    Dieser Böller mit dem Namen "Cobra 11" hat 90 Gramm Blitzknallsatz in sich. Er ist schon ein...

  • Zur besseren Befestigung wird der Knaller am Kohlkopf festgeklebt. Foto: Fabian Biastoch

    Zur besseren Befestigung wird der Knaller am Kohlkopf festgeklebt. Foto: Fabian Biastoch

  • Die Druckwelle des

    Die Druckwelle des "Cobra 11" ist meterweit spürbar, Teile fliegen bis auf die angrenzenden ...

  • Professor Infanger erklärt, dass allein die Druckwelle für ernsthafte Verletzungen ausreiche. Der Böller hat die Füße des Dummys zerfetzt. Foto: Fabian Biastoch

    Professor Infanger erklärt, dass allein die Druckwelle für ernsthafte Verletzungen ausr...

Nur geprüfte Ware verwenden

Sichere Ware erkennt man übrigens am Siegel der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) mit den Klassifizierungen F 1 bis F 4 oder dem EU-Siegel „CE“. Die Klasse I ist das gesamte Jahr nutzbar. Klasse II darf von Erwachsenen vom 31. Dezember, 0 Uhr, bis zum 1. Januar, 24 Uhr, abgebrannt werden. III und IV dürfen nur Feuerwerker zünden. In der Innenstadt von Wernigerode und Quedlinburg darf es gar kein Feuerwerk geben. Das gilt auch vor allen Altersheimen, Fachwerk- und Reetdachhäusern. „Das kontrollieren wir mit dem Ordnungsamt“, so Polizeisprecher Mike von Hoff.

Die Feuerwehren im Land werden nach Angaben von Frank Mehr, Leiter des Institutes für Brand- und Katastrophenschutz Heyrotsberge, in Alarmbereitschaft sein: „Die Zahl der Brände sind Silvester um ein Vielfaches höher.“ Für die vergangene Silvesterknallerei haben die Deutschen 129 Millionen Euro ausgegeben - dieses Jahr wird es ähnlich sein, schätzt der Verband der pyrotechnischen Industrie.