So wird das Feuerwerk zum ErlebnisPyrotechniker Martin Kowallik zu aktuellen Trends

Wie bekommt man ein schönes, ungefährliches Feuerwerk?

Martin Kowallik: Ich empfehle Abschussbatterien. Darin befinden sich Bombetten, die von einer darunter befindlichen Treibladung in den Himmel geschossen werden. Erreicht diese den Umkehrpunkt, zündet der Effektkörper. Diese Batterien sind außerdem standfester als zum Beispiel herkömmliche Feuerwerksraketen, von denen ich eher abraten würde. Die werden von uns Feuerwerkern auch nur noch selten genutzt. Zum einen sind sie wegen des Stabes sehr instabil im Abschuss. Zum anderen muss der Treibsatz mit nach oben befördert werden. Da bleibt oft für die Effekte nur noch wenig übrig.

Was ist zur Zeit im Trend?

Die Abschussbatterien, die inzwischen weiterentwickelt wurden. Sie erreichen Steighöhen von gut 50 Metern. Verbundfeuerwerke können inzwischen sogar schon bis zu vier Minuten lang Effekte an den Himmel zaubern. Im Kommen ist auch die elektrische Funk-Fernzündung. Sie ist in einfacher Ausführung schon für weniger als hundert Euro erhältlich.

Welches Knallersortiment empfehlen Sie Familien?

Ehrlich gesagt, gar keines. Man sollte für Kinder eher auf Fontänen, bengalische Feuer oder andere Leuchteffekte setzen.

Magdeburg l „La Bomba“, ein nur wenige Zentimeter kleiner handlicher Knaller, macht seinem Namen alle Ehre. Die Übersetzung aus dem Spanischen lautet „Die Bombe“. Sie ist zwar unscheinbar, dafür aber höchst gefährlich und deshalb auch illegal. Als in Deutschland verbotene Pyrotechnik kann sie dennoch frei im Internet bestellt werden. Die Post, oft ahnungslos, welch explosive Mischung sie da transportiert, liefert die Ware nach Hause. „Die Boten wissen gar nicht, was sie da im Paket haben. Das ist schon Wahnsinn“, sagt Sprengstoffexperte im Landeskriminalamt Bernhard Gronau.

Er zündet einen „La Bomba“-Böller an einer Gurke, die wiederum an der Versuchspuppe des Institutes für Brand- und Katastrophenschutz (IBK) in Heyrothsberge befestigt ist. Was dann folgt, dürften viele als großen Rums im Fußball-Stadion kennen. Dabei explodieren drei Gramm eines brisanten Blitzknallsatzes. In Deutschland zugelassene Böller sind hingegen nur mit Schwarzpulver versehen. Gronau: „Wir haben mal versucht in drei Meter Entfernung die Lautstärke der Explosion zu messen. Bei 130 Dezibel hörte das Messgerät auf zu arbeiten.“ Ab 150 Dezibel bestehe die Gefahr eines Knalltraumas.

Pyrotechnik sorgt für Verbrennungen

Und nicht nur das: Die Gurke ist völlig zerstört. „Das hätte ich nicht gedacht, dass dieses kleine Ding solch eine Wirkung hat. Da wäre der Unterarm weg gewesen“, sagt Professor Manfred Infanger, Direktor der Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie an der Magdeburger Otto-von-Guericke-Unversität. Und auch die Wundversorgung sei in solchen Fällen sehr kompliziert. Die Pyrotechnik katapultiert Splitter in die Weichteile. Und auch die Verbrennungen dürften bei 800 bis 900 Grad Celsius enorm sein.

Bilder

Doch das ist erst die niedrigste Stufe illegaler Pyrotechnik. Zum Beispiel hat der „Cipolla“ aus Polen mit 40 Gramm Blitzknallsatz mehr als das Zehnfache des „La Bomba“.

Die Gefahr illegaler Silvesterknaller

Magdeburg (fb) l In jedem Jahr gibt es Verletzte durch Silvesterknaller. Gefährlich sind dabei jene Knallkörper, die illegal erworben werden. Die Volksstimme war bei einem Test dabei, der aufzeigt, welch Sprengkraft "La Bomba", "Cobra 11" und Co. haben. Die Verletzungen sind verherrend.

  • Der Dummy im Institut für Brand- und Katastrophenschutz des Landes Sachsen-Anhalt in Heyrothsberge wird präpariert. Die Gurke am Arm symbolisiert einen menschlichen Arm. Foto: Fabian Biastoch

    Der Dummy im Institut für Brand- und Katastrophenschutz des Landes Sachsen-Anhalt in Heyroth...

  • Dieser kleiner Knaller namens

    Dieser kleiner Knaller namens "La Bomba" hat drei Gramm eines Blitzknallsatzes in seinem Inneren ...

  • ... Diesen Schaden hat diese geringe Menge an Knallsatz angerichtet.

    ... Diesen Schaden hat diese geringe Menge an Knallsatz angerichtet. "Wir haben es den Patienten ...

  • Das rosafarbene Papier täuscht über die Gefährlichkeit dieses illegalen Knaller hinweg. Der sogenannte

    Das rosafarbene Papier täuscht über die Gefährlichkeit dieses illegalen Knaller hi...

  • Auf einen Kohlkopf drapiert ist von der eigentlichen Form des Gemüses nicht mehr mehr viel zu sehen. Foto: Fabian Biastoch

    Auf einen Kohlkopf drapiert ist von der eigentlichen Form des Gemüses nicht mehr mehr viel z...

  • Klinikchef Infanger und Frank Mehr, Direktor des Feuerwehrinstituts, begutachten den Schaden durch den Cipolla. Infanger:

    Klinikchef Infanger und Frank Mehr, Direktor des Feuerwehrinstituts, begutachten den Schaden durc...

  • Dieser Böller mit dem Namen

    Dieser Böller mit dem Namen "Cobra 11" hat 90 Gramm Blitzknallsatz in sich. Er ist schon ein...

  • Zur besseren Befestigung wird der Knaller am Kohlkopf festgeklebt. Foto: Fabian Biastoch

    Zur besseren Befestigung wird der Knaller am Kohlkopf festgeklebt. Foto: Fabian Biastoch

  • Die Druckwelle des

    Die Druckwelle des "Cobra 11" ist meterweit spürbar, Teile fliegen bis auf die angrenzenden ...

  • Professor Infanger erklärt, dass allein die Druckwelle für ernsthafte Verletzungen ausreiche. Der Böller hat die Füße des Dummys zerfetzt. Foto: Fabian Biastoch

    Professor Infanger erklärt, dass allein die Druckwelle für ernsthafte Verletzungen ausr...

Gronau zündet den „Cipolla“ auf einem Kohlkopf. Der ist am Ende pulverisiert und die Puppe liegt stark lädiert am Boden. Klinikchef Infanger: „Unfassbar, hätte da jemand in der Nähe gestanden, wäre er tot gewesen.“ Doch es geht noch schlimmer. Der LKA-Beamte holt einen weiteren Böller namens „Cobra 11“ aus dem Sicherheitskoffer. Mit 90 Gramm Blitzknallsatz ist der schon eine kleine Bombe.

Druckwelle ist spürbar

Der aus Spanien stammende Böller hat die dreifache Sprengkraft seines Vorgängers. Mit hohen Sicherheitsvorkehrungen lässt der Experte des Landeskriminalamtes auch diesen Böller in die Luft gehen. „Dabei kann schon die Druckwelle schwere Verletzungen von in der Nähe stehenden Personen anrichten“, meint Prof. Infanger.

Die nicht zugelassenen Knaller werden immer größer. „Wir haben kürzlich einen Böller mit 150 Gramm Blitzknallsatz sichergestellt“, sagt Gronau. Dieser „Little Joe“ mit gefälschter Herkunftsangabe „Made in Sowjetunion“ könnte schon als Bombe eingestuft werden. Aus diesem Grund will der LKA-Experte selbst im abgezäunten Versuchsgelände den Böller nicht zünden. Er ist sich aber sicher, dass es einige in der Silvesternacht dennoch tun. „Viele sehen weder die Gefahr noch die Tatsache, dass es sich um eine Straftat oder eine mit hohem Bußgeld belegte Ordnungswidrigkeit handelt“, sagt er.

Manche Technik ist lebensgefährlich

Aber nicht nur illegale Böller sind gefährlich. Auch Bengalos, wie sie nur für die Seenotrettung verwendet werden dürfen, missbrauchen einige in der Silvesternacht. „Magnesium verbrennt dabei mit 1300 Grad Celsius und ist mit herkömmlichen Mitteln nicht löschbar“, erklärt Mario Koch, Leiter der Versuchsanlage im IBK, das Problem.

Viele wissen offenbar nicht, was sie sich da im Internet bestellen. Gronau: „Diese Böller sind absolut lebensgefährlich. Deshalb sollte man generell die Finger von Pyrotechnik ohne BAM-Kennzeichnung lassen.“ Die Abkürzung steht für Bundesamt für Materialforschung und -prüfung. Die Polizei empfiehlt zudem möglichst nur im regulären Einzelhandel die Pyrotechnik zu kaufen.