Wernigerode/Schierke l Der Sommer 2017 – oder besser die Leuchtturmprojekte im Ortsteil Schierke – bringen den Wernigeröder Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) dieser Tage ziemlich ins Schwitzen. Erst das monatelange Tauziehen um die umstrittene Seilbahn rauf zum Winterberg. Hier soll nun bis Ende August ein drittes Gutachten endgültige Klarheit bringen, ob die Seilbahntrasse mit Naturschutzauflagen vereinbar ist und gebaut werden kann. Kaum war in diesem Konflikt ein „Waffenstillstand“ zwischen Gegnern und Befürwortern eingetütet, monierte der Landesrechnungshof das Millionenprojekt, aus dem desolaten Natureisstadion die moderne Feuerstein-Arena zu machen. Und nun hat obendrein auch noch das Ministerium für Landesentwicklung kurz vor Fertigstellung des Arena-Projektes den Fördermittelhahn zugedreht.

Umschichten im Haushalt

Das sind – wenige Monate vor der geplanten Einweihung am 15. Dezember – Hiobsbotschaften am laufenden Band. Dass das von Thomas Webel (CDU) geführte Ministerium kurz vor Fertigstellung der Arena den Geldhahn zudreht, kam für Wernigerode zwar überraschend. Es war – aus Sicht des Landes – aber ein Schnitt mit Ansage: „Weil die Stadt ihre insgesamt zugesagten zehn Millionen Euro aus dem Topf des Stadtumbau-Ost-Programms schlicht aufgebraucht hat“, wie Webels Sprecher Peter Mennicke erklärt. Ein Mehr für Wernigerode müsste zu Lasten anderer Kommunen gehen, das sei ausgeschlossen.

Deshalb ist Gaffert nun am Zuge. Er muss im Haushalt umschichten, um den offenen Betrag von aktuell rund 500.000 Euro aufzubringen. Wie er am gestrigen Nachmittag auf Anfrage erklärt hat, sei dies möglich, ohne die Einwohnerschaft zu belasten. In Schierke werde gerade für 1,6 Millionen Euro ein neues Depot für Feuerwehr, Bauhof und Bergwacht gebaut. „Diese Mittel sind in diesem Jahr nicht mehr nötig, deshalb werden wir von dort 500.000 Euro zur Arena umleiten.“ Das habe er gerade den Fraktionschefs angekündigt. Dort, so die ersten Reaktionen, zeichnet sich Zustimmung ab. Der Vorschlag sei vernünftig, vor allem gelte es, eine Investruine zu verhindern, so der Tenor. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

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Baukosten sind explodiert

Das Tauziehen um das Eisstadion und dessen Finanzierung markiert nur den vorläufigen Höhepunkt rund um den Bau der ganzjährig nutzbaren Veranstaltungsarena, in der im Sommer Konzerte stattfinden sollen. All das ist auch Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Insbesondere an der gut 1,5 Millionen Euro teuren Überdachung scheiden sich sowohl im Stadtrat als auch in der Einwohnerschaft die Geister. Zu teuer, sagen die einen. Ein nötiger Hingucker, um als Leuchtturm mit Magnetwirkung Leute in den Harzort zu locken, entgegnen die anderen.

Deshalb fiel schon die Entscheidung, das völlig desolate Natureisstadion aufzuhübschen, im Mai 2014 knapp aus. 21 Stadträte waren dafür, 16 dagegen. Der Versuch, das Dach per Votum abzuwählen, scheiterte.

Ganz zum Anfang lagen die geschätzten Baukosten zwischen drei und 3,5 Millionen Euro. Als die Sache reifte, explodierten sie. Nach einem Architekturwettstreit war man bei 6,7 Millionen Euro. Während des Baus dann die nächste Hiobsbotschaft. Trotz Baugrundgutachten stieß man auf unerwartet viel Gestein im Erdreich. Hinzu kam der allgemeine Kostenanstieg im Bausektor. Nach rund 7,1 Millionen Euro im Frühjahr 2016 werden nun gut 8,4 Millionen Euro veranschlagt. Das Land förderte davon bislang zwei Drittel. Weil aus dem Topf aber noch andere Projekte in Schierke gespeist wurden, sind die versprochenen zehn Millionen Euro nun alle.

Auch wenn Gaffert nun damit rechnen kann, im August grünes Licht für die finanzielle Umschichtung zu bekommen, bleiben rund um die Feuerstein-Arena weitere Baustellen. So hat der Landesrechnungshof (LRH) den Arena-Bau im jüngst vorgestellten Jahresbericht massiv kritisiert. Neben besagter Kostenexplosion wird die Auftragsvergabe gerügt. Und damit nicht genug: „Wir sind der Meinung, dass für die Arena-Förderung der falsche Fördertopf genutzt wurde“, so LRH-Vize-Sprecherin Britta Mohs. Was Ministeriumssprecher Mennicke zurückweist: „Es ist möglich, mit Stadtumbau Ost solche Projekte zu fördern.“ Ob und welche Konsequenzen drohen könnten, ist offen.

Derweil hat das Ministerium den LRH-Bericht zum Anlass genommen, die bisherigen Abläufe rund um den Arena-Bau intern zu prüfen. Dabei dürfte es im Kern darum gehen, die erhobenen Vorwürfe kritisch zu hinterfragen.