Arneburg l Den Augenblick wird Christian Frank nicht vergessen, als er am Elbufer bei Arneburg im Landkreis Stendal mitten in der Nacht 40 Minuten lang mit seiner Angel ein „Monster“ an Land zieht. Gefangen mit einem Wurmbündel an einer Schwimmmontage, wie er sagt. Der Fisch war so groß, dass er nur mit einer nassen Plane am Ufer den Wels an Land ziehen konnte. „Die Kinder waren total aufgeregt“, erinnert er sich an „den Fang seines Lebens“. Dieser landete zum einen als Filet auf dem Grill, gewürzt mit Pfeffer, Salz und Zitrone. Der Rest kam in die Tiefkühltruhe. Zuvor hatte der Angler erst einen 85 Zentimeter langen Wels gefangen.

Wenn es nach den Experten geht, dürften es auch nicht seine letzten Welse sein. Nach Angaben von Erik Flading vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam sei der Welsbestand in der Elbe in den letzten 20 Jahren regelrecht explodiert. „Der Fisch wird in Zukunft in unserem Bereich eine größere Bedeutung haben, als bisher“, ist er sich sicher. Nach den Erkenntnissen seines Institutes werden aktuell an der Elbe Größen bis 2,40 Meter erreicht. Die Exemplare könnten durchaus rund 60 Kilogramm oder mehr schwer sein. Eine Gefahr für die Gewässerökologie sehe er angesichts des hohen Welsbestandes aber nicht. „Das gleicht sich wieder aus“, sagt er.

Allerdings sind die Berichte von plötzlich verschlungenen Enten oder im Wasser schwimmenden kleinen Dackeln für ihn durchaus kein Anglerlatein. Flading: „Das kann schon sein, dass sich die großen ausgewachsenen Welse schon mal an kleinere Säugetiere heranwagen. Wir haben in den Mägen von Welsen auch schon größere Ratten gefunden.“

"Monster"-Welse aus Sachsen-Anhalt

Magdeburg (rk) l Flach gedrückter Kopf, nackte Haut und eine nicht unbedingt charmante Erscheinung: Der Wels wird bei Hobby-Anglern vor allem aufgrund seiner Größe und Masse geschätzt. Auch in Sachsen-Anhalt konnten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Angler über einen "Monster"-Wels freuen.

  • Der Garzer Michael Hagen (rechts) hatte diesen 2,14 Meter langen und 60 Kilogramm schweren Wels mit der Barschrute bei Strodehne gefangen. Sebastian Gratzke steuerte den Kahn. Foto: Ingo Freihorst

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  • 2,10 Meter lang und 60 Kilogramm schwer: Um diesen „Monster“-Wels zu halten, müssen zehn Hände her. Mit seinem Riesenwels hat der Arneburger Christian Frank (2. v. r.) am 23. Juli in der Nähe von Sandau für Aufsehen gesorgt. 40 Minuten benötigten Frank und sein Freund Sven Marggraf, um den Süßwasserfisch an Land zu ziehen. Wieder einmal erwies sich die Elbe als beliebtes Territorium für einen Riesenwels. Foto: Sven Marggraf

    2,10 Meter lang und 60 Kilogramm schwer: Um diesen „Monster“-Wels zu halten, mü...

  • Während viele Angler hoffen, einmal in ihrem Leben einen Riesenwels aus dem Wasser zu ziehen, sind große Fänge für Mario Kammrath keine Seltenheit. Er zog 2017 zehn Welse innnerhalb von nur einer Woche aus der Elbe. Sein bisher größter Fang gelang ihm 2016 an der Elbe zwischen Grieben und Rogätz. Der selbst 1,97 Meter große Tangerhütter konnte diesen Fang von 2,02 Meter Länge nur liegend an der Böschung des Flusses präsentieren. Foto: M. Wienecke

    Während viele Angler hoffen, einmal in ihrem Leben einen Riesenwels aus dem Wasser zu ziehen...

  • 20 Minuten benötigten Christian Graßhoff (l.) und Frank Miosga, um ihren „Monster“-Wels 2008 aus der Elbe bei Prödel zu ziehen. „In sein Maul hätte ein Kopf reingepasst“, sagte Graßhoff damals. Kurios: Der Angler isst selbst keinen Fisch, machte aber bei diesem Prachtexemplar eine Ausnahme und verkündete: „War echt lecker.“ Der Wels war 1,75 Meter lang und wog 32 Kilogramm. Foto: D. Apel

    20 Minuten benötigten Christian Graßhoff (l.) und Frank Miosga, um ihren „Monste...

  • Siegfried Kurpios (r.) aus Hindenburg benötigte beim Fototermin mit seinem Riesenfang Unterstützung von André Fricke. Zwei Hände waren für diesen 30 kg schweren und 1,68 m langen Wels zu wenig. An den Haken ging der Fisch ausnahmsweise einmal beim Angeln an der Elbe, sondern beim Ausflug an den „Blauen See“ bei Kannenberg. Foto: Kurpios

    Siegfried Kurpios (r.) aus Hindenburg benötigte beim Fototermin mit seinem Riesenfang Unters...

  • Auch beim Abfischen aus dem Birkenteich in Wüstenjerichow (Jerichower Land) entdeckten Hobby-Angler 2009 diesen Riesenwels, der immerhin 1,60 m lang und 43,5 Kilogramm schwer war. Foto: Bettina Schütze

    Auch beim Abfischen aus dem Birkenteich in Wüstenjerichow (Jerichower Land) entdeckten Hobby...

  • Mit diesem 2,20-Meter-Wels zog Fischermeister Wilfried Schulz (links) den größten Fang in seiner 46-jährigeen Berufslaufbahn an Land. Geholfen hatte ihm dabei der Rhinower Helmut Haisch. Foto: Ingo Freihorst

    Mit diesem 2,20-Meter-Wels zog Fischermeister Wilfried Schulz (links) den größten Fang in seiner ...

Mensch passt nicht als Beute

Dass der Räuber einen Menschen beim Baden angreift, hält er aber für „eher unwahrscheinlich“. Der Mensch passe einfach nicht in sein Beuteschema. Höchstens, wenn man dem Fisch in der Laichzeit zu nahe kommt, könnte er sich wehren.

Auch Christian Wolter vom Leibniz-Institut für Gewässer­ökologie und Binnenfischerei in Berlin sieht keine Gefahr für den allgemeinen Fischbestand in der Elbe durch die hohe Anzahl der gefräßigen Raubfische. „Sie sind auch stark kannibalistisch. Wenn die Beute zu knapp wird, überleben auch weniger Jungfische“, so Wolter.

Welse sind seit Anfang der 90er Jahre in der Elbe auf dem Vormarsch. Jörg Kaufmann von der Oberen Fischereibehörde in Sachsen-Anhalt: „1992 wurden knapp 2000 Stück in der Elbe ausgesetzt. Bereits ein bis zwei Jahre später hat sich Nachwuchs daraus entwickelt.“ Der Bestand habe sich inzwischen so gut erholt, dass das Fang-Mindestmaß von 70 Zentimetern im Jahr 2013 aufgehoben wurde. Vizepräsident des Landesanglerverbandes Harald Rohr: „Für kleinere Gewässer gibt es sogar eine generelle Entnahmeverpflichtung.“ Die Elbe zähle aber nicht darunter. Er selbst habe bereits aus dem Bereich Magdeburg von einem gefangenen 2,40-Meter-Wels gehört.