Magdeburg l Sachsen-Anhalt stellt in diesem Jahr 500 Polizeianwärter ein. Sie werden für bis zu drei Jahre an der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben ausgebildet. Die Jobs sind heiß begehrt. Nach Angaben des Innenministeriums gibt es fast 4000 Bewerber. Auf eine Stelle bewerben sich im Land also acht Interessenten.

Damit setzt sich der Trend aus den zurückliegenden Jahren fort. 2017 wurden 700 Anwärter eingestellt – bei 4360 Bewerbern. Im Jahr davor lagen 3790 Bewerbungen für 350 Jobs vor.

Konkurrenzsituation zwischen Bundeslände

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte gestern, auch angesichts der Konkurrenzsituation zwischen den Bundesländern habe ihn der Bewerberansturm „angenehm überrascht“. Der Job sei attraktiv und werde von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung geschätzt.

Nach Jahren stetigen Abbaus bei der Polizei stockt Sachsen-Anhalt das Personal wieder auf. Im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen ist festgelegt, bis zum Jahr 2020 eine Sollstärke von 6400 Vollzugsbeamten zu erreichen – derzeit sind es rund 5700. Langfristig sollen sogar 7000 Polizeivollzugsbeamte im Land im Einsatz sein.

Belastungsgrenze ist erreicht

Die Polizei läuft nach Einschätzung des Innenministers derzeit „auf den Felgen“. Die Belastungsgrenze ist längst erreicht. Zumal die Aufgaben ständig gewachsen sind. Allein die Einsatzstunden zur Absicherung von Fußballspielen sind von 68.991 in der Spielzeit 2014/15 auf 100 374 (Spielzeit 2015/2016) gestiegen.

2016 wurden mehr als 220.000 Überstunden geleistet. Der Krankenstand ist hoch, die Polizei kämpft mit Überalterung.

Eine frisch-freche Imagekampagne

Seit vorigem August wirbt Sachsen-Anhalt mit einer frisch-frechen Imagekampagne (Slogan: „Fahndung. Stell Dich. Der Verantwortung. Polizei“) für den Polizeijob. Die Kosten dafür betragen 270.000 Euro.

Sachsen-Anhalt befindet sich im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern. Auch dort entscheiden sich so viele Menschen wie nie zuvor für eine Ausbildung bei der Polizei. Nordrhein-Westfalen und Hessen feiern einen Bewerberrekord nach dem anderen. In Bayern gibt es sieben Kandidaten für eine Stelle in Uniform, und auch Baden-Württemberg schöpft nach eigenen Angaben aus dem Vollen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Bewerberrekord in Nordrhein-Westfalen

Beispiel Nordrhein-Westfalen: Im bevölkerungsreichsten Bundesland bewarben sich rund 11.200 junge Männer und Frauen für den Polizeidienst – das ist ein Bewerberrekord.

Auch in Hessen ist der Ansturm ungebrochen. Um im Februar 2018 eingestellt zu werden, meldeten sich 3471 junge Menschen – 700 mehr als noch zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, teilte das dortige Innenministerium.

Ausbildungszahlen im Vergleich

Berlin hat seine Ausbildungszahlen im Vergleich zu 2008 verdreifacht – und das aus gutem Grund. Denn der oft auch geplante Boom kommt für die Länderpolizei rechtzeitig. Obwohl die starken Jahrgänge ihre Uniformen bald ablegen und in Pension gehen, wollen viele Landesregierungen die Mannschaftsstärken ihrer Polizei schrittweise erhöhen.

Jahr für Jahr will zum Beispiel die nordrhein-westfälische CDU/FDP-Landesregierung bis 2022 rund 2300 Polizisten einstellen.

Die Berliner Polizei soll 800 zusätzliche Stellen bis Ende 2019 bekommen und dann – nach zeitweisem Rückgang - wieder mit 18.000 Polizisten auf der Straße unterwegs sein.