Aus den Daten zum Armutsrisiko lassen sich zwei Befunde herauslesen. Erstens: Sachsen-Anhalt bleibt beim Lohnniveau weiter hinter den alten Bundesländern zurück – eine Annäherung gibt es kaum. Zweitens: Innerhalb des Landes gibt es Gewinner - und Verliererregionen: Während das Armutsrisiko in den großen Städten dank gut bezahlter Jobs allmählich sinkt, hat der strukturschwache Landesnorden das Nachsehen.

Für das Land ist das bedenklich. Zwar ist nachvollziehbar, dass Firmen den Wettbewerbsvorteil nutzen, niedrige Löhne zahlen zu können. Dem Land aber fehlen in den kommenden Jahren Tausende Fachkräfte. Wer nur auf Lohnkosten schaut, handelt gerade in dünn besiedelten Regionen mit wenig potenziellem Nachwuchs kurzsichtig. Auch das Armutsrisiko selbst ist ein Problem. Es bedeutet zwar nicht, dass Menschen auf der Straße sitzen. Einkommen von weniger als 999 Euro aber führen dazu, dass Menschen nicht vollständig am Leben teilhaben können. Langfristig zerstört das den Kitt der Gesellschaft.