Magdeburg l Sie sind besser in der Schule, machen öfter Abitur und sind auch an der Universität in der Überzahl: Frauen sind auch in Sachsen-Anhalt auf dem Vormarsch. Aber nicht überall. In den Mint-Fächern (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Technik) und auch im IT-Bereich sind sie nach wie vor klar in der Minderzahl. Warum ist das so? Dieser Frage geht eine aktuelle Studie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg auf den Grund.

„Wir haben nicht nur in Sachsen-Anhalt einen gravierenden Fachkräftemangel, speziell in den Mint-Berufen“, erklärt Frank Bünning, Professor für Technische Bildung und Didaktik der Universität Magdeburg. „Diesem wachsenden Problem könnten wir nur effektiv begegnen, wenn wir mehr junge Frauen dafür gewinnen, Industriemechaniker, Mechatroniker und Verfahrensmechaniker zu werden.“

Zur Erklärung, warum sich so wenig Mädchen für einen technischen Beruf interessieren, werden oft übernommene Rollenklischees herangezogen. Die altmodische und naive Vorstellung etwa, dass Frauen beruflich ein weibliches Vorbild brauchen, um ihm nachzueifern. Liegt es also an der Erziehung, dem Vorleben im familiären Umfeld? Oder liegt es nicht doch eher in der Natur der Sache, dass Frauen andere Interessen haben und einfach nicht Ingenieurin, Mathematikerin oder Technikerin werden wollen?

Für Dr. Stefan Brämer, Leiter des Forschungs-Projektes „investMINT“, steht außer Frage, „dass vor allem Eltern einen großen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben. Aber die genauen Zusammenhänge sind noch relativ wenig erforscht. Mit der Studie wollen wir Licht ins Dunkel bringen.“ Am Ende gehe es auch darum, Wünsche und Vorstellungen von Schülerinnen, Eltern und Lehrern bei der Berufsorientierung zu erfassen. „Es geht um konkrete Konzepte für die Orientierung und Unterstützung der Berufswahl von Mädchen“, so Brämer.

Grundlage der Uni-Studie ist eine anonyme Online-Befragung von Eltern schulpflichtiger Kinder. 2500 vollständig ausgefüllte Fragebögen sollen es nach den Vorstellungen der Bildungsforscher sein. Rund 1200 liegen bereits vor. Als zweite „Informations-Quelle“ dienen Interviews. Brämer und sein Team fragen unter anderem danach, wie Eltern speziell mit ihren Töchtern über Beruf und Studium sprechen, wie sie sie unterstützen und in welcher Weise sich das auf die Berufswahl der jungen Frauen auswirkt.

Nach Abschluss der Studie sollen die Ergebnisse unter anderem der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitgebervertretungen, Berufsverbänden, Landes- und Bundeselternräten sowie Schulen, Kommunen und anderen Institutionen, die am Berufs- und Studienprozess beteiligt sind, zur Verfügung gestellt werden. Unter www.investmint.de sind Informationen zu dem Projekt sowie auch der Fragebogen zu finden. Meinung