Magdeburg l Ein Mann balanciert auf einem Seil, das von einer weißen Taube über Ruinen gezogen wird, aus denen rote Feuerlohen schlagen und sich grauschwarzer Qualm erhebt. Eines der Bilder des Syrers Ghazwan Assaf, die in der 3. Etage des Landtags zu sehen sind.

Mit Malerei hatte er in seiner Heimat nie etwas zu tun, sagt der 27-jährige Elektriker. Mit Kunst im weitesten Sinne aber schon: „Ich habe als Dekorateur gearbeitet. Architekt war mein Traumberuf.“

Doch der Krieg drückt seiner Familie - wie vielen in Syrien – den Stempel auf. „Mein Bruder Hazam wurde von heute auf morgen in der Universität vehaftet, weil er gegen das Assad-Regime protestiert hatte. Mein Vater hat immer wieder bei den Behörden nachgefragt, wo mein Bruder ist. Wir wissen es bis heute nicht. Die Regierung hat keinen Respekt vor den Menschen“, sagt er.

Bilder

Bomben, Feuer – die einst „schönste Stadt meines Landes“, wie Ghazwan Assaf schwärmt, versinkt in Schutt und Asche. Die Todesangst war allgegenwärtig. Er flieht in ein Dorf in der Grenzregion zur Türkei. „Ich habe von einer Zukunft in Sicherheit geträumt. Ich wollte nach Deutschland.“ Sein Vater sei dagegen gewesen. „Aber ich habe ihm gesagt: Man lebt nur einmal. Und ich hatte Angst, dass es mir wie Hazam ergeht oder ich in die Armee gezwungen werde.“

Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien Serbien, Ungarn kommt er nach Österreich. Dann wird er mit dem Zug nach München und dem Bus nach Halberstadt zur Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge geschickt. Er landet im Jerichower Land – Genthin. Doch das Trauma, der Kummer wegen der Lage in Syrien, das Heimweh und die Fluchterfahrungen sitzen tief. Kontakt zu den Menschen findet der junge Mann, der auf den ersten Blick äußerlich nett und positiv herüberkommt, aber sich im Inneren nur schwer öffnen kann, kaum. „Die Leute gucken mir hinterher und zeigen mit dem Finger auf mich. Ich habe immer das Gefühl nicht erwünscht zu sein.“

Er beginnt dagegen zu malen. Erst auf kleinen Zetteln nicht größer als A 4 und mit Bleistift. Die Bilder sind zumeist düster. Angst schreit einen förmlich an. Flucht, Leben im Krieg sind die Themen. Aber auch Engel, Tauben – Hoffnung.

Ausstellungen

Dann trifft er auf Claudia Borschinsy. Die Pensionärin erteilt Ausländern ehrenamtlich Deutschunterricht. Ihr zeigt er seine Bilder, die er im Handy-Speicher hat, und sie ist begeistert: „Daraus kann man was machen!“ Sie besorgt ihm Mal­utensilien – erst Wasser- dann Ölfarben – und Pinsel.

Über den Bibliotheksverein Genthin organisiert sie im September 2016 die erste Ausstellung. Auch die Volkshochschule Burg ist interessiert. Bald hängen die Bilder im Senioren-Wohnpark „Zur Heide“ in Lostau (Jerichower Land) und im Sozialministerium. Der Bündnisgrüne Sebastian Striegel wurde auf Assaf aufmerksam und er regte eine Vernissage auf dem Flur seiner Partei im Landtag an. „Durch Kunst können wir die Freiheit schmecken, wir können unsere Gefühle und Prinzipien ausdrücken“, sagt er. „Meine Gefühle drehen sich immer um den Wunsch, glücklich zu sein, um Hoffnung und Liebe, um das Umeinanderkümmern und vor allem, um die gegenseitige Achtung.“

Sein Wunsch ist es, zu lernen und zu arbeiten und „nicht herumzusitzen und Geld vom Job-Center zu bekommen“. Sein Ordner ist voll mit Bewerbungen. Aber bisher ohne Erfolg.

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