Magdeburg l Große Autozulieferer hat es schon erwischt: Bei Continental, Schaeffler, Bosch und anderen stehen Massenentlassungen, Werkschließungen und Kurzarbeit ins Haus. Eine düstere Zukunft malt das Center Automotive Research (CAR) von Ferdinand Dudenhöffer aus. Bis 2030 könnte bei deutschen Autobauern und Zulieferern mehr als jeder vierte Arbeitsplatz verloren gehen. Von 834.000 Stellen blieben 233.000 auf der Strecke.

Schlechte Aussichten für die Branche in Ostdeutschland und insbesondere in Sachsen-Anhalt. Eine Analyse des Instituts für Mittelstands- und Regionalentwicklung (Imreg) warnt vor Insolvenzen und Betriebsaufgaben. Das Problem: Die überwiegend mittelständischen Unternehmen liefern vorrangig Komponenten und Teile. Entscheider sitzen woanders. Prognose: Weil die kleinen Zulieferer im Land von Prozessen und Technologien abhängig sind, werden sie stark von Umbrüchen betroffen sein.

300 Betriebe mit 26.000 Beschäftigten gibt es in der Auto-branche im Land. Jeder fünfte Industrie-Arbeitsplatz ist direkt oder indirekt von der Autoindustrie abhängig. Weit entfernt sind die Einschläge nicht. Autozulieferer Weber Automotive aus Markdorf (Baden-Württemberg) hat im Juli Insolvenz angemeldet. Die Magdeburger Tochter ist noch nicht betroffen. Verunsicherung in der Belegschaft gibt es dennoch. Kurzarbeit hat in Folge von Auftragsrückgängen der Wernigeröder Zulieferer Nemak mit 700 Mitarbeitern angemeldet. Andernorts im Osten ist die Krise da. In Thüringen sind die Zulieferer Mitec und JD Norman insolvent. Knapp 800 Mitarbeiter arbeiten an den Standorten. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will eine „Task-Force Zuliefererindustrie“ bilden.

Warnung an Landesregierung

Ein solches Instrument fordert auch der Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD). „Unsere Unternehmen haben keine Schutzglocke. Ich sehe keinen Grund, warum die Probleme nicht auch uns erreichen sollten“, sagt Geschäftsführer Jens Katzek. Es brauche Innovationen und Investitionen. Ein Runder Tisch von Industrie und Politik sei überfällig. Wichtig sei es, dass Politik und die Unternehmen der Automobilindustrie angesichts der dramatischen Entwicklungen an einem Strang ziehen, so Katzek.

Den Dialog fordert auch die IG Metall. Bei der Kohleindustrie im Süden des Landes sei viel Aufwand betrieben worden, in der Zuliefererindustrie gebe es zehnmal so viele Beschäftigte, sagt Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Auch ein Ausschuss im Landtag befasst sich nun mit dem Thema Zulieferer. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) verweist auf 530 Millionen Euro, die Unternehmen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung gestellt würden.

Die derzeitige Situation biete auch Chancen, analysiert Sebastian Eichfelder, Professor für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Der Wandel hin zur Elektromobilität sei auch mit Neuinvestitionen verbunden. Die Nähe Sachsen-Anhalts zu Wolfsburg und Volkswagen – der Konzern setzt auf Elektromobilität – könne zum Vorteil werden, sagt Eichfelder.