Elbingerode l Das Maschinenhaus ist eingerüstet, ein Teil der neuen Fenster bereits eingebaut. Endlich keine Einfach-Verglasung mehr, sagt Pastor Reinhard Holmer, Direktor des Diakonissen-Mutterhauses, mit Blick auf die Heizkosten. Die Wäscherei befindet sich dort, nebenan der hohe Maschinenraum mit seinem Innenleben, dem ein wohl einmaliges Kuriosum zu verdanken ist: Ein Schwimmbad direkt unter einem Kirchsaal.

Oft schon wurde Reinhard Holmer auf das Schwimmbad angesprochen. Denn dieser Luxus passt nicht so recht zum einfachen Lebensstil der Diakonissen und auch nicht zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Das Haus wurde 1934 fertig.

Holmer erzählt dann von den einst modernen Kesseln, die Dampf erzeugten für die Wärme in allen Häusern auf dem Campus – von den Wohnungen, der Bäckerei bis hin zur Wäscherei. Und da auch nachts die Kessel liefen, stellte der junge Architekt Godehard Schwethelm der Schwesternschaft die Frage, was man denn mit all dem Dampf anfangen wolle. Er hatte ein Gewächshaus vorgeschlagen oder eben ein Schwimmbad. Die Entscheidung fiel für Letzteres. Und so wird bis heute im Diakonissen-Mutterhaus gebetet – und geschwommen. Etliche Kinder aus dem Ort erlernten dort das Schwimmen.

Nur wenige Treppen geht es hinunter ins Bad, dessen Becken drei Meter in der Tiefe misst. Die Fliesen sind gelb und braun. Sie sind noch von damals. Manches ist schon saniert, wie der Umkleidebereich. Die Saunalandschaft ist ganz neu und modern und eingerichtet für Gäste des Hauses. Sie können die Ruhe genießen oder wandern. Der Wald beginnt schon auf dem Grundstück.

Schlichte Vorstellungen vom modernen Bauen

Wer Besucher ist, wird nicht müde zu staunen. Das Meiste ist unverändert geblieben, der Rundgang wie eine Zeitreise. Im gesamten Ensemble, das Schwethelm einst schuf, haben seine bis ins kleinste Detail umgesetzten funktionalen, vielfach schlichten Vorstellungen vom modernen Bauen all die Jahrzehnte überlebt. Einbauschränke gibt es, eine Küchenzeile, die heute wieder eingebaut werden könnte. Herzstück ist der Kirchenraum, der mit zwei Seiteneingängen eher wie ein Festsaal konzipiert ist. Und typisch für den Bauhausstil: Fensterbänder in den Treppenhäusern, um Licht einfluten zu lassen.

Eines der Lichtbänder hat 250 Scheiben. Sie werden jetzt ganz nah am Original erneuert. Die Moderne erhalten, kostet Geld. Holmer ist froh, dass das Land für Sanierungs- und Baumaßnahmen zum Jubiläum auch sein Haus unterstützt. Mehr als 400?.000 Euro fließen in die Sanierung der Fenster im Maschinenhaus und in Arbeiten am Schwimmbad.

Man schätzt auch beim Bauhaus in Dessau das außergewöhnliche Elbingeröder Ensemble, ebenso den Mut von Oberin Schwester Klara Sagert, die sich einst für Schwethelms Ideen stark gemacht hatte. Der Satz „Wenn wir heute billig bauen, wirds teuer“, ist von ihr überliefert. Mit der Vergabe hat man sich für ein ganzheitliches Konzept entschieden. „Schwethelm hatte sehr genau geschaut, was für das Leben der Schwestern praktisch und hilfreich war“, sagt Holmer. Der Architekt hatte, um das Leben der Gemeinschaft kennenzulernen, ein Vierteljahr bei der Schwesternschaft gewohnt.

Manches ist dann aber doch dem Architekten-Ego geschuldet. Man muss schmunzeln, wenn in einem Flur mit symmetrisch angebrachten Türen eine nicht zu öffnen geht. Dahinter befindet sich eine Wand. Dank des potemkinschen Dorfes passt der Blick in den Flur perfekt.

Themenseite: 100 Jahre Bauhaus

Das Bauhaus wird 100 Jahre alt. Auf der großen Volksstimme-Themenseite gibt es Geschichten und Termine rund ums Jubiläum und wo Bauhaus den Menschen in Sachsen-Anhalt heute noch begegnet. Themenseite: 100 Jahre Bauhaus