Magdeburg l Zwei Männer inspizieren einen vier Meter hohen Maschendrahtzaun; der soll mal verhindern, dass Fledermäuse oder Vögel in Lkw fliegen. Ein paar Meter weiter klopft ein Prüfer mit einem Hammer eine Brücke von unten ab. Klingt eine Stelle hohl, muss der Beton ausgebessert werden. Ansonsten ist es still auf der Autobahn zwischen Colbitz und Tangerhütte. Bagger und Betoniermaschinen sind längst abgerückt. Die letzten Handgriffe werden erledigt. Die Fahrbahmarkierer haben in den nächsten Tagen noch zu tun. Dann kommt die Kehrmaschine, und die Piste kann besenrein übergeben werden.

In 20 Tagen werden acht weitere Kilometer der von so vielen herbeigesehnten Autobahn in Richtung Ostsee fertig. Am 14. September rückt Politprominenz zur festlichen Eröffnung an. „Zwei Monate eher als geplant“, sagt Projektleiter Steffen Kauert. Er ist mit dem Tempo sichtlich zufrieden. Im August 2017 war erster Spatenstich gewesen.

Aus Sicht der Autofahrer kommt die Piste mit vier Jahren Verspätung: 2012 war ihr Bau genehmigt, 2016 hätte es rollen können. Hätte. Der Umweltverband BUND klagte. Das Gericht stellte etliche Mängel fest. Erst 2016 einigten sich Land und Umweltverband.

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Das bald fertige Autobahnstück endet kurz hinter der Anschlussstelle Tangerhütte an einem kleinen Erdwall. Dahinter sind in der Ferne Kräne und Bagger zu sehen. Seit August 2018 wird auch auf der sich anschließenden Etappe bis Lüderitz (kurz vor Stendal) gebaut. Und das wohl nich drei Jahre lang. Der nächste Abschnitt ist mit 15 Kilometern fast doppelt so groß wie das Colbitz-Tangerhütter Stück.

Zudem sind 18 Brücken zu konstruieren. Darunter sind allein acht Übergänge für Tiere. Zwei Brücken sind bislang fertig, an sieben weiteren wird geschweißt und geschraubt. Erst 2023, wenn dann von Colbitz bis Lüderitz durchgehend 30 Kilometer befahrbar sind, soll dann auch die Raststätte mit Tankstelle bei Tangerhütte in Betrieb gehen. Vorher würde es sich für einen Pächter nicht lohnen.

Aufwändig sind auch die Erdarbeiten. Die Piste quert eine Endmoräne: Die Eiszeitgletscher hatten einst Geröll vor sich hergeschoben und zu Hügeln aufgetürmt. Damit die Autobahnfahrt nicht zum Wellenritt wird, muss die Straße ein bestimmtes Höhenniveau halten. Im hügeligen Gelände baggern Bauleute daher tiefe Einschnitte. Bis zu 13 Meter tief liegt die Fahrbahn unter dem Niveau der umliegenden Kiefernwälder. An anderen Stellen – an Senken und Gräben – wird wiederum Erde aufgeschüttet.

Gut eine Million Kubikmeter heller Sand werden umgeschaufelt. Das ist ein großer Haufen: Rechnerisch 200 Meter lang, 100 Meter breit und 50 Meter hoch. Immer wieder stoßen Bagger dabei auf Findlinge. Von 100-Kilo-Kullern bis zu 25-Tonnen-Kaventsmännern ist alles dabei. Die einst von den Eiszeit-Gletschern herangeschobenen Steine werden zu Haufen aufgetürmt. Für Eidechsen ein begehrter Rückzugsort.

Bis Osterburg erst 2027

Nach Lüderitz folgen zwei Abschnitte über Stendal bis nach Osterburg. Die ingesamt 31 Kilometer sind genehmigt. Offizieller Start ist im Oktober. Zunächst wird ein erstes Stück bis Stendal/Süd (B 188) in Angriff genommen. Erst kommen die Archäologen, dann werden Büsche gepflanzt und Leitungen neu verlegt. Richtig los geht es mit dem Brücken- und Streckenbau in zwei Jahren. Fertig: Voraussichtlich 2025.

Dann folgt ein sehr aufwändiges Stück mit gleich drei Bahnbrücken. Legt man die bisherigen Bauzeiten zugrunde, wird deutlich, dass die offizielle Ansage des Verkehrsministeriums – Autobahnfertigstellung Mitte der 20er Jahre – nicht mehr realistisch ist. Auf der Etappe von Stendal-Süd bis Osterburg dürfte frühestens 2027 der Verkehr rollen. Und dann ist die A 14 immer noch nicht komplett. Für die Abschnitte Dahlenwarsleben – Wolmirstedt sowie Osterburg – Seehausen liegt noch nicht einmal eine Baugenehmigung vor.