Parteien suchen noch geeignete Bewerber, die bei der Landratswahl im Frühjahr 2014 gegen Finzelberg antreten

Bisher ist kein Gegenkandidat in Sicht

Magdeburg l In weniger als einem Jahr findet im Jerichower Land die nächste Landratswahl statt. Gegenüber mehreren Gesprächspartnern soll Amtsinhaber Lothar Finzelberg (parteilos) im Landkreis angekündigt haben, wieder antreten zu wollen. Der Volksstimme wollte er das nicht bestätigen, der Landrat beantwortete eine entsprechende Anfrage nicht.

Eigentlich wäre es für die Parteien an der Zeit, ihre Gegenkandidaten zu präsentieren. Doch sie haben Schwierigkeiten, gute Herausforderer zu finden. Öffentlich zugeben wollen sie das nicht. Aber hinter vorgehaltener Hand äußern sich besonders CDU- und SPD-Mitglieder enttäuscht.

"Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der eine realistische Chance hat, die Wahl zu gewinnen", sagen die Kommunalpolitiker unisono. Aussichtsreiche Kandidaten wie der CDU-Landtagsabgeordnete Markus Kurze oder der Burger Ex-Bürgermeister Bernhard Sterz (SPD) haben abgelehnt. Sie wollen nicht antreten.

Verpassen es die Volksparteien, sich guten politischen Nachwuchs und damit geeignete Bewerber für Wahlen heranzuziehen? SPD-Landeschefin Katrin Budde antwortet ausweichend. Sie sagt: "Es ist natürlich unser Anspruch, so viele Bürgermeister und Landräte wie möglich im Land zu stellen. Das gilt auch für die SPD im Jerichower Land." Sie sei zuversichtlich, dass man einen geeigneten Kandidaten aufstellen werde.

Ähnlich zurückhaltend äußert sich auch der CDU-Landesvorsitzende Thomas Webel. Die Frage der Kandidatur um das Landratsamt würde der Kreisverband "rechtzeitig" entscheiden.

Sätze wie diese lassen vermuten, dass die beiden großen Parteien bisher keine schlagfertigen Kandidaten im Blick haben.

Vor zehn Jahren hat die Landes-CDU Lothar Finzelberg noch als solchen gesehen. Nach seinem Austritt aus der PDS sollte er im Jahr 2003 in die CDU eintreten. Doch der Kreisverband im Jerichower Land wehrte sich damals vehement und letztlich erfolgreich dagegen.

Die Linke im Land scheint darum bemüht, auf Abstand zu Ex-Mitglied Finzelberg zu gehen. Landeschefin Birke Bull sagt: "Wir haben eine kritische Distanz zu ihm." Einen eigenen Kandidaten gebe es zwar bisher nicht. Ein gemeinsamer Bewerber mit SPD und Grünen sei für die Partei aber eine Option, so Birke Bull.

Für Grünen-Landeschefin Cornelia Lüddemann steht das aktuell nicht im Vordergrund. "Der Kreisverband konzentriert sich derzeit mit voller Kraft auf die Bundestagswahl", sagt sie. Auch die FDP steht bei ihrer Kandidatensuche noch am Anfang.

Bei der letzten Landratswahl 2007 hatte sich Lothar Finzelberg als parteiloser Amtsinhaber im ersten Wahlgang durchgesetzt (60 Prozent). Im Jahr 2001 hatte der damals für die PDS kandidierende Politiker in der Stichwahl gewonnen.