Magdeburg l „Wenn der Klimawandel den Urlaub gefährdet.“ So titelte Sachsen-Anhalts Grünen-Chefin Britta-Heide Garben ihren jüngsten Meinungsbeitrag auf der Internetseite ihrer Partei. Alle paar Tage kommentieren dort Politiker der Grünen das Landes- und Weltgeschehen. So auch die Chefin. Im Klima-Text warnte sie vor wetterbedingten Extremereignissen, Blaualgen im Meer und Schneemangel in den Alpen. Unterzeichnet war der Text mit „Ein Blogbeitrag von Britta-Heide Garben“.

Das Problem. Der Text war größtenteils abgeschrieben. Von der Deutschen Presseagentur (dpa). Besonders heikel: Darin sind auch Aussagen von Wissenschaftlern widergegeben – so vom Klimaforscher Hans Joachim Schnellnhuber. Als Zitate gekennzeichnet waren die Sätze nicht. Auch bei weiteren Texten hat sich die Parteichefin bei anderen bedient. Vor allem bei Parteikollegen. Im Blog zum Thema „Kükentöten“ ist nicht ein einziger eigener Gedanke. Er besteht aus 13 Zitaten anderer - ohne Zitatangabe. Am Mittwoch flog die Sache auf. Die "Mitteldeutschen Zeitung" hatte zuerst darüber berichtet.

Garben zeigte sofort Reue. „Ich habe einen Riesen-Fehler gemacht“, sagte sie der Volksstimme. „Das kommt nicht wieder vor.“ Sie gibt Zeitdruck an. Garben leitet einen Bauernhof in Siegersleben (Börde). 2018 wurde sie Co-Chefin der Grünen. Sie will es gern bleiben. Mittwoch tagte der Parteivorstand. Er nahm die Entschuldigung an. Garben korrigierte alle Texte.

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Die Sache ging auch juristisch glimpflich aus. Die Deutsche Presseagentur verlangt bei Plagiatsfällen Schadenersatz. Doch die Sache ist vom Tisch. Garben habe am Montag eine „Nachlizenz“ erbeten, teilte eine Agentur-Sprecherin mit. Die dpa gab dem statt. Auch an der Parteibasis herrschte Ruhe. Magdeburgs Grünen-Chef Wolfgang Wähnelt: „Das dürfte einer Vorsitzenden nicht passieren – aber das ist kein Rücktrittsgrund.“

Über Plagiate sind schon etliche Politiker gestolpert. Allerdings ging es da um Doktorarbeiten. „Die haben eine andere Wertigkeit“, sagt Plagiatsfahnder Martin Heidingsfelder von „Vroni Plag“.

Dennoch: „Eine kleine Schande“ sei es schon, wenn Politiker so unsauber im Internet arbeiten. Solch ein Fall wie jetzt bei den Grünen in Sachsen-Anhalt sei ihm noch nicht zu Ohren gekommen. Der Partei-Chefin bescheinigte er aber eine korrekte Reaktion: „Sie hat sofort gehandelt. Das war richtig so.“

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