Seehausen l Es war fünf Minuten vorm Supergau. Bei Fichtenwalde im Landkreis Potsdam-Mittelmark brannten 50 Hektar Wald. Das Problem: Rund 200 Meter von der Feuersbrunst entlang verlief die Gastrasse Leipzig–Berlin. Eine 55-Bar-Hochdruckleitung. 500 Meter entfernt der Beelitzer Ortsteil. Und wäre das allein nicht schon Grund genug dafür, dass alle Alarmglocken läuten, kam noch hinzu, dass in der Gasstation ein Ventil versagt hatte. Das Löschen wurde zum Russisch-Roulette. Zwei Stunden Angst. Dann war das Ventil ausgewechselt und die Gefahr für Feuer-Löscher und Einwohner fürs Erste gebannt.

André Freier, Techniker und Panzerfahrer beim privaten Brandschutzdienstleister DiBuKa, stehen jetzt noch die Schweißperlen auf der Stirn, wenn er an den erst wenige Tage zurückliegenden Einsatz denkt. Doch er weiß auch, dass er sich auf die zu Feuerlöschpanzern umgebauten russischen T 55 und deutschen „Marder“ verlassen kann.

Die Idee dafür hatte der gebürtige Altmärker und Firmenchef Joachim Schulz. „Landkreise sind bei sogenannten Großschadenslagen mit der Feuerbekämpfung oft überfordert“, sagt er. „Ausgehend davon haben wir uns vor zwölf Jahren gemeinsam mit der Uni Freiburg Gedanken darüber gemacht, wie man Kommunen privat mit ganz speziellen Einsatzmitteln unterstützen kann.“

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Einsetzbar in munitionsbelasteten Gebieten

Die Idee der Löschpanzer wurde geboren. „Hintergrund war, dass es den Feuerwehren verboten ist, in Waldgebieten zu löschen, die munitionsbelastet sind“, so Schulz. Schon, wenn nur der Verdacht bestehe, dass sich in einem Wald Blindgänger oder Restsprengmittel befinden könnten, werde der Bereich zur „No-go-Area“.

„Das war unser Ansatz.“ Und wieso gerade Panzer? Diese Geschichte erzählt der 55-Jährige immer wieder gern: „Vor 18 Jahren habe ich eine Panzerbrücke gesucht, um über einen Graben zu kommen. Die hat die Bundeswehr auch angeboten, aber nur gemeinsam mit einem ausgemusterten Panzer.“

Wie viel Ketten-Monster er heute hat, da lässt er sich nicht gern in die Karten gucken: „Einige sind es schon ...“ Und vier von ihnen tragen fein säuberlich schwarz auf weiß die Namen seiner Töchter: Anna, Maria, Hedi und Leni.

Die zwei „Kanonen“ auf dem vorderen Dach der rot-weißen DiBuKa-Panzer schießen einen harten Wasserstrahl bis zu 120 Meter weit. Werden sie auf „Wasserfächer“ eingestellt, schaffen sie es zwar nur auf 20 Meter, beregnen dafür aber ein breites Areal. Nach drei Minuten sind die 11.000 Liter aus dem Tank raus.

Kampfpanzer-Atmosphäre

Torsten Döring klettert in den Turm des „Russen“. Sein Platz ist rechts. Er bedient die Wasserkanonen. Die Luft im Bauch des 550-PS-Mobils ist stickig und heiß. Bequem ist anders. Kampfpanzer-Atmosphäre.

Links neben ihm ist der Fahrersitz. Der Blick des Lenkers geht bei munitionsbelastetem Gelände aus Sicherheitsgründen nur durch die Sehschlitze. Ansonsten schaut der Fahrer etwas erhöht aus dem Panzer.

Der Motor dröhnt ohrenbetäubend. Gehörschutz ist Pflicht. Das Gefühl einer Ratte in der Kastenfalle ist real.

Vom UTP-Betrieb zur Panzerwerkstatt

Die Werkhallen, in denen geschraubt, getrennt und geschweißt wird, kennt Schulz wie seine Westentasche. „Hier habe ich als Schüler UTP (Unterricht in der sozialistischen Produktion) gehabt.“

Heute werden dort die Löschpanzer aufgebaut und wenn nötig repariert. Auch alle anderen Einsatzfahrzeuge auf Grundlage der gepanzerten Schlachtrösser – Evakuierungs- und Transportpanzer, Bergepanzer, Brückenleger und schwimmtaugliche Lastenfähre – werden dort von Fachleuten so hergerichtet, dass sie den Anforderungen entsprechen.

Trotz der günstigen Lage im Vierländereck Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist Schulz nicht rundum zufrieden. „In Sachsen-Anhalt ist man noch sehr zurückhaltend. Vielleicht sind unsere Möglichkeiten noch zu wenig bekannt.“ Aus Brandenburg hingegen werde das Gerät aus Seehausen oft angefordert.

„Auch aus Niedersachsen. Dort sind wir mit unseren umgebauten Panzern für die Heidepflege gesetzt.“ Dabei werde das Wasser durch kontrolliertes Feuer ersetzt. „Seit Jahrhunderten ist das Brauch, um die Heide als Offenland zu erhalten und das Heidekraut zu verjüngen“, erklärt Schulz.

Der Betrieb gehört zu den Firmen in der Altmark, die seit Jahren auf die A 14 warten. „Unsere Tieflader, die das schwere Gerät zum Einsatzort bringen, müssen sich mühsam über Landstraßen quälen. Das bedeutet riesigen Zeitverlust und das, wenn zum Beispiel bei Bränden jede Minute zählt.“

Für die neuerliche Verzögerung des Autobahnprojekts von 2020 auf 2022 kann der 55-Jährige kaum Verständnis aufbringen. „Aber wir müssen es eben hinnehmen“, sagt er nicht sehr glücklich.