Dessau-Roßlau (dpa/md) l In der Alten Brauerei feierten Hunderte Konzertbesucher am Dienstagabend ausgelassen mit den Musikern. Jan "Monchi" Gorkow sagte, auf diese Weise könnten sie nicht nur vor 120 Menschen spielen wie es auf der Bauhausbühne möglich gewesen wäre, sondern vor sechsmal so vielen. Und auch die Dauer des Konzerts sei länger. Gorkow dankte allen, die gegen Rechts Position beziehen.

Im Publikum waren mehrere Politiker von Grünen und Linken, etwa der Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin und Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert.

Vor dem viel diskutierten Auftritt mal eben als Überraschungsgast auf eine Demo: In Dessau ist der Sänger der linken Punkband Feine Sahnen Fischfilet, Jan "Monchi" Gorkow, bei einer Kundgebung gegen Rechts und für Kunstfreiheit vorbeigekommen. In kurzer Hose und Sportjacke bedankte er sich am Dienstag bei den Menschen aus der Region, "dass wir gemerkt haben, Alter, wie viele Leute den Arsch hochbekommen haben, sich positioniert haben. Das fanden wir auf jeden Fall extrem geil". Am späteren Abend wollte die Band in der Alten Brauerei auftreten, dem Ausweich-Spielort nach einer umstrittenen Absage des Dessauer Bauhauses.

Vor ihrem Auftritt stattete die Band dem Bauhaus ebenfalls einen Besuch ab. Mit Pfefferminzlikör und einer Urkunde für die "beste PR des Monats" posierten sie auf einem Foto in den sozialen Netzwerken - eine weitere Provokation für das Bauhaus, welches das Konzert absagte.

Eine aus dem rechten Spektrum angemeldete Demonstration gegen den Auftritt wurde kurzfristig abgesagt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Gorkow reagierte mit einem "hammergeil" auf die Nachricht. Er dankte den Dessauern und den Menschen aus der Region für ihr Engagement. "Für uns war schon klar, dass wir heute natürlich nicht in Berlin spielen wollen, sondern dass wir denken, dass es richtig ist, in Dessau zu sein." Nach der Absage am Bauhaus Dessau hatten andere Bauhäuser und Theater die Band eingeladen. Gorkow betonte, es sei wichtig, "den Nazis zu zeigen, dass man nicht vor ihnen einknickt".

Auf der Kundgebung vor dem Anhaltischen Theater waren am späten Nachmittag rund 200 Menschen zusammengekommen, darunter viele Medienvertreter. Einer der Redner der vom Bündnis Dessau Nazifrei und Halle gegen Rechts angemeldeten Veranstaltung war der ehemalige Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt. Er sagte: "Die Absage des Konzertes hat die Demokratie und das kulturelle Leben in unserem Land beschädigt. Aber nicht nur das: Es hat ein jahrzehntelanges Bemühen von Tausenden von Menschen, das Bauhaus in Dessau auch zu einem Ort einer Aktualisierung von Bauhausidee zu machen, schweren Schaden zugefügt." Bauhaus-Chefin Claudia Perren und der Stiftungsratsvorsitzende und Kulturminister Rainer Robra (CDU) müssten sich entschuldigen für den angerichteten Schaden.

Vor rund drei Wochen hatte die Stiftung Bauhaus Dessau mit Verweis auf ihr Hausrecht die Absage des ZDF-Konzerts auf der historischen Bauhaus-Bühne gefordert. Sie argumentierte, die Design- und Architekturschule als Unesco-Weltkulturerbestätte solle nicht zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden. Direktorin Perren befürchtete Demonstrationen vor der Tür. Rechte Gruppierungen hatten zuvor in sozialen Netzwerken gegen das Konzert mobil gemacht.

"Erbärmliche" Absage

Feine Sahne Fischfilet hingegen bestanden auf einem Auftritt in Dessau. Falls sie mit ihrem Konzert Gewinn machen, wollen sie das Geld dem Bündnis Dessau Nazifrei geben. Die Band Feine Sahne Fischfilet kommt aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie engagiert sich seit Jahren gegen Fremdenfeindlichkeit. Sänger Jan "Monchi" Gorkow hatte die Absage durch das Bauhaus als "auf vielen Ebenen erbärmlich" bezeichnet. Bauhaus-Chefin Perren war entgegen einer Ankündigung auf der Demonstration gegen Rechts und für Kunstfreiheit nicht zu sehen.