Magdeburg l Sachsen-Anhalt hat der Bundesregierung am Freitag eine Liste mit Leuchtturm-Projekten für den Strukturwandel in der Braunkohleregion geschickt. Die Vorhaben werden nun in Berlin geprüft und bewertet. Der Bund will für die Kohle-Regionen bis 2038 insgesamt 40 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Davon sind rund 4,8 Milliarden Euro für Sachsen-Anhalt vorgesehen.

Modellregion für erneuerbare Energien

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte: „Die Vorhaben sind ein erster wichtiger Schritt, um den Strukturwandel in der Braunkohleregion erfolgreich zu gestalten." Mit den Projekten könnte ein Investitionsvolumen von bis zu drei Milliarden Euro realisiert werden. Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) betonte, Priorität hätten Vorhaben zum Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur an den Kraftwerks- und Bergbaustandorten. Im Fokus stünden der Ausbau des Chemieparks Zeitz, die Entwicklung mitteldeutscher Modellregionen für den neuen Mobilfunkstandard 5G und die energetische und stoffliche Nutzung von Wasserstoff sowie der Auf- und Ausbau der Forschungsinfrastruktur in Leuna, Schkopau, Merseburg und Halle.

Energie- und Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) erklärte: „Aus dem Kohlerevier kann in Zukunft eine Modellregion der erneuerbaren Energien werden. Das wird weit über die Region ausstrahlen und innovative Unternehmen und Fachkräfte anziehen." Die chemische Industrie bleibe der Anker der Region. Aus den ehemaligen Tagebauen könnten Refugien der Artenvielfalt und Naherholungsmöglichkeiten werden.

Übersicht der Leuchtturmprojekte

1. Industrieregion Mitteldeutsches Revier

Infrastrukturausbau und Profilierung des Umfeldes von Kraftwerks- und Bergbaustandorten zu zukunftsfähigen Industrie- und Gewerbestandorten, einschl. Know-how-Sicherung, Fortentwicklung, der Nachnutzung von Industriestandorten und Fachkräftequalifizierung.

Schwerpunkte:

→ Wiedererschließung der Verkehrsverbindung der Städte Hohenmölsen (Sachsen-Anhalt) und Pegau/Groitzsch (Sachsen).

→ Der Standort Deuben soll zu einem der modernsten Industriestandorte in Mitteldeutschland entwickelt werden.

→ Entwicklung und Ausbau von Infrastruktur am Standort des Industriekraftwerkes Wählitz, um nach Beendigung des Kraftwerkbetriebes eine Weiterentwicklung zu einem zukunftsfähigen Industriestandort zu ermöglichen, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und neue Industriearbeitsplätze zu schaffen.

→ Profilierung des Chemie- und Industrieparks Zeitz zu einem Standort der nachhaltigen Chemie- und Biosystemtechnik.

→ Erwerb und Erschließung eines gut angebundenen Gewerbegebietes in Zeitz Nord-Radeland und Erschließung des Gewerbegebietes in Weißenfels* zur Ansiedlung neuer Unternehmen und Schaffung von Dauerarbeitsplätzen

→ Fachkräftesicherungsinitiative für das Mitteldeutsche Revier

2. Wasserstoff-Modellregion Mitteldeutsches Revier

Durch eine regionale Nutzung der erzeugten erneuerbaren Energien für Wasserstofferzeugung, -transport, -speicherung und -nutzung ergeben sich direkt Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte in Anlagenbau, -betrieb und –wartung. Weiterhin wird die Importabhängigkeit von fossilen Brennstoffen für die einzelnen Verbrauchssektoren reduziert und somit das Preisrisiko bei der Primärenergienutzung reduziert. Gelingen soll dies unter anderem durch den großskalierten und großtechnischen Einsatz von Power-to-X-Technologien.

3. Ausbau des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes und Ausweitung von Regionalexpressverbindungen im Süden Sachsen-Anhalts

Strecken:

  • Bau der Verbindungskurve Großkorbetha (für die S-Bahn-Direktverbindung Leipzig – Bad Dürrenberg – Merseburg)
  • Ausbau der Strecke Großkorbetha – Leipzig (160 km/h)
  • Ausbau der Strecke Naumburg – Halle (160 km/h)
  • Ausbau der Strecke Gera – Zeitz – Leipzig (120 km/h und Elektrifizierung)

Stationen:

  • Verlegung der Station Leuna-Werke Nord
  • Sanierung/Ausbau/Neubau von Stationen zwischen Querfurt und Merseburg
  • Neubau des Empfangsgebäudes Bitterfeld
  • Sanierung/Ausbau/Verlegung von Stationen zwischen Weißenfels und Zeitz
  • Barrierefreie Sanierung und Umbau der Bahnstation Braunsbedra

4. Nachhaltige Energieinfrastruktur aufbauen

Es soll eine komplexe, modulare und vernetzte Energieerzeugungs- und Energieversorgungsinfrastruktur aufgebaut werden, die auf den vorhandenen Strukturen aufbaut und diese somit nutzt. Die Transformation zu einem innovativen, regenerativen und flexiblen Energiesystem, das eine bezahlbare, effiziente und zukunftsfähige Energieversorgung gewährleistet, soll auf diese Weise im Mitteldeutschen Revier gelingen.

Teilaspekte:

  • Energieparks Amsdorf/Profen/Zerbst
  • Grüne Wärmenetze, u.a. Fernwärmeleitung Hohenmölsen
  • Kommunaler Klimaschutz (Energieeffizienz/erneuerbare Energien)
  • Gaskraftwerk Schkopau
  • Verbesserung der Energieeffizienz der vorhandenen Industrie- und Gewerbegebiete durch gezielte Beratung und Einsatz von innovativen Lösungen
  • Gekoppelte Erzeugungsstrukturen aus Bio-, Windenergie und Photovoltaik in einer integrierten landwirtschaftlichen Produktion

5. Chemie- und BioTech-Region Mitteldeutsches Revier

Entwicklung von Technologien und Verfahren der Kohlenstoff-Konversion, einschl. grüner Wasserstoff-, der Gummi- und Kautschuktechnik und von GreenChemistry zur Serienproduktionsreife, Entwicklung und Optimierung von zirkulären Stoffkreisläufen sowie Umstrukturierung der Veredlungsprozesse auf alternative Rohstoffe

Neben dem Reallabor mit Versuchsanlagenverbund Leuna/Bad Lauchstädt (GreenHydroChem) und der Standortentwicklung der mitteldeutschen Chemieregion und Gründung eines neuen Fraunhofer-Instituts für Kohlenstoff-Prozesstechnik (IKP) sind Schwerpunkte dieses Leuchtturms:

→ Mit dem Projekt Reifenkreislaufzentrum für nachhaltige Gummi- und Kautschuktechnik in Schkopau sollen grundlagenorientierte Forschungsarbeiten in einem Industrialisierungsprojekt zwischen lokaler Industrie und Wissenschaft in einer Serienfertigung Reifen zu Reifen umgesetzt werden.

→ Die Verstetigung und der Ausbau des Leistungszentrums Chemie- und Biosystemtechnik Halle/Leipzig als Weiterentwicklung des Fraunhofer Transfer- und Leistungszentrums Chemie- und Biosystemtechnik zur Circular Carbon Economy unter entsprechender Einbindung aller regionalen Akteure und damit verbundenen Transferaktivitäten.

→ Zur wissenschaftlichen Begleitung des Strukturwandels im Mitteldeutschen Revier soll ein interdisziplinäres Institut für die Erforschung des Strukturwandels und der Biodiversität der Bergbaufolgelandschaft an der MLU aufgebaut werden.

→ Das Innovative Technologie- und Anwendungszentrum Merseburg (ITAM) ist eine seit Jahren auf dem Gelände der Hochschule Merseburg geplante Investition und Leitprojekt im Leitmarkt Chemie und Bioökonomie.

→ Mit dem „Innovationshub Zukunft Holz" soll die Wertschöpfung in der Region erhöht werden und Holzwirtschaft als Treiber der Strukturentwicklung wirken.

6. Zentrum für regionale Entwicklung Zeitz

Mit einem Zentrum für regionale Entwicklung Zeitz soll ein Ort geschaffen werden, in dem das Leben von morgen auf Basis neuer technologischer Werkzeuge neu gedacht und entwickelt werden soll. Es soll Antworten darauf finden, wie in der Zukunft auch außerhalb der Metropolen gelebt werden kann. Um Regionalentwicklung neu denken zu können soll sich das ZRZ auch mit der Frage auseinandersetzen, wie der ländliche Raum besser mit der Stadt vernetzt werden kann und umgekehrt.

7. Neubau der B 87, Ortsumfahrung (OU) Bad Kösen

8. 5G-und Gigabit-Modellregion Mitteldeutsches Revier