Salzwedel l Ob im Magdeburger Motel One, dem Hilton-Hotel am Frankfurter Flughafen oder im Apartmentturm „The Heron“ in Londons City – überall räkeln sich die Menschen in Bädern aus Salzwedel. Die Deba Badsysteme GmbH aus der Altmark ist ein führender Hersteller von Badmodulen in Europa.

Die Geschäfte der Salzwedeler Firma mit Großbritannien liefen in den vergangenen Jahren glänzend. Die britische Metropole boomt, es wird gebaut wie verrückt. Und Deba baut mit. „Wir sind seit 2012 mit unseren ,Prefarbricated Bathrooms (Fertigbädern) gut dabei“, sagt Geschäftsführer Henrik Dinesen, ein Däne. Die potenten Investoren für die Apartment-Komplexe in London kommen aus Asien oder Nahost, die Bauleute aus ganz Europa.

Deba selbst ist in London mit 20 Leuten vertreten, Briten und Polen in Subunternehmen. Am deutschen Stammsitz in der Altmark sind 180 Mitarbeiter beschäftigt, im polnischen Koszalin weiter 50. Mit rund 25 Millionen Euro Umsatz im Jahr ist Deba Badsysteme eines der größten Privatunternehmen in der Altmark.

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Großauftrag am Kraftwerk

Das größte Projekt der Firma in der Londoner City war bisher der Umbau des historischen Kraftwerks „Battersea Power Station“, 1140 Fertigbäder wurden geliefert und in die Wohnungen eingebaut.

Die Projekte im Londoner Wohnungssektor haben einen langen Vorlauf von mehreren Jahren. „Viele Wohnungen sind schon verkauft, wenn wir anfangen“, erklärt Deba-Chef Dietrich von Gruben.

Das erfordert Währungsstabilität. Wenn das britische Pfund jedoch weiter abschmieren sollte, sind die Exporteure aus Deutschland und den anderen Euroländern die Dummen, weil ihre Waren damit ständig teurer werden. Und wenn die Briten ihrerseits in der EU einkaufen wollen, müssen sie immer mehr Pfund auf den Tisch legen.

Einbruch der deutschen Exporte

Eine von vielen Unwägbarkeiten. Allein die Brexit-Ankündigung hat bereits ausgereicht, die deutschen Exporte seit 2015 um sieben Prozent einbrechen zu lassen, wie die Deutsche Bank analysiert hat. Den Negativrekord hält die Pharmaindustrie mit mehr als 40 Prozent weniger Ausfuhren.

Neben der allgemeinen Unsicherheit macht Firmen wie Deba am meisten der Abschied Großbritanniens aus der Zollunion zu schaffen. Zölle sind das Gift des internationalen Wirtschaftens.

„Wir haben überhaupt keine Erfahrungen mit Zöllen“, sagt Deba-Juniorchef Georg von Gruben. Wie auch: Seit 50 Jahren gibt es die EU-Zollunion. Wie hoch werden die Abgaben, wie sind sie zu entrichten - alles offen.

Hinzu kommt das, was in Europa Arbeiternehmerfreizügigkeit heißt. Georg von Gruben: „Auf den Baustellen in London, auf denen wir tätig sind, arbeiten 70 bis 80 Prozent Osteuropäer. Auch diese wissen nicht, wie es mit ihnen weitergehen wird.“ Wenn es keine Übereinkunft zwischen Brüssel und London gibt, müssten Polen, Litauer oder Deutsche wegen der fehlenden Aufenthaltserlaubnis als „Bürger von Drittstaaten“ nach dem 29. März möglicherweise ihre Koffer packen. Für den Juniorchef der Salzwedeler Firma ist das ein Unding: „London ohne Internationalität kann man sich nicht vorstellen.“

Alles hängt an Terminen

Üble Folgen für die Salzwedeler hätten auch die Verzögerungen an der Grenze, mit denen zu rechnen ist: „Jeder Zulieferer hat seinen genauen Termin. Wenn wir vier Wochen zu spät mit unseren Badmodulen anrollen, kann es schlimmstenfalls sein, dass wir nicht mehr ins Gebäude kommen“, sagt Deba-Chef Dietrich von Gruben.

Um einigermaßen ungeschoren durch den Brexit zu kommen, sind die Deba-Manger ständig mit den Kunden, der Spedition, den Zollbehörden und den englischen Zulieferin in Kontakt. Doch die Gespräche drehen sich im Kreis: Nur, dass beispielsweise dem deutschen Zoll Leute in Größenordnungen fehlen. Es gibt inzwischen Planstellen für 900 neue Beamte – jedoch ist keine einzige besetzt.

Ansonsten gilt: Nicht genaues weiß man nicht. Insofern unterscheidet sich die Firmenzentrale in Salzwedel nicht vom Bundeskanzleramt in Berlin. Dietrich von Gruben empfindet das Vorgehen der politisch Handelnden als unverantwortlich. „Politik ist dafür da, uns die Plattform für unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit Kooperationsbeziehungen zu bieten. Man kann sich nicht vorstellen, dass die Sache gegen den Baum gefahren wird.“

Von Gruben hat zumindest erfreut zur Kenntnis genommen, dass Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann Firmen bei Brexit-Problemen helfen kann. Darauf angewiesen sein will der Deba-Chef lieber nicht.