Über den Beruf

Biologielaboranten arbeiten zum Beispiel in Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern, Pharmaunternehmen und der Lebensmittelbranche. Sie untersuchen Pflanzen, Tiere und kleinste Zellen. Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre.

Magdeburg l Als Stefanie Hillert zwölf war, musterte sie ihre kaffeebraunen Haare nicht nur vor dem Spiegel. Sie analysierte sie auch unterm Mikroskop. Genau wie ihren Speichel und das Wasser aus dem Gartenteich. Oma und Opa hatten ihr das Gerät zu Weihnachten geschenkt – und einen Volltreffer gelandet. Heute, zwölf Jahre später, ist die Arbeit am Mikroskop ihr Beruf. Seit diesem Sommer ist die Colbitzerin ausgebildete Biologielaborantin – und zwar nicht irgendeine: Die Industrie- und Handelskammer hat jetzt ermittelt, dass sie bei der Abschlussprüfung unter den 447 Absolventen in Deutschland die beste war. Im Dezember wird sie dafür in Berlin ausgezeichnet.

Wenn Stefanie Hillert erzählt, was sie im praktischen Teil – zwei Tage à sechs Stunden im Labor – so machen musste, wirft sie wie selbstverständlich einen Fachbegriff nach dem nächsten in den Raum. Polymerase Kettenreaktion, Ethyliumbromid, Gel-Elektrophorese. Da muss man sie immer mal unterbrechen und um kurze Erklärung bitten. Macht sie aber gern, kennt sie ja auch schon von Freunden und Familie. „Für mich sind die Begriffe eigentlich einfach zu merken“, sagt die 24-Jährige und strahlt bescheiden. „Denn man wendet das Theoretische aus der Berufsschule immer wieder in der Praxis an.“

Die Colbitzerin hat ihre Praxiserfahrung im Leibniz-Institut für Neurobiologie, kurz LIN, gesammelt. Dort werden Grundlagen des Lernens und der Vorgänge im Gedächtnis erforscht. Stefanie Hillert ist die erste, die das LIN zur Biologielaborantin ausgebildet hat.

Gene finden im Mäuseschwanz

An ihren Stationen dort lernte sie, wie man eine Zellkultur anlegt, DNA vervielfältigt oder auch – das erfordert besonders viel Geschick – wie man Fruchtfliegen von einem Glas ins andere setzt, ohne dass sie davonschwirren. Wobei das weniger prüfungsrelevant war.

Mit Praxiserfahrung allein wird man doch aber nicht die beste Absolventin Deutschlands. „Ich geb’ zu, ich hab auch sehr viel gebüffelt. Aber vor allem ging‘s ums Verstehen, viele biochemische Prozesse bauen ja aufeinander auf.“

Außerdem hatte sie Glück, sagt die Colbitzerin: Weil ihr der Betrieb Zeit zum Lernen ließ und die Lehrer in Bitterfeld gut erklärten. Wichtig ist, schiebt sie hinterher, dass man den Job gern macht. Denn dann schnappt man sich auch mal zwischendurch freiwillig ein Fachbuch.

Dass sie im LIN mit Mäusen und Ratten experimentiert, stört Stefanie Hillert offenbar nicht. „Als ich die Tiere mal in der Haltung gesehen habe, taten sie mir schon leid. Aber wenn ein Gehirn vor mir liegt, ist der Gedanke ausgeschaltet“, erklärt sie. „Außerdem haben die Versuche ja einen Sinn: Menschen zu helfen.“

Das LIN hat ihre Musterabsolventin gleich dabehalten. Dort bereitet sie jetzt Proben für Experimente der Doktoranden vor. Sie untersucht etwa die DNA eines Mini-Stücks Mäuseschwanz, um die Genstruktur der Maus zu ermitteln, damit sich die Forscher dann die Tiere mit den gewünschten Genen nehmen können. Kleine Verhaltensexperimente mit Fliegen übernimmt Stefanie Hillert auch selbst.

Ihr nächstes großes Ziel: entweder eine Weiterbildung zur Biotechnikerin oder ein Studium in Biotechnologie. Davor macht sie aber erstmal ihren Ausbilderschein. Dann gibt’s in Magdeburg wohl Deutschlands beste Labor-Azubi-Tipps.