Magdeburg l „Raspberry Pi“ heißen kleine Minirechner, die Menschen in Guatemala den Zugang zu Bildung erleichtern sollen. Raspberry ist Englisch und bedeutet Himbeere. Da die Technik so klein und vor allem günstig ist, setzt der Magdeburger Doktorand Hannes Tegelbeckers sie ein, um das Bildungssystem in Guatemala zu unterstützen.

Hannes Tegelbeckers ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Humanwissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für die Professur Technische Bildung und ihre Didaktik unter Prof. Frank Bünning. Vor zehn Jahren reiste er nach Guatemala und war begeistert vom Land, den Leuten und der Kultur. Er blieb zwei Jahre, um bei einheimischen Großbauern zu leben und in der Dorfschule zu arbeiten.

Viele Analphabeten in Guatemala

Mit der Zeit wurden ihm aber auch die Probleme immer mehr bewusst: „Die Anzahl der Analphabeten ist in Guatemala sehr groß. Es gibt keine Lesekultur, und es fehlt einfach an Büchern und Texten.“ Die Schulpflicht gilt nur bis zur 6. Klasse, danach gehen die meisten Kinder auf den Plantagen oder in den Städten arbeiten. „Dabei fördert die UN seit den Millenium Development Goals den Aufbau von Schulen – nur die Lehrer werden nicht ausreichend ausgebildet“, erklärt der Bildungswissenschaftler. Er gründete den Verein „Li Ch‘utam“. Dieser soll die Bildung auf Dauer sichern. Und Hannes Tegelbeckers baute ein Haus für weitere freiwillige Helfer.

Für die Arbeit in Guatemala setzt der Wissenschaftler auf neue Wege. Der Grund ist einfach: „Eine analoge Infrastruktur aufzubauen hätte zu viel Geld gekostet und keinen Sinn gemacht“, erläutert er. Warum also nicht die Digitalisierung nutzen und die Kinder und Jugendlichen über Spiele begeistern?

Winzige Computer und kostenlose Software

Der 32-Jährige setzt auf die winzigen Raspberry-Pi-Computer und die kostenlose Open-Source-Software. Damit schlägt der Magdeburger zwei Fliegen mit einer Klappe: Er führt die Kinder nicht nur an das Lesen, sondern gleichzeitig an moderne Technologie heran.

Es geht darum, Spiele zu spielen und deren Quellcodes zu manipulieren, um das Spiel nach eigenen Wünschen anzupassen. Das sind Möglichkeiten, die Kinder begeistert aufnehmen und ausprobieren wollen, so die Einschätzung des Bildungswissenschaftlers. Programmcodes lesen lernen, wie man Gedichte lesen lernt, um direkt in die digitale Welt einsteigen zu können, so stellt sich Hannes Tegelbeckers die digitale Alphabetisierung vor und erzählt auch, dass die Kinder in Guatemala durch solche Initiativen den Kindern aus Industrieländern kaum in etwas nachstehen.

Spenden fürs Projekt

Die Gelder für sein Projekt hat er über verschiedene Spender gesammelt. Unter diesen sind Privatpersonen, die Sor­optimisten Magdeburg und die Deutsche Botschaft in Guatemala.

Nach vielen Höhen und Tiefen hat Hannes Tegelbeckers in Guatemala inzwischen gemeinsam mit dem deutschen Botschafter das erste Raspberry-Pi-IT-Center mit 20 Minirechnern eröffnet. Für die Zukunft plant der Magdeburger weitere Zentren – auch für Deutschland – und ein tragbares Raspberry-Pi-Experimentiersystem in Koffern.

Projekt unterstützen

Wer das Projekt unterstützen möchte, hat bis 6. Juni 2018 Gelegenheit: Gemeinsam mit der Professur Technische Bildung und ihre Didaktik der Uni nimmt der Verein Li Ch’utam an der Google Challenge teil, um einen Prototyp Raspberry-Pi-Experimentierkoffer für mehrere Klassensätze herstellen und an sachsen-anhaltinischen Schulen einsetzen zu können. Weitere Infos unter goo.gl/o1anuV im Internet.

Ein Blog und mehr Informationen zum Projekt gibt es hier.