Magdeburg/Kenia l In dem Forschungsprojekt widmen sich drei angehende Gebärdensprachdolmetscherinnen dem Zusammenleben der hörenden und nicht-hörenden Bevölkerung – praktisch einer „Kenia-Koalition“ der besonderen Art – und besuchten dafür im September Schulen und Ausbildungsstätten des Ortes.

„Die Idee zu dem Thema entstand durch einen vorherigen Aufenthalt von Raika in Nyang‘oma“, berichtet Medina Hennen. Zusammen mit Raika Wolff und Konstanze Bustian studiert sie im siebenten Semester Gebärdensprachdolmetschen.

Das Interesse für die Bevölkerung des westkenianischen Dorfes nahe dem Viktoriasee wird verständlich, sobald man sich die Infrastruktur ansieht. Nyang‘oma beherbergt eine der ersten im Land eingeführten Grundschulen für Gehörlose. Eine weiterführende Gehörlosenschule und ein Berufsausbildungszentrum, an dem Gehörlose und Hörende gemeinsam ausgebildet werden, sind ebenfalls vorhanden. Zudem gibt es unter anderem ein Waisenhaus, eine Bäckerei und eine Krankenstation, an denen Hörende und Gehörlose arbeiten.

Um das Zusammenleben und die Berührungspunkte der Hörenden und Gehörlosen in dem Dorf zu untersuchen, reisten die drei Studentinnen im September nach Nyang‘oma und verbrachten dort viel Zeit mit den Menschen.

Medina besuchte am Vormittag meist das St. Joseph‘s Technical Institute, an dem die Jugendlichen Ausbildungsberufe wie Schlosser, Maurer oder Elektriker erlernen.

„Um möglichst viele Interaktionen zwischen hörenden und gehörlosen Schülern und Lehrern beobachten zu können, schaute ich mir sowohl theoretische als auch praktische Unterrichtsstunden an“, erzählt sie. Dabei nutzte sie auch die Gelegenheit, sich selbst einzubringen und Kontakte zu knüpfen. „Diese waren hilfreich, um Informationen zu erhalten, die ich nicht aus Beobachtungen gewinnen konnte.“

Jeden Abend trafen sich die Studentinnen, um ihre Beobachtungen am Laptop zusammenzutragen und zu diskutieren. Die gesammelten Daten werden sie für ihre Bachelor-Arbeiten verwenden. Konstanze konzentriert sich dabei auf deren Auswertung. Medina wird sie nutzen, um ein Profil des Dorfes hinsichtlich des Zusammenlebens und der Kommunikation zwischen Hörenden und Gehörlosen zu erstellen. Die Ergebnisse wollen die Studentinnen in englischer Sprache den Einwohnern Nyang‘omas zur Verfügung stellen.