Magdeburg l René Schröter und sein Kollege vom Stadtordnungsdienst Magdeburg, Nils Schufft, hängen sich die Schutzmasken über. Dann steigen sie vor dem Neuen Rathaus in den blau-weißen Bulli. Die Männer sind eines von drei Teams, die seit vergangenem Mittwoch täglich von 10 bis 22 Uhr in der Landeshauptstadt kontrollieren, ob die Corona-Vorschriften eingehalten werden.

Begleitet werden sie von einer Funkwagenbesatzung. Den Grund für den polizeilichen Beistand nennt Gerd vom Baur, Vize-Ordnungsamtschef der Stadt: „Wer gegen die neue Landesverordnung verstößt, die aufgrund der Pandemie in Kraft getreten ist, begeht eine Straftat. Und dafür ist die Polizei und nicht das Ordnungsamt zuständig. Jeder Verstoß zieht eine Anzeige unsererseits nach sich.“

Bis zum Freitag wurden 59 sogenannte Betriebsstätten – Spielhallen, Fitnessstudios, Ladengeschäfte und Gaststätten – kontrolliert. Lediglich bei einigen Lokalen musste das Ordnungsamt eingreifen. Vom Baur: „Tische waren zu eng gestellt. Die Betreiber waren allerdings einsichtig und korrigierten umgehend den geforderten Abstand von zwei Metern.“

Nichts vom Verbot gewusst

Eine Raucher-Gaststätte am Breiten Weg hatte trotz Verbots geöffnet. Der Wirt gab an, „nichts von dem Verbot gewusst“ zu haben. Er musste auf der Stelle schließen.

Freitagnachmittag kontrollieren die Männer vom Ordnungsamt mit den Polizeihauptmeistern Müller und Meier vom Magdeburger Revier Spielplätze. Zuerst im Rotehornpark. Dort, wo sonst an den Spielgeräten lautes Treiben herrscht, ist Stille. An den Zuwegen weisen Schilder darauf hin, dass der Spielplatz aufgrund von Corona gesperrt ist.

Zwei Frauen sind mit einem kleinen Jungen unterwegs, der mit einem Roller fährt. „Wir haben Verständnis dafür, dass der Platz geschlossen ist“, sagt die Ältere. „Aber es ist für Eltern nicht leicht, zu kompensieren, wenn sich Kinder nicht mehr richtig austoben können. Dazu gehören schon Nerven.“

„Gestern sah das hier noch anders aus“, stellt René Schröter fest, „die Skaterbahn war voll“, und schaut zu den Regenwolken hoch. „Entweder liegt‘s am Wetter oder die Leute haben inzwischen dazugelernt.“ Dreimal innerhalb von zwei Stunden war am Tag zuvor derselbe Spielplatz kontrolliert worden. Erst, als der Stadtordnungsdienst zu „härteren Bandagen“, wie Platzverweisen, gegriffen habe, seien die Menschen weggeblieben. „Manchmal habe ich den Eindruck, wir drehen uns im Kreis“, winkt vom Baur ab. Und er setzt noch eins drauf: „Wenn die Vorschriften noch verschärft werden, befürchte ich, dass es 1000 Verstöße, also Straftaten, gibt. „Da werden Polizei und Staatsanwaltschaften eine Menge zu tun bekommen.“

25 Beamte zusätzlich

14 Spielplätze wurden bis zum Freitag kontrolliert, auf denen durch die Verordnung ein Aufenthaltsverbot ausgesprochen wurde. Trotzdem hielten sich dort bis zu 3 Kinder und Begleitpersonen auf. Schuft. Einige der Eltern wollten nicht verstehen, dass sie sich und ihre Kinder gefährden: „Da gab es eine Menge Gesprächsbedarf

Die „größte Baustelle“, so vom Baur, seien „öffentliche Menschenansammlungen“. Zum Beispiel die sogenannten Corona-Partys. „Wir sind ja auch im Internet unterwegs und können lesen. Ich sage nur: Solch Veranstaltungen können sehr teuer werden.“

Zweite Station der große Spielplatz in der Hegelstraße in der Altstadt. Gitter versperren die Zugänge. Auch dieser Bereich ist menschenleer. Der Spielplatz in der Haldensleber Straße, Neue Neustadt, ist halbherzig abgesperrt. Lediglich an den beiden Zugängen flattert rot-weißes Plastikband. Schufft holt die große Rolle aus dem Bulli und gemeinsam mit seinem Polizeikollegen Meier macht er das Spielgelände nun deutlich sichtbar dicht. Mit Blick auf diesen Spielplatz zeigt er auf Hinweisschreiben in rumänischer und bulgarischer Sprache, die den ausländischen Mitbürgern erklären, warum sie das Gelände nicht mehr betreten dürfen.

Ab sofort erhalten die Mitarbeiter des Vollzugsdienstes im Ordnungsamt mehr polizeiliche Unterstützung durch 25 Beamte.