Magdeburg (dpa) l Die strengen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus hat Sachsen-Anhalt gerade erst gelockert, da müssen sich die Menschen auf neue Vorschriften einstellen: Nach Sachsen und Thüringen hat jetzt auch Sachsen-Anhalt angekündigt, das Tragen eines Mundschutzes beim Einkaufen sowie im öffentlichen Nahverkehr vorzuschreiben.

Die schwarz-rot-grüne Landesregierung beschloss eine entsprechende Tragepflicht am Dienstag bei einer Sitzung in Magdeburg, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Die Pflicht soll ab Donnerstag (0.00 Uhr) gelten. Zuvor hatte die "Mitteldeutsche Zeitung" (online) über den Beschluss berichtet.

In der Kabinettssitzung per Videoschalte wurde nach dpa-Informationen auch diskutiert, ob es möglich wäre, die Mundschutzpflicht bereits am Mittwoch einzuführen. Aus formalen Gründen blieb man dann doch bei einer Pflicht von Donnerstag an. Ein Regierungssprecher wollte das Ergebnis der Beratungen zunächst nicht kommentieren und verwies auf eine Pressekonferenz am Nachmittag.

Zuvor hatte das Land nach wochenlangen Schließungsanordnungen kleineren und mittelgroßen Läden sowie einigen Dienstleistern gestattet, wieder zu öffnen. Zudem sollen am Donnerstag die Schulen zumindest für die Jugendlichen wieder öffnen, die in diesem Jahr ihren Abschluss machen.

Schals und Tücher erlaubt

Parallel zu den Öffnungen hatte die Landesregierung "dringend empfohlen", eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Der Empfehlung seien beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr die wenigsten Menschen gefolgt, begründete Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist", warum er für eine Pflicht ist. Mit der Vorschrift, Mund und Nase mit Stoff zu bedecken, soll die Gefahr minimiert werden, unbeabsichtigt Mitmenschen mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken. Neben OP-Masken sind auch selbstgenähte Stoffmasken oder über das Gesicht gezogene Schals und Tücher als Schutzbarriere erlaubt.

Der Erreger Sars-CoV-2 wird per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Deswegen gelten seit Wochen strenge Kontakt- und Ausgehbeschränkungen sowie das Gebot, mindestens eineinhalb Meter Abstand voneinander zu halten.

Am Montag hatte Sachsen als erstes Bundesland in Deutschland eine entsprechende Vorschrift zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Kraft gesetzt. Mehrere Bundesländer wie Thüringen oder Bayern kündigten an, dem Schritt zu folgen. Im mittelthüringischen Jena ist der Mundschutz schon seit 6. April beim Einkaufen und beim Bahnfahren Pflicht. In Halle gilt die Vorschrift seit Ostern für Einkäufe auf dem Wochenmarkt in der Innenstadt.

Sachsen-Anhalt gehört zu den Bundesländern mit der vergleichsweise geringsten Zahl nachgewiesener Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2.