Magdeburg l Seit Montag sollen alle planbaren Aufnahmen, Operationen und Eingriffe in deutschen Krankenhäusern, soweit medizinisch vertretbar, auf unbestimmte Zeit verschoben werden. So haben es vorige Woche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Minister­präsidenten bei einem Treffen zur Corona-Krise beschlossen. Dadurch sollen sich die Krankenhäuser auf den „erwartbar steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen durch Covid-19" konzentrieren können, heißt es in einem Beschlusspapier.

Wie ist die Lage in Sachsen-Anhalt?

Am Universitätsklinikum Halle werden ab Dienstag nur noch medizinisch dringend notwendige Operationen durchgeführt. Alle planbaren Eingriffe und Operationen wurden abgesagt, sagte ein Sprecher. Die Patienten seien telefonisch informiert worden.

„In dieser Woche werden wir keine Operationen verschieben", sagte Hans-Jochen Heinze, Chef des Magdeburger Universitätsklinikums. „Es ist wichtig, dass wir die Patienten, die eine schwere Krebserkrankung oder andere schreckliche Leiden haben, nicht einfach vergessen."

Derzeit gebe es aktuell einen Corona-Patienten, der in einer Klinik in Sachsen-Anhalt behandelt werde. Sollte sich das ändern, sei die Uniklinik vorbereitet. „Wir könnten zum Beispiel an einem Tag sofort zehn Beatmungsplätze nur für Corona-Patienten zur Verfügung stellen." Laut Heinze könne man auch darüber diskutieren, „ob Operationen, die zwar planbar sind, aber keine Beatmung notwendig machen, weiter durchgeführt werden. Wir müssen einen fairen Kompromiss finden."  Man müsse sich derzeit auf alles vorbereiten, fügte Heinze hinzu: „Aber wie wirksam all die Einschränkungen im öffentlichen Leben sind, werden wir erst in 14 Tagen wissen." Die Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt planen derzeit  noch keine Verschiebungen von Operationen. Frank-Ulrich Wiener, Regionalgeschäftsführer Ost, sagte: „Wir versorgen alle Patienten wie geplant. Im Moment sind in allen Häusern ausreichend Kapazitäten vorhanden." Um mehr Platz für Patienten mit Covid-19 zu schaffen, verschieben indes Berliner Krankenhäuser planbare Operationen und bauen ihre Beatmungskapazitäten aus. „Die Absage von planbaren Behandlungen ist dann möglich, wenn sie aus medizinischen Gründen im Einzelfall verantwortbar ist", sagte eine Sprecherin der Berliner Krankenhausgesellschaft.

In Nordrhein-Westfalen könnte die Verschiebung planbarer Operationen mehr als jeden zweiten Eingriff betreffen. Das sagte der Präsident der dortigen Krankenhausgesellschaft, Jochen Brink, im WDR. Für die Krankenhäuser bedeute das eine „gewaltige Herausforderung". Aktuell seien die Krankenhausleitungen überall im Land damit beschäftigt, ihre Betriebsabläufe umzu­organisieren. Welche Eingriffe ohne Schaden der Patienten um einige Monate verschoben werden könnten, entscheide der behandelnde Arzt. Die Patienten reagierten nach seinem ersten Eindruck „sehr verständnisvoll", sagte Brink. Für die Krankenhäuser  bringe der Verzicht auf so viele Operationen Einnahmeausfälle „in sehr großer Höhe". Bund und Länder hätten für die ohnehin angespannten Kliniken einen finanziellen Schutzschirm zugesagt. „Ich hoffe, dass das ohne Klein-Klein umgesetzt wird", sagte er.

Jede zweite OP betroffen

Lungenarzt Wolfgang Schütte, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt, sagte der Volksstimme: „Auch in Sachsen-Anhalt wird mindestens jede zweite Operation verschoben. Das ist sicher." Das an sich sei gar nicht so schwerwiegend, da es sich um elektive, also nicht dringliche Operationen handelt. „Diese kann man guten Gewissens verschieben", sagte Schütte. „Was jetzt aber wichtig ist: Wir müssen über Ausgleichszahlungen durch das Land reden." Gespräche dafür seien bereits in der nächsten Woche terminiert. Durch gesetzliche Maßnahmen will die Bundesregierung zügig sicherstellen, „dass die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Folgen für die Krankenhäuser seitens der gesetzlichen Krankenkassen ausgeglichen werden und kein Krankenhaus dadurch ins Defizit kommt". Im Gegenzug gebe es zusätzlich einen Bonus für jedes Intensivbett, das zusätzlich provisorisch geschaffen und vorgehalten wird.