Halle/Leipzig l Der Leipziger mit seiner neun Jahre alten Tochter an der Hand hält am Montag mit seinem Frust nicht hinterm Berg: „Freitagnacht sind wir mit dem Flug BUC 5021 vom Schwarzmeer-Urlaub zurückgekommen. Wir waren in Varna. Eine halbe Stunde später wurde Bulgarien zum Risikogebiet erklärt. Da waren wir schon nach Hause unterwegs.“ Er sei zwei Tage später zum Testen zum Flughafen gekommen, weil „alle einen großen Bogen um uns machen. Mit Mia will keiner mehr spielen und den Geburtstag der Mutti wollte auch niemand so richtig feiern. Es wird Zeit, dass die Kleine wieder mit Freunden spielen kann.“

Seit dem 1. August sind zwei Räume über der Ankunftshalle gleich neben dem Zoll zu Corona-Testzimmern umfunktioniert worden. Das medizinische Personal, geschützt mit gelben Dünnplastikmänteln, blauen Gummihandschuhen, grünen OP-Mützen und den FFP3-Masken, mutet ein bisschen wie Raumfahrer auf einem fremden Planeten an.

In zwei Schichten – getaktet nach den Ankunftszeiten – ist der Testbereich besetzt. „Am Sonntag hat vier Stunden der Bär gesteppt“, sagt Arzthelferin Sandra Opfermann. „Da wollten sich 651 Menschen testen lassen. Die Schlange war lang, eine Stunde Wartezeit gar nichts. Und einige der Rückkehrer waren ganz schön nervös. Man sollte gar nicht glauben, wie unausgeruht manche Menschen aus dem Urlaub zurückkommen.“

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Abstrich dauert nur eine Minute

Dr. Reinhard Mütze ist eigentlich Chirurg. Aber die Abstriche sind für ihn keine Herausforderung. „Als Chirurg kennt man sich mit Infektiologie, also der Wissenschaft von den Infektionskrankheiten, aus. Schließlich haben Chirurgen viel mit Wundinfektiologie zu tun.“ Nur eine gute Minute dauert der eigentliche Abstrich. Lange Wartezeiten entstehen zumeist dann, wenn die Unterlagen nicht korrekt ausgefüllt wurden, es Verständigungsschwierigkeiten gibt oder ein großer Flieger ankommt.

Alexander Piskun und Alexander junior sind aus der Ukraine nach Leipzig zurückgekommen – allerding per Pkw. Zuerst ist der Fünfjährige dran. „So, den Mund schön weit aufmachen“, sagt Mütze. Dann führt er das Stäbchen bis zur Rachenhinterwand in den Mund. Dort nistet sich das Virus ein. Ein kurzer Würgereiz lässt sich nicht vermeiden. „Aber immer noch besser, als durch die Nase“, so der Chirurg. Das Stäbchen kommt in ein kleines Reagenzglas und wird verschlossen.

Im Vorzimmer steht schon der Nächste vor dem Schreibtisch von Daniel Wellmann, Medizinstudent im 7. Studienjahr. Er erklärt den „Papierkram“ und fragt nach Krankenkassenkarte und Flugnummer. „Es ist kein anonymes Verfahren. Wir lesen die Karte ein und übertragen die darauf gespeicherten Daten für die Probe. Damit wir das Testergebnis nach 24 bis 48 Stunden zuordnen und den Betreffenden per E-Mail oder Corona-App benachrichtigen können. Allerdings nur, wenn er positiv getestet wurde.“

Dass nur einmal getestet wird und nicht nach ein paar Tagen noch einmal, nennt der Medizinstudent „völligen Schwachsinn“. Denn oftmals erkenne man Corona erst beim zweiten Test.

Eine Familie mit zwei Kindern aus Halle, die in Spanien Urlaub gemacht hat und dann mit dem Auto über Frankreich eingereist ist, lässt sich testen. „Ich halte die Untersuchung für sinnvoll und man sollte die paar Minuten Wartezeit in Kauf nehmen“, sagt der Ehemann.

Krankenkassenkarte vorzeigen

„Man hätte uns doch sagen müssen, dass wir die Krankenkassenkarte brauchen“, schimpft kurz darauf eine Frau mit stark sächsischem Akzent im Vorzimmer. „Die Karte liegt unten im Koffer.“ Dann schickt sie ihren Mann grummelnd los. „Ich bleibe aber hier stehen und stelle mich nicht noch mal an.“

Karolin und Ehemann Juan sind gerade mit dem Flieger aus Palma de Mallorca angekommen. „Symptome haben wir keine. Aber unser zwei Jahre alter Noah muss ab morgen wieder in Wittenberg in die Kita. Da wollen wir sichergehen, dass alles im grünen Bereich ist“, sagt Karolin.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Sachsen wurden vom 1. August bis zum 10. August am Flughafen Leipzig-Halle 3232 Reiserückkehrer getestet. Bei 17 wurde das Virus festgestellt. „Um die Wartezeit so kurz wie möglich zu halten, werden die Reisenden im Sicherheitsbereich und bei der Gepäckausgabe sowie weiteren Aufstellern auf die Möglichkeit hingewiesen, sich kostenlos testen zu lassen“, so Simone Pflug von der KV. „Auf einem Aufsteller liegen alle Unterlagen, die ausgefüllt werden müssen, und wenn der Andrang sehr groß ist, gibt dort eine Mitarbeiterin Hinweise zum Ausfüllen.“

Arbeitnehmer tragen Verantwortung

Das zweite Flugzeug an diesem Tag aus Palma landet um 11.30 Uhr. Die Schlange wird länger. Svetlana will weiter nach Jena. Die Russin war mit ihrer Schwester auf Mallorca. „Ich bin Schneiderin“, sagt sie. „Und da komme ich mit vielen Menschen zusammen, auch enger. Da trägt man schon eine gewisse Verantwortung.“

„Ach, gar nicht durch die Nase?“ fragt Svetlana erleichtert. „Ich hatte mich schon auf diese unangenehme Prozedur eingestellt.“

Ein VW-Werker war zum Verwandtenbesuch im Kosovo. Einen Tag zuvor ist er mit dem Auto eingereist. „Mein Arbeitgeber verlangt einen Test“, sagt er. „Ich muss eine Bescheinigung vorlegen.“

Ein Mazedonier ist vor zwei Tagen in Berlin-Schönefeld gelandet. „Weil ich in Leipzig wohne, wollte ich mich lieber hier testen lassen.“ „Viele, die in Berlin gelandet sind, kommen zu uns“, sagt Arzthelferin Opfermann. „In Tegel soll der Stützpunkt so versteckt sein, dass ihn kaum einer findet.“

Nach dem Flieger aus Kos um 12.30 Uhr wird es ruhiger. Der nächste kommt am späten Abend aus Heraklion. Doch darum kümmert sich dann der Spätdienst.