Magdeburg l Morgen will das Sozialministerium den Impfplan von Sachsen-Anhalt präsentieren. 14 Impfzentren in Landkreisen und den kreisfreien Städten soll es geben. Wo die genau sein werden, weiß aber offenbar bislang kaum jemand.

Auch nicht Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Er sagte gestern: „Wir wurden am Dienstag Abend darüber informiert, dass wir als Stadt für die Suche nach einem geeigneten Gebäude und dessen Herrichtung zuständig sind. Noch in der vergangenen Woche hieß es, das Land kümmere sich selbst.“ Nun sucht Magdeburg ein Impfzentrum. „Es liegt nah, dass wir das Messezentrum im Auge haben. Aber das müssen wir jetzt erstmal klären“, so der Oberbürgermeister.

Noch keine Immobilie unter Vertrag

Auch der Harzkreis hat noch keine Immobilie für das Impfzentrum unter Vertrag. „Aber wir sind in der Schlussabstimmung“, sagt Landrat Thomas Balcerowski (CDU). Es laufe derzeit auf ein Gebäude in Quedlinburg hinaus. Er sei zuversichtlich, dort bald das Impfzentrum aufbauen zu können. „Es geht jetzt nicht um Kompetenz-Rangeleien, sondern darum, dass wir schnell diese Pandemie hinter uns lassen.“ Spätestens Weihnachten sei man im Harz impfbereit, ist der Landrat zuversichtlich.

Und wie läuft es anderswo? In Ulm (Baden-Württemberg) zum Beispiel wird schon geimpft. Im Messezentrum der Stadt simulieren Testkandidaten die Wege entlang zwischen Absperrgittern, vorbei an Spahnplatten-Kabinen, wo Abstriche genommen werden und Beratungsgespräche mit Ärzten stattfinden. Vor der Halle sind „Impfstraßen“ vom Parkplatz in die Halle ausgeschildert, damit sich niemand verläuft im Anti-Corona-Dschungel. Sogar eingepreist ist der Impfplan des Landes dort schon. Laut Stuttgarter Nachrichten vom Dienstag soll die Umsetzung der Anti-Corona-Impfung 60 Millionen Euro kosten. Den 11 Millionen Baden-Württembergern – das sind fünfmal mehr als Sachsen-Anhalter – stehen zunächst neun Impfzentren zur Verfügung. Ab Januar folgen weitere. Mindestens 1500 Impfungen am Tag – überall von 7 bis 21 Uhr – das ist der Plan im Süden.

Stadt ist zuständig

Und hierzulande? Noch in der Findungsphase bei der Impfzentrum-Suche ist man im nördlichen Sachsen-Anhalt wohl in mehreren Landkreisen. Nach Volksstimme-Informationen gibt es derzeit weder in der westlichen Altmark, noch in der Börde, noch im Salzlandkreis Hinweise darauf, dass Impfzentren bereits im Aufbau begriffen sind. Aus Stendal immerhin eine gute Nachricht. Da Ministerin Grimme-Benne „durchscheinen ließ“, schreibt das Büro von Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU), dass die größten Städte eines Landkreises ein Impfzentrum bekommen sollen, habe sich „die Stadtverwaltung natürlich schon einige Gedanken gemacht“. Man favorisiere derzeit die städtische Ausweich-Kindertagesstätte in der Osterburger Straße. „Auch wenn uns einige Details wie etwa benötigter Stauraum oder Kühlung noch unbekannt sind“, so das Stendaler Rathaus. Der Impfplan des Landes wird morgen diese Fragen vielleicht beantworten.

Genauso die Fragen nach der Arbeit von mobilen Impfteams in Sachsen-Anhalt. Wie in anderen Ländern auch sollen mit der Kassenärztlichen Vereinigung oder der Landesärztekammer Mediziner gewonnen werden, die zu Menschen fahren, die nicht selbst Impfzentren besuchen können. Das werden zunächst vor allem pflegebedürftige Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sein. Und das sind nicht wenige. Laut dem Landesamt für Statistik gab es zum Jahresbeginn 2020 im Land 129 672 pflegebedürftige Menschen. 55 690 Menschen davon werden in häuslicher Pflege versorgt. Da werden also viele Hausbesuche mit Anti-Corona-Impfampullen notwendig sein.

Aber vielleicht wollen sich ja auch gar nicht alle impfen lassen? Eine Umfrage des englischen Meinungsforschungsinstitutes Kantar ergab jüngst, dass nur 35 Prozent der Deutschen „definitiv“ zur Anti-Corona-Impfung bereit sind, weitere 32 Prozent „wahrscheinlich“. Wie viele Menschen werden dem Impfstoff vertrauen? Das ist die große Unbekannte, mit der auch der Impfplan von Sachsen-Anhalt umgehen wird müssen. Meinung